Volkswagen fährt 2014 Rekordgewinn von 12,7 Milliarden Euro ein

Wolfsburg - Von Heiko Lossie und Max-Morten Borgmann. Russland ist schlimm, Brasilien auch. Europa kämpft sich zurück, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die USA sind ein Erfolgsgarant für alle - fast alle. Und China schiebt sowieso jeden an. Die Autobauer haben mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen. Besserung? Nicht in Sicht.

Wenn der VW-Konzern auf seine Weltkarte blickt, gleicht kein Bild dem anderen. Vertriebschef Christian Klingler nennt die Gemengelage „uneinheitlich“ oder „unsicher“. Global aufgestellt, geht kaum eine Krise spurlos an den Niedersachsen vorbei. „Angesichts gedämpfter Wachstumsaussichten in Regionen außerhalb Chinas wird 2015 sicher kein Selbstläufer“, brachte es Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Freitag zur Zahlenvorlage für 2014 auf den Punkt.

Politische Unsicherheiten, ein starkes Auf und Ab bei den Wechselkursen und kräftiger Gegenwind auf einigen Märkten seien dieses Jahr die großen Herausforderungen. Ein Überblick zu Volkswagens Rahmenbedingungen im Autogeschäft:

RUSSLAND: Ukraine-Konflikt, Ölpreis-Absturz, Rubel-Verfall - Russlands Wirtschaft steckt in der Krise und würgt den dortigen Automarkt ab. Dabei galt dieser einst als großer Hoffnungsträger und sollte Deutschland als Nummer eins in Europa ablösen.

Doch die Neuzulassungen gingen 2014 um 10 Prozent zurück, 2015 dürfte es noch schlimmer werden. Experten rechnen mit 25 Prozent Einbruch auf noch 1,8 Millionen Autos - Deutschland liegt bei gut 3 Millionen. Der Einbruch ist für Nigel Griffiths vom Analysehaus IHS der größte Unsicherheitsfaktor der PS-Branche. VW rutschte 2014 in Russland um 13 Prozent ab. Die Krise kostet laut dem Betriebsrat dreistellige Millionenbeträge. Profitabel sei der Markt aber für VW - noch.

BRASILIEN: Auch Südamerikas größte Volkswirtschaft sorgt derzeit für Ernüchterung in der Autobranche. 2014 wuchs Brasiliens Wirtschaft nur um 0,3 Prozent, die Industrieproduktion schrumpfte sogar. Dazu vergeben die Banken weniger Kredite, und der Arbeitsmarkt lahmt. Deswegen rechnet IHS 2015 mit einem erneuten Rückgang der Verkaufszahlen um 9 Prozent auf 3,25 Millionen Neuwagen.

Bei VW brachen die Zahlen 2014 sogar um knapp 17 Prozent ein. Mit Folgen: Nach einem elftägigen Streik im größten südamerikanischen Werk einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im Januar auf die Rücknahme von 800 Kündigungen. Die Stellen sollen über Abfindungen oder Teilzeit abgebaut werden. Dazu kommen Abstriche beim Entgelt.

EUROPA: Sechs Jahre lang waren Europas Automärkte auf Sinkflug - dann kam 2014 endlich der zaghafte Aufwärtstrend. Die Erholung dürfte sich 2015 fortsetzen, denn Krisenländer wie Italien oder Spanien liegen noch meilenweit unter den Zahlen von vor 2008. Auftrieb gibt der niedrige Ölpreis, der den Verbrauchern mehr Geld übrig lässt.

Zudem hält die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank die Zinsen und damit die Konditionen für die Autofinanzierung niedrig. Doch die Hersteller warnen: Der Preiskampf hat seit der großen Krise kaum an Intensität eingebüßt. Für den VW-Konzern war der Heimatkontinent 2014 eine Stütze: Es gab ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

CHINA: Liefe es nur überall so wie hier, denken viele Automanager. Zwar fiel das Wirtschaftswachstum 2014 auf gut 7 Prozent und dürfte dieses Jahr weiter abflauen. Aber das Niveau auf dem weltgrößten Automarkt bleibt enorm hoch. Die Verkäufe bei den Pkw und leichten Nutzfahrzeugen dürften 2015 um rund 7 Prozent auf 25,2 Millionen zulegen. Die Treiber sollen mehr Finanzierungs- und Leasingangebote sein, weitere Autohäuser und Abwrackprogramme der Regierung. Wichtig aus deutscher Sicht: Die Oberklasse mit Audi, BMW, Mercedes und Porsche soll doppelt so stark wie der Gesamtmarkt zulegen.

Volkswagens China-Vorstand Jochem Heizmann sieht den Markt aber zu einer „neuen Normalität“ kommen. Der Konzern ist Marktführer im Reich der Mitte und erzielt dort - wie auch General Motors (GM) - fast 37 Prozent seines globalen Absatzes. Um gut 12 Prozent legte VW 2014 in China zu. „Wo auf der Welt haben wir nur annähernd so ein Wachstum?“, sagte Heizmann jüngst der Deutschen Presse-Agentur. Bei Volkswagen steht und fällt sehr viel mit der Nachfrage in der Volksrepublik.

USA: Die Vereinigten Staaten sind hinter China der größte Automarkt und waren 2014 besonders für japanische Hersteller wie Toyota ein gutes Pflaster. Auch für die deutschen Autobauer sind die USA seit der großen Krise wieder ein Erfolgsgarant - nur Volkswagen scherte bisher aus und verlor in den Staaten im vergangenen Jahr zwei Prozent an Absatz. Modellmangel und zu lange Zyklen für die kosmetische Auffrischung aktueller Wagen sind die Hauptgründe.

Trotzdem ist insgesamt auf die USA Verlass: Billiges Benzin und Niedrigzinsen locken die Menschen in die Autohäuser - und hin zu größeren Modellen. Doch gerade die fehlen Volkswagens Hausmarke. Und so rechnet Autoexperte Stefan Bratzel damit, dass der US-Rivale General Motors auf dem Heimatmarkt kräftig zulegen und beim weltweiten Absatz wieder mit Volkswagen gleichziehen könnte.

dpa

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