Quote ist weiterhin hoch

Eurozone: Fast 20 Millionen Menschen arbeitslos

Luxemburg/Brüssel - Auf Europas Arbeitsmarkt ist vorerst keine durchgreifende Besserung in Sicht. Die gute Nachricht: Die Arbeitslosenquote ist nicht mehr gestiegen.

Die Wirtschaftsflaute fordert weiter ihren Tribut: Die Arbeitslosenquote in der Eurozone bleibt auf hohem Niveau, ist zuletzt aber nicht mehr gestiegen. In den 17 Euro-Ländern waren im September wie schon im Vormonat 12,2 Prozent der Menschen ohne Job. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit. Insgesamt waren in der Eurozone 19,447 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. In allen 28 EU-Staaten waren 26,872 Millionen arbeitslos, das entspricht wie schon im August 11 Prozent.

Schlusslichter bei der Beschäftigung bleiben weiterhin die Krisenstaaten Griechenland und Spanien. Griechenland hat mit einer Arbeitslosigkeit von 27,6 Prozent zu kämpfen - die jüngsten Zahlen stammen hier aus dem Juli. In Spanien waren im September 26,6 Prozent der Menschen ohne Job. Zypern und Kroatien meldeten jeweils Quoten von mehr als 17 Prozent.

Wesentlich entspannter ist die Lage in Österreich (4,9 Prozent), Deutschland (5,2 Prozent) und Luxemburg (5,9 Prozent). Sie haben die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU. Die Statistiker der Bundesagentur für Arbeit (BA) hatten am Mittwoch die Oktober-Quote für Deutschland mit 6,5 Prozent angegeben. Allerdings arbeiten Statistiker von Eurostat und BA mit unterschiedlichen Methoden, die keinen direkten Vergleich zulassen. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate verschärfte sich die Situation auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Im Euroraum stieg die Arbeitslosenquote seit September 2012 um 0,6 Prozentpunkte. In der gesamten EU kletterte sie im Schnitt um 0,4 Prozentpunkte.

