WDR-Magazin macht Markt-Check

Aldi & Co. oder Traditionsbäcker: Test-Ergebnis dürfte jeden überraschen

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Mit jeder Bäckerei stirbt ein Stückchen Tradition.

Aldi, Lidl oder doch der Bäcker um die Ecke? Ein umfassender Markt-Check verrät, ob billige Brötchen vom Discounter zurecht zu Bestsellern avanciert sind.

Update vom 26. März 2018: Und wieder ist der Discounter Aldi in den Schlagzeilen. Diesmal geht es um die „geschmacklose“ Werbung von Spielzeugwaffen. Ein Pädagoge übt deswegen scharfe Kritik und bekommt Unterstützung von der katholischen Friedensbewegung Pax Christi.

Ob der Duft von frischgebackenem Brot oder der Anblick knuspriger und natürlich handgemachter Brezen - das Gesamtkonzept uriger Backstuben überzeugt treue Kunden seit Jahren. Trotzdem könnte mit der jahrhundertelangen deutschen Backtradition bald Schluss sein - denn immer mehr Bäckereien schließen. 

Aldi, Lidl und Co.: Der Tod der Bäckereien?

Das könnte vor allem damit zusammenhängen, dass ihnen Discounter wie Aldi und Lidl immer mehr den Rang ablaufen. Denn diese bieten scheinbar eine billige und dennoch qualitativ hochwertige Alternative zu Backwaren in traditionellen Bäckereien. Doch ist dem wirklich so? Die WDR-Verbrauchersendung „Markt“ wollte es herausfinden und testete Weizen- und Körnerbrötchen bei Aldi-Süd, Lidl, Backwerk, Kamps und einem Traditionsbäcker. 

Bereits beim Kauf stellten sie fest, dass die Preise gewaltig variieren: Für ein „normales“ Weizenbrötchen müssen Verbraucher je nach Produkt zwischen 14 und 32 Cent zahlen, bei den Körnerbrötchen liegt die Preisspanne sogar zwischen 29 und 70 Cent. 

Die Bäckereikette Kamps, die die Teiglinge komplett im eigenen Werk produziert, verkauft die teuersten Brötchen. Laut Markt-Check sind die Brötchen vom Bäcker außerdem fast doppelt so teuer wie bei Aldi und Lidl. 

Wer gewinnt den Preis-Check? Die Brötchen im direkten Vergleich

Bei Kamps kostete ein Weizenbrötchen 32 Cent, in einer traditionellen Bäckerei der Kölner Innenstadt 30 Cent, bei Backwerk 20 Cent und bei Lidl und Aldi jeweils nur 14 Cent. Für ein Körnerbrötchen wiederum müssen Kunden bei Kamps 70 Cent, in der Bäckerei 65 Cent, beim Backwerk 30 Cent und bei Lidl und Aldi 29 Cent löhnen. 

Brötchen im Markt-Check: Welches Produkt hat die beste Konsistenz? 

Neben dem Preisvergleich wurden die Brötchen natürlich auch einem Sensorik-Check unterzogen. Der WDR ließ sich dabei von einem Experten assistieren: Ein Patissier fühlte, drückte und wog die Brötchen. Diesmal entschied das Bäcker-Brötchen das Rennen für sich und brachte es trotz kleiner Größe auf immerhin 82 Gramm. Zum Vergleich: Obwohl das Kamps-Mehrkornbrötchen die dreifache Größe vom Bäcker-Brötchen einnahm, wog es nur 74 Gramm und wurde vom Experten deshalb als „Luft-Fladen“ bezeichnet.

Vernichtendes Urteil beim Geschmack der Brötchen 

Anschließend folgte die wichtigste Prüfung: Mitarbeiter einer Schreinerei machten den Geschmackstest. Ihr Urteil verwies bei den Weizenbrötchen die Selbstbedienungs-Bäckerei Backwerk auf den letzten Platz. Das Brötchen von Kamps ging hier als eindeutiger Gewinner hervor, es folgten Lidl, Aldi Süd und der Handwerksbäcker. 

Die Negativserie der Traditionsbäcker nahm auch beim Körnerbrötchen kein Ende: Hier schnitt das Produkt vom Handwerksbäcker sogar am schlechtesten ab. Am besten schmeckte erneut das Brötchen bei Kamps, Aldi Süd belegte Platz 2 vor Lidl und Backwerk. 

Schockierendes Ergebnis für Traditionsbäcker

Wie ist es möglich, dass die aufgebackene Teigware von Kamps die mit viel Liebe zum Detail handgeformten Brötchen vom Bäcker aussticht? Ein Ernährungsmediziner lieferte dem WDR eine überraschende Erklärung:„Die künstlichen Brötchen mit den Enzymen schmecken und riechen für uns besser. Das liegt einfach daran, dass unsere Geschmacksnerven sich darauf eingestellt haben. Wir halten das nun für das Normale und eben nicht das Brötchen, das mit dem schönen Hefeteig gebacken wurde." 

Kamps erklärte auf Anfrage des WDR jedoch, dass man keine extra Enzyme hinzugebe. Trotzdem ist die Zutatenliste des Kamp-Brötchens laut WDR länger als das des untersuchten Handwerksbäckers. Dieser verwendet nur vier bis fünf Zutaten, die Großanbieter oft mehr als zehn. 

Brötchen im Markt-Check: So lautet das Fazit

Damit kann festgehalten werden, dass jeder Kunde nach Priorität entscheiden muss: Falls ihm der Geschmack ein teures Produkt wert ist, sollte er bei Kamps einkaufen. Sparfüchse sollten sich an Discounter wie Aldi und Lidl halten. Traditions- oder ernährungsbewusste Kunden werden beim Besuch einer Traditionsbäckerei fündig - denn echte Handarbeit und wenige Zutaten gibt‘s nur beim Bäcker um die Ecke. 

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sl

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