Für Arcandor wird die Zeit knapp

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Arcandor braucht die Zusage eines Investors.

Essen - Wenige Woche vor der geplanten Vorlage eines Konzepts zur Rettung des insolventen Handels- und Tourismusunternehmens Arcandor fehlt immer noch die Zusage eines Investors.

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Doch bis Ende August soll das Konzept stehen, bevor wie geplant Anfang September das Insolvenzverfahren eröffnet werden soll. Die feste Zusage eines Investors ist dafür zwar nicht zwingend erforderlich, könnte jedoch die Chancen im Kampf gegen eine drohende Zerschlagung des Unternehmens deutlich erhöhen.

Vor allem das Verhältnis zum wichtigsten Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim ist offenbar nicht ungetrübt. Mit seinem spektakulären Rückzug vom Amt des Arcandor-Generalbevollmächtigten sorgte der Sanierungsexperte Horst Piepenburg in dieser Woche für einen Eklat. Öffentlichkeitswirksam beklagte sich Piepenburg über die mangelnde Unterstützung des Großaktionärs. Prompt wies die Kölner Privatbank die Vorwürfe zurück und verwies auf das noch fehlende Konzept. Arcandor-Konzernchef Karl Gerhard Eick kündigte unterdessen die Suche nach alternativen Investoren an.

Das Verwirrspiel um eine mögliche Arcandor-Rettung sorgte nicht nur an der Börse für Kopfschütteln. Arcandor ähnele langsam einem “Zombie-Unternehmen“, dass irgendwann irgendwie irgendwohin gehen werde, beklagte ein Börsianer. Der Arcandor-Kurs brach am Freitag um zeitweise mehr als acht Prozent auf etwas über 40 Cent pro Aktie ein.

Der Rückzug von Piepenburg habe Mitarbeiter und Lieferanten verunsichert, stellte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg fest. “Noch nie war das Zerschlagungs-Szenario so nah wie heute“, sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch aus Sicht von Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe läuft derzeit alles auf eine Zerschlagung hinaus. Der Experte glaubt nicht, dass es Arcandor gelingt, in der verbleibenden Zeit einen alternativen Geldgeber zu Sal. Oppenheim zu finden.

Für einen neuen Investor dürfte es sehr schwierig werden, sich anders zu entscheiden als der Großaktionär, der einen tiefen Einblick in das Unternehmen hat, sagte er. Zu den möglichen Interessenten für Einzelteile aus dem Arcandor- Konzern zählt vor allem Metro-Chef Eckhard Cordes , der in den vergangenen Wochen mehrfach eine Fusion der Arcandor-Tochter Karstadt mit der Metro-Warenhauskette Kaufhof ins Gespräch gebracht hatte. Doch “je länger der Schwebezustand dauert“, umso schwieriger werde das, meinte er.

“Wenn Karstadt erst mal anfängt zu erodieren, können wir keine Wiederbelebungsversuche mehr starten“. Auch Namen aus der Immobilienbranche tauchten in der Presse als mögliche Käufer einzelner Karstadt-Häuser auf. Für Teile der Versandhandelssparte Primondo und einige Sporthäuser von Karstadt hatte der Otto-Versand die Finger gehoben.

Rewe galt bislang als Interessent für die profitable Reisetochter Thomas Cook. Die feine Privatbank hatte schon in der Vergangenheit eine tragende Rolle in dem Arcandor-Karussell gespielt. Im Herbst 2008 stieg sie bei Arcandor ein und half dem Konzern mit einer Finanzspritze aus der Patsche, als Verhandlungen mit den Gläubigerbanken zu Scheitern drohten. Auch bei dem Ringen um eine staatliche Bürgschaft war Sal.

Oppenheim ebenso wie der zweite Großaktionär, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, zu Zugeständnissen bereit. Allerdings hatte wohl mancher Politiker eine höhere Zusage von den Eigentümern erhofft. Am Ende platzte der Bürgschafts-Traum und Arcandor musste Insolvenz anmelden. Sowohl Schickedanz als auch Sal. Oppenheim bedauerten den Schritt und beteuerten zugleich, an die “Grenze des Machbaren“ gegangen zu sein.

Für Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank fehlt beiden Großaktionären schlicht “der unbedingte Wille“ zu einem Sanierungserfolg bei Arcandor. “Das ist ähnlich wie bei einer Diät: Wer die Feinkostabteilung stürmt, darf sich hinterher nicht über den ausbleibenden Erfolg wundern.“ 

dpa

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