Euro-Schuldenkrise - Eine Chronologie

September 2004: Nach Berechnungen des europäischen Statistikamtes Eurostat hat Griechenland seine Zahlen zum Haushaltsdefizit seit 2000 frisiert. Eurostat kommt auf deutlich höhere Defizite. Damit wird klar, das EU-Land hat sich den Beitritt zur Euro-Zone 2001 mit falschen Zahlen erschlichen und immer mehr Schulden aufgehäuft. © dpa
Oktober 2009: Die oppositionellen Sozialisten gewinnen die vorgezogene Parlamentswahl. Giorgos Papandreou wird Ministerpräsident. Bei einer Staatsverschuldung von rund 260 Milliarden Euro ist jeder Grieche im Durchschnitt mit rund 25 000 Euro verschuldet. © dpa
Januar 2010: Die Regierung schickt ihren Sparplan zur Haushaltssanierung an die EU-Kommission. Sie will das Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) mit harten Einsparungen und Steuererhöhungen bis 2012 auf unter die in der Euro-Zone erlaubten drei Prozent drücken. © dpa
Februar 2010: Die EU-Kommission stellt Griechenland unter Aufsicht. Athen muss laut Brüssel sein Defizit bis 2012 in den Griff bekommen. © dpa
April 2010: Die Euro-Länder einigen sich auf ein Rettungspaket. Es soll über drei Jahre laufen; der Internationale Währungsfonds (IWF) soll beteiligt werden. Im Notfall könnte Griechenland im ersten Jahr auf Hilfen von insgesamt 45 Milliarden Euro zugreifen. Große Ratingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herab. In der Eurozone verschärft sich die Krise. © dpa
Mai 2010: Griechenland soll über drei Jahre Kredithilfen der Eurostaaten und des IWF von 110 Milliarden Euro bekommen. Athen muss das Defizit bis 2014 unter 3 (derzeit 13,6) Prozent absenken und beschließt ein striktes Sparprogramm. Im selben Monat spannen die EU-Staaten einen Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro auf, um klamme Euro-Länder notfalls mit Krediten zu versorgen. © dpa
Dezember 2010: Irland werden als erstem Land Hilfen aus dem Rettungsschirm EFSF bewilligt. Die EU-Finanzminister billigen das Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. © dpa
11./12. März 2011: Bei einem Sondergipfel einigen sich die 17 Staats- und Regierungschefs der Eurozone auf weitreichende Maßnahmen zur Absicherung der 1999 eingeführten Gemeinschaftswährung. Der Rettungsfonds EFSF für klamme Mitglieder wird ausgeweitet. Künftig können chronische Schuldensünder leichter an Geld kommen. © dpa
24./25. März 2011: Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder beschließen die Aufstockung des Rettungsfonds und einigen sich auf den “Pakt für den Euro“, der eine engere Abstimmung in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik vorsieht. Die Länder verpflichten sich zum Sparen. © dpa
April 2011: Die griechische Regierung stimmt die Bevölkerung auf ein weiteres hartes Sparprogramm ein. Der Fehlbetrag im Haushalt 2010 belief sich laut Eurostat auf 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zunächst war Athen von etwa 9,5 Prozent ausgegangen. © dpa
Mai 2011: Die EU verlangt den Griechen einen noch härteren Sparkurs ab, aber Regierung und Opposition sind tief zerstritten. Griechenland hat nur noch bis Mitte Juli Geld, dann droht die Staatspleite. © dpa
Mai 2011: Die Euro-Finanzminister billigen eine Nothilfe für Portugal in Höhe von 78 Milliarden Euro. Im Gegenzug muss die Regierung in Lissabon ein striktes Sparprogramm durchziehen. © dpa
Juni/Juli 2011: Bei einem Gipfel in Brüssel beschließen die EU-Staats- und Regierungschefs ein weiteres milliardenschweres Hilfsprogramm für Athen. Das griechische Parlament stimmt dem Sparprogramm der Regierung zu. © dpa
Juni/Juli 2011: Damit ist der Weg für weitere Milliarden-Hilfen fast frei. Die Chefs der Euro-Länder einigen sich bei einem Krisentreffen darauf, dass die neuen Hilfsmaßnahmen einen Umfang von 109 Milliarden Euro haben sollen. © dpa
Oktober 2011: Nach einem EU-Doppelgipfel steht ein Paket gegen die Krise: Griechenlands private Gläubiger sollen freiwillig einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zustimmen. © dpa
Oktober 2010: Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert. Nun soll es Kredithilfen von 100 Milliarden Euro geben, plus Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. © dpa
November 2011: Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou tritt zurück. Nachfolger wird der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Lucas Papademos (parteilos), der eine Mehrparteien-Übergangsregierung bis zu Neuwahlen führen und im Parlament die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen durchsetzen soll. © dpa
Januar/Februar 2012: Griechenland und Vertreter des Internationalen Bankenverbandes IIF arbeiten an einer Vereinbarung über einen Schuldenschnitt, der im Endeffekt rund 100 Milliarden Euro umfassen soll. © dpa
Januar/Februar 2012: Experten der sogenannten Troika aus Vertretern der EU, des IWF und der Europäischen Zentralbank prüfen zugleich die Sparbemühungen Athens und verlangen weitere durchgreifende Maßnahmen, darunter Lohnkürzungen und die beschleunigte Verschlankung des Staatsapparats, die bislang kaum vorankommt. Vom geforderten breiten Konsens in Griechenland hängt das weitere Hilfsprogramm ab. © dpa
12. Februar 2012: Das griechische Parlament billigt das Sparpaket mit der Mehrheit von Konservativen und Sozialisten. Es gibt Gegenstimmen von kommunistischen und linken Abgeordneten sowie von zahlreichen Abweichlern aus den Reihen des Regierungslagers. © dpa
In Athen kommt es zu schweren Ausschreitungen, mit Dutzenden Verletzten und zahlreichen Festnahmen. Gebäude werden angezündet und Geschäfte geplündert. © ap

Besonders junge Menschen haben Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Im September 2013 waren knapp 5,6 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos - das sind 23,5 Prozent der jüngeren Menschen in den 28 EU-Staaten. In den Staaten mit der Euro-Währung waren gut 3,5 Millionen oder 24,1 Prozent der jungen Leute ohne Arbeit.

Unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit ächzen insbesondere Griechenland (57,3 Prozent im Juli) und Spanien (56,5 Prozent). Die sehr hohen Werte haben aber zumindest zum Teil statistische Gründe: Die Eurostat-Experten klammern junge Männer und Frauen in Studium oder Ausbildung bei ihren Berechnungen aus. Dadurch schrumpft die Bezugsgruppe der Unter-25-Jährigen. Die Zahlen bedeuten also nicht zwangsläufig, dass in Spanien und Griechenland mehr als die Hälfte aller jungen Leute arbeitslos sind.

EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor warnte davor, dass die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit ein wirtschaftliches Erstarken der EU als Ganzes bedrohe. „Es kann in Europa kein grundlegendes wirtschaftliches Wachstum geben, solange 26,8 Millionen europäische Arbeitssuchende keine Arbeit finden können“, teilte er mit. Er forderte die EU-Staaten auf, zum Beispiel Steuern und Sozialabgaben für schlecht bezahlte Arbeitskräfte zu senken.

Die Eurostat-Statistiker korrigierten zugleich Angaben aus dem Vormonat. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote für den August lag demnach in Ländern mit der Eurowährung bei 12,2 Prozent und nicht wie ursprünglich vermeldet bei 12,0 Prozent. Für die gesamte EU wurde die Quote von 10,9 auf 11,0 Prozent revidiert.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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