Vollautomatisch auf den Schienen

Bahn-Chef: Züge ohne Lokführer spätestens ab 2023

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Bahnchef Rüdiger Grube setzt auf die Entwicklung vollautomatischer Züge.

Berlin - Nicht nur Autos sollen künftig autonom fahren, sondern auch Züge der Bahn. Spätestens 2023 werde man so weit sein, "dass wir in Teilen unseres Netzes vollautomatisch fahren können", sagte Bahnchef Rüdiger Grube.

Zwar sei das Fahren ohne Lokführer in einem komplexen Schienensystem mit Regional-, Fern- und Güterzügen "schwieriger als bei einer U-Bahn", räumte Grube gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein. "Aber es ist möglich." Die ersten Pilotprojekte liefen bereits, bei der Erzgebirgsbahn sei ein Testfeld aufgebaut worden. De facto experimentiert die Deutsche Bahn bereits seit längerem mit fahrerlosen Zügen.

Grube setzt darauf, dass die Arbeitnehmervertreter die Pläne mittragen. "Auch Betriebsräte und Gewerkschaften erkennen, dass sich durch die Digitalisierung die Welt verändert." Wenn die Schiene wettbewerbsfähig sein solle im Vergleich mit der Straße, könne der Bahnvorstand bei der Digitalisierung nicht nur zusehen. "Wir wollen aber die Kunden mit moderner Technik begeistern."

Stirbt das Berufsbild Lokführer?

Das autonome Fahren ist in der gesamten Verkehrsbranche das Zukunftsthema schlechthin. Am selbstfahrenden Auto arbeiten etliche Autohersteller und Technologiefirmen. Auch vollautomatisierte Lastwagen werden erprobt. Auf der Schiene sind in vielen Ländern bereits U-Bahnen und Metros ohne Lokführer unterwegs. Als Verbindung zwischen Flughafenterminals sind fahrerlose Bahnen vielerorts längst eine Selbstverständlichkeit.

Im Fern- und Regionalverkehr steuert dagegen noch immer ein Lokführer den Zug - er beschleunigt, bremst, muss Signale beachten und bei unvorhergesehenen Situationen reagieren. Es gibt hierzulande aber bereits verschiedene automatische Sicherungssystemen zur Überwachung. Sie sollen einen Zug beispielsweise abbremsen, wenn er ein Haltesignal überfährt oder zu schnell unterwegs ist.

Automatisierte Züge haben Vorteile

Komplett automatisierte Züge haben laut Siemens mehrere Vorteile: Sie können schneller hintereinander fahren, weil Bremsweg, Geschwindigkeit und der kleinstmögliche Abstand ständig berechnet werden, wie der Industriekonzern in einer Präsentation seiner fahrerlosen Zugprojekte von Paris über Barcelona bis Budapest und Nürnberg schreibt. Die Technologie spare Strom, außerdem könne bei hohem Passagieraufkommen zügig eine weitere Bahn eingesetzt werden - ohne dass auch ein Lokführer bereitstehen muss.

Mit fahrerlosen Zügen können Verkehrsunternehmen letztlich also auf Lokführer verzichten. Pläne zum automatisierten Fahren dürften deshalb vor allem bei der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) auf Widerstand stoßen. Sie hat 34.000 Mitglieder und vertritt 80 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn sowie 70 Prozent bei den privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die Gewerkschaft kündigte eine Stellungnahme zu Grubes Plänen an.

AFP

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