Aktionäre nehmen IKB-Management unter Beschuss

+
Die Aktionäre der IKB nehmen das Management unter Beschuss.

Düsseldorf - Kleinaktionäre der IKB haben Vorstand und Aufsichtsrat Unwillen zur Aufklärung der schweren Krise bei der Mittelstandsbank vorgeworfen.

Ohne eine vernünftige Vergangenheitsbewältigung könne man nicht nach vorne blicken, sagten mehrere Aktionärsvertreter am Donnerstag auf der Hauptversammlung der Bank in Düsseldorf. Auf wenig Verständnis stieß dabei die ablehnende Haltung des Vorstandes, die Hintergründe und Ursachen der Krise durch einen externen Sonderprüfer prüfen zu lassen. Vorstandschef Hans Jörg Schüttler betonte dagegen, dass die Bank ihren “gesetzlichen Pflichten zur Verfolgung etwaiger Ansprüche“ in jeder Hinsicht erfüllen werde.

Lesen Sie auch:

Sonderermittler soll IKB-Vorstand überprüfen

Das Düsseldorfer Institut war die erste deutsche Bank, die durch riskante Geschäfte auf dem US-Hypothekenmarkt in heftige Turbulenzen und in den Sog der Finanzmarktkrise geraten war. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Bank im März 2009 war der Sonderprüfer Harald Ring mit den Stimmen des Großaktionärs Lone Star abberufen worden. Von der staatseigenen KfW-Bankengruppe hatte der US-Finanzinvestor im vergangenen Jahr ein Anteilspaket von 90 Prozent und damit das Ruder bei der IKB übernommen.

Aktionärsvertreter hatten schon damals den Rausschmiss von Ring kritisiert und seine Wiedereinsetzung am vergangenen Mittwoch gerichtlich durchgesetzt. Gegen diesen Beschluss des Düsseldorfer Amtsgerichtes prüft der IKB-Vorstand derzeit Rechtsmittel. Wenig Verständnis zeigten die Kleinaktionäre für das erneute Fernbleiben des Aufsichtsratsvorsitzenden Bruno Scherrer. Der Lone-Star-Manager sei dienstlich verhindert, entschuldigte sein Stellvertreter Karsten von Köller das Fernbleiben des IKB-Chefkontrolleurs. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sprach dagegen von einer “Frechheit und einem schlechten Stil“, besonders vor dem Hintergrund der krisenhaften Entwicklung der IKB.

Über neue Schadensersatzklagen, wie die der französischen Investmentbank Calyon, und ihre Auswirkungen auf die IKB-Bilanz, zeigte sich Schüttler wenig besorgt. Sollten sich Risiken aus den aktuell geltend gemachten Ansprüchen ergeben, würde sie keine wesentlichen Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis der Bank haben. Dabei berief sich Schüttler auch auf den Risikoschirm der KfW, der die IKB in bestimmten Umfang von Ansprüchen aus Rechtsstreitigkeiten schützt. Insgesamt sind nach weiteren Worten des IKB-Chefs bislang 136 Klagen von Kleinanlegern in einem Streitwert von 8,4 Millionen Euro eingereicht worden. In keinem Fall habe ein Kläger damit Erfolg gehabt.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Hartes Ringen bei Jamaika-Sondierungen

Hartes Ringen bei Jamaika-Sondierungen

Mugabe räumt Probleme ein - Aber kein Rücktritt

Mugabe räumt Probleme ein - Aber kein Rücktritt

Einzelkritik: Kruse überragend, Bartels endlich wieder in Form

Einzelkritik: Kruse überragend, Bartels endlich wieder in Form

Russland, Türkei und Iran bereiten Syrien-Gipfel vor

Russland, Türkei und Iran bereiten Syrien-Gipfel vor

Meistgelesene Artikel

Siemens-Beschäftigte wollen Stellen-Kahlschlag nicht hinnehmen

Siemens-Beschäftigte wollen Stellen-Kahlschlag nicht hinnehmen

Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen

Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen

Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Kommentare