Wechsel im Top-Management

Airbus-Konzernchef Tom Enders hört 2019 auf

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Thomas Enders Anfang November während einer Pressekonferenz in Hamburg. Foto: Christian Charisius

Der deutsche Airbus-Chef Tom Enders stand schon länger unter Druck. Jetzt kündigt der von Korruptionsverdacht belastete Flugzeuggigant einen Wechsel seines Top-Managements an.

Toulouse (dpa) - Der von Korruptionsermittlungen erschütterte Luftfahrtriese Airbus bereitet einen personellen Neuanfang vor. Der deutsche Konzernchef Tom Enders gibt seinen Job im Frühjahr 2019 ab.

Der 58-Jährige strebe nach dem Ablauf seines Vertrags keine neue Amtszeit an, teilte Airbus mit. Die Nummer zwei des Konzerns, der Franzose Fabrice Brégier, wird im Februar 2018 zurücktreten.

"Für die 2020er-Jahre brauchen wir frische Kräfte", sagte Enders. Die Ankündigung folgt auf wochenlange Spekulationen über Enders Zukunft und Machtkämpfe bei Airbus.

Brégiers Job als Chef des wichtigen Verkehrsflugzeug-Geschäfts übernimmt Guillaume Faury, bislang Chef der Helikopter-Sparte. Das habe der Verwaltungsrat am Donnerstag entschieden. "Guillaume Faury steht stellvertretend für unsere neue Führungsgeneration", sagte Enders laut Mitteilung. "Er verfügt über große Erfahrung in unserer Branche und eine internationale Denke."

Enders Mandat endet mit der Hauptversammlung im April 2019, er stand dann insgesamt 14 Jahre auf Spitzenpositionen bei Airbus. Der Verwaltungsrat werde im kommenden Jahr "interne und externe" Kandidaten für die Nachfolge prüfen, hieß es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekannten sich zum traditionellen Gleichgewicht der Länder in der Airbus-Führungsebene. Natürlich werde Airbus seine Zukunftsentscheidungen fällen, sagte Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. "Auf jeden Fall wird jedes Land an einer wichtigen Position vertreten sein. So viel kann ich heute schon voraussagen."

Der als "Major Tom" bekannte frühere Fallschirmjäger Enders sicherte zu, eine "reibungslose Übergabe" zu gewährleisten. "Zudem gilt meine volle Konzentration unseren geschäftlichen Herausforderungen sowie dem Bestreben, unsere Ethik- und Compliance-Programme weiterzuentwickeln und zu stärken." Dabei geht es um das Einhalten von Regeln und Gesetzen im Unternehmen.

Derzeit halten Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern in Atem. Erschwerend hinzu kommen immer wieder technische Probleme, zuletzt bei Triebwerken von Mittelstreckenjets. Der Militärtransporter A400M bereitet seit Jahren immer neue Kopfschmerzen mit längst milliardenschweren Mehrkosten.

Macron kündigte nun Wachsamkeit an, damit bei Airbus eine "vorbildliche Unternehmensführung" beachtet wird. Das Unternehmen ist ein Politikum: Deutschland und Frankreich halten jeweils 11,1 Prozent der Anteile an dem Erzrivalen des US-Flugzeugbauers Boeing, Spanien ist in geringerem Umfang ebenfalls beteiligt.

Enders steht seit 2012 an der Spitze des Konzerns, der damals noch EADS hieß. Zuvor war er von 2005 bis 2007 bereits EADS-Co-Chef und führte dann fünf Jahre lang die Verkehrsflugzeugtochter Airbus. Der Deutsche baute Airbus um, leitete die Umbenennung von EADS in Airbus ein und straffte die Führungsstrukturen. Dabei setzte er sich stets dafür ein, den Staatseinfluss zurückzufahren und den Luftfahrtriesen zu einem "normalen Unternehmen" zu machen.

Anlass für die schon länger laufenden Korruptionsermittlungen war eine Selbstanzeige von Airbus. Enders selbst hatte seine Mitarbeiter daraufhin auf die Möglichkeit "erheblicher Strafen" eingestimmt. Die britische Anti-Korruptionsbehörde geht seit vergangenem Jahr dem Verdacht auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte von Airbus nach. Auch die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft in Frankreich ermittelt. Zudem gibt es schon seit Jahren Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen an Österreich.

Airbus beschäftigt weltweit rund 134 000 Mitarbeiter, der Konzern machte 2016 einen Umsatz von rund 67 Milliarden Euro und 995 Millionen Euro Gewinn. Im zentralen Verkehrsflugzeug-Geschäft sitzt das Unternehmen auf einem dicken Auftragspolster.

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