Technologischer Ausverkauf?

Aigner fordert: Übernahmen deutscher Firmen erschweren

+
Ministerin Aigner: "Die Bundesregierung muss hier handeln und zwar schnell".

Berlin - Immer häufiger kaufen chinesische Investoren Firmen in Europa - auch in Deutschland. Nun wächst die Sorge, dass es dabei zum Ausverkauf von Know How aus Schlüsselbranchen kommt.

Angesichts gehäufter Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren verlangt Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zügige Schritte gegen einen technologischen Ausverkauf.

"Die Bundesregierung muss hier handeln und zwar schnell", sagte Aigner der Zeitung "Welt am Sonntag". "Es geht nicht um grundsätzliche Abgrenzung, aber wir müssen Regeln definieren, die verhindern, dass Konzerne, hinter denen ganze Staaten und deren Subventionen stehen, unsere Firmen schlucken", sagte die CSU-Politikerin. Deren Engagement habe mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun. "Da werden Preise geboten, die kein normaler Investor bieten kann und würde. Auch müssen wir sicherstellen, dass deutsche Unternehmen in diesen Ländern die gleichen Zugangsvoraussetzungen haben."

Übernahmeangebote chinesischer Unternehmen sorgten für Wirbel

Chinesische Unternehmen hatten in Europa zuletzt mit mehreren großen Übernahme-Angeboten für Aufsehen gesorgt. Der chinesische Elektrogeräte-Hersteller Midea hatte bis Anfang August fast 95 Prozent der Aktien des deutschen Roboterbauer Kuka für rund 4,5 Milliarden Euro gekauft. Deutschen Firmen sind solche Übernahmen in China nicht erlaubt. Aktuell laufen Übernahmeangebote für den Produktionsmaschinen-Hersteller Aixtron und für die Osram-Sparte Ledvance - diese sind aber in der Schwebe.

Bei Ledvance nimmt die Bundesregierung momentan die rechtliche Grundlage des Verkaufs unter die Lupe. Der Investor hat eine Unbedenklichkeitsbescheinigung beantragt. Dabei wird nach "Maßstäben des Außen- und Wirtschaftsrechts" geprüft, ob eine "Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung" vorliegt.

Bei der Übernahme von Aixtron hatte das Wirtschaftsministerium seine Unbedenklichkeitsbescheinigung gegen einen Verkauf nach China zurückgezogen. Zu den Gründen machte die Regierung keine offiziellen Angaben. Laut einem "Handelsblatt"-Bericht unter Berufung auf Geheimdienstkreise sollen die USA den Deal blockiert haben - angeblich aus Angst, dass Aixtron-Produkte auch militärisch genutzt werden können. Das Unternehmen aus Herzogenrath bei Aachen stellt Produktionsmaschinen für die Chipindustrie her.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wird bei seiner Reise vom 1. bis 5. November in China unter anderem Gespräche mit Regierungsvertretern führen. Die Themen sind noch nicht öffentlich bekannt. Deutschland ist der größte Handelspartner Chinas in Europa.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Die fünf besten "Die Höhle der Löwen"-Deals aus allen vier Staffeln 

Die fünf besten "Die Höhle der Löwen"-Deals aus allen vier Staffeln 

Trockenheit in Deutschland steuert auf Ausnahmewert zu

Trockenheit in Deutschland steuert auf Ausnahmewert zu

Harry und Meghan barfuß am Strand

Harry und Meghan barfuß am Strand

Trump droht im Wahlkampf mit Schließung der Grenze zu Mexiko

Trump droht im Wahlkampf mit Schließung der Grenze zu Mexiko

Meistgelesene Artikel

Parken bei Aldi, Lidl und Co., ohne dort einzukaufen: Diese stattlichen Bußgelder drohen Autofahrern

Parken bei Aldi, Lidl und Co., ohne dort einzukaufen: Diese stattlichen Bußgelder drohen Autofahrern

Ebay verklagt Amazon und wirft Konkurrent miese Masche vor 

Ebay verklagt Amazon und wirft Konkurrent miese Masche vor 

Ein Produkt entzweite die Brüder: ARD-Film gibt seltene Einblicke ins Leben der Aldi-Gründer

Ein Produkt entzweite die Brüder: ARD-Film gibt seltene Einblicke ins Leben der Aldi-Gründer

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Neue Studie kürt besten Discounter in Deutschland

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Neue Studie kürt besten Discounter in Deutschland

Kommentare