Probleme am Mainzer Hauptbahnhof

Bahn will Personal überprüfen

Mainz - Nach den Problemen am Mainzer Hauptbahnhof hat die Deutsche Bahn angekündigt, ihr Personal zu überprüfen. Der Bund kündigt weitere Kontrollen an.

Der Bund will der Bahn auch nach der Einigung mit der Eisenbahngewerkschaft weiter auf die Finger schauen. Die Bahn solle bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 18. September Auskunft geben, ob Probleme wie am Mainzer Hauptbahnhof bundesweit vorkommen könnten, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Donnerstag auf Anfrage. Die Pläne von Bahn und Eisenbahngewerkschaft zur Überprüfung des Einsatzes von Personal wertete er positiv: „Es ist gut, wenn das Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter gemeinsam die Personalsituation überprüfen“. Das Thema bleibe aber auf der Tagesordnung.

Die Bahn und die Eisenbahngewerkschaft EVG vereinbarten bei einem Spitzengespräch in Frankfurt am Mittwoch, die Personalplanungen für das kommende Jahr in allen rund 400 Konzernbetrieben mit den Beschäftigten zu überprüfen. „Wir haben die Reset-Taste gedrückt“, erklärte EVG-Chef Alexander Kirchner anschließend. Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage eingehalten werden. Der Anlass waren Zugausfälle und Umleitungen am Mainzer Hauptbahnhof, weil zunächst rund die Hälfte der Fahrdienstleiter dort ausfiel.

„Wir haben uns vorgenommen, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwochabend. Der Prozess werde zeigen, wo Neueinstellungen notwendig seien. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Die Eisenbahngewerkschaft rechnet nach Kirchners Worten mit Neueinstellungen. Konzernweit seien 8 Millionen Überstunden und 9 Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Florian Pronold forderte ein Sofortprogramm der Bahn gegen Fachkräftemangel. „Die Personalknappheit in Mainz ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte der Verkehrsexperte im Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). Die Bahn brauche eine aufgabenorientierte Personalpolitik, keine Privatisierung. FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic kritisierte, Steinbrück sei als Finanzminister an der geplanten Bahnprivatisierung beteiligt gewesen. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn habe das Netz dann „kaputtgespart“.

Der Bundestags-Verkehrsausschuss wird sich noch nicht an diesem Freitag mit den Personalproblemen am Mainzer Stellwerk beschäftigen. Die SPD hatte für diesen Termin eine Sondersitzung mit Minister Peter Ramsauer (CSU) beantragt. Sie kommt nicht zustande, bestätigte das Büro von Ausschuss-Chef Anton Hofreiter (Grüne) auf Anfrage. Einen neuen Termin gab es zunächst nicht. Bundestagspräsident Norbert Lammert lehnte die Sondersitzung in der Sommerpause ab, da eine besondere Dringlichkeit nicht gegeben sei.

Die Grünen im Bundestag verlangten eine bessere Entschädigung der Fahrgäste. „Wir fordern die Deutsche Bahn auf, alle Zeitkarteninhaber zügig und umfassend zu entschädigen“, sagte Fraktionschefin Renate Künast der Nachrichtenagentur dpa. Pendler, die morgens und abends jeweils Verspätungen von 50 Minuten hinnehmen müssten, sollten schon ab 30 Minuten Verspätung Anspruch auf eine Erstattung haben. Die Deutsche Bahn will Fahrgästen mit Zeitkarten entgegenkommen. „Wir schauen uns den Einzelfall an“, sagte eine Sprecherin.

Für den Mainzer Hauptbahnhof hatte die Bahn Verbesserungen angekündigt, erst Ende August sollen aber alle Züge auch tagsüber an Werktagen normal rollen. Ab Montag geht die Schule in Rheinland-Pfalz wieder los. Zwischen 06.00 und 08.00 Uhr sollen 85 Prozent der sonst üblichen Züge über Mainz fahren, aber am Nachmittag nur 60 Prozent. Die rheinland-pfälzische Landesregierung kündigte an, der zuständige Zweckverband und die Bahn wollten dafür sorgen, dass alle Schüler auch nach Schulschluss wieder nach Hause kämen.

dpa

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