ADAC kritisiert: Tankstellen raten von E10 ab

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Ein Berliner Tankstellenpächter warnt Autofahrer mit einem Hinweis, dass bereits einmaliges Tanken mit E10 Biosprit den Motor dauerhaft beschädigen kann. Der ADAC kritisiert Hinweise dieser Art.

Berlin - Der ADAC hat Tankstellen kritisiert, die ihren Kunden empfehlen, das bis zu acht Cent teurere Super Plus statt den neuen Biosprit E10 zu tanken. "Damit muss endlich Schluss sein."

Das sagt der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zahlreiche Zuschriften und Anrufe von ADAC-Mitgliedern hätten dieses Problem bestätigt. Becker betonte, er hoffe, dass die Verunsicherung der Verbraucher endlich abgebaut und der Kraftstoff mit zehn Prozent Ethanol besser angenommen werde.

Herr Becker, stimmt es, dass viele Tankwarte verunsicherten Autofahrern empfehlen, Super Plus statt E10 zu tanken?
Becker: "Das ist in der Tat ein Problem, wie wir aus zahlreichen Zuschriften und Anrufen unserer Mitglieder wissen. Damit muss endlich Schluss sein. Ich betone hier nochmals: Die Fahrzeughersteller haben überprüft, welche Fahrzeuge E10 vertragen. Der ADAC erwartet keine Schäden oder erhöhten Verschleiß bei vom Hersteller freigegebenen Fahrzeugen. Sollten trotz Freigabe dennoch Schäden auftreten, so ist nach Ansicht des ADAC der Fahrzeughersteller für diese haftbar, wenn der Schaden auf die Betankung mit E10 zurückzuführen ist."

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Torpediert die Mineralöl- aber auch die Autobranche gezielt E10?
Becker: "Zweifellos wurden bei der Einführung Fehler gemacht. An den Tankstellen gab es zunächst praktisch keine hilfreichen Informationen. Seitens der Fahrzeughersteller gibt es hinsichtlich der Verträglichkeit noch immer widersprüchliche Äußerungen, je nachdem, ob man bei der Presseabteilung, der Kundenbetreuung oder den Werkstätten anfragt. Dabei macht es überhaupt keinen Sinn, wenn die Autoindustrie E10 torpediert, denn sie profitiert von E10 durch die verbesserte CO2-Bilanz. Für die Mineralölindustrie macht ein Boykott von E10 ebenfalls keinen Sinn, denn sie muss eine Bio-Quote erfüllen, was ohne E10 kaum möglich ist."

Ist E10 ein Lehrbeispiel dafür, dass die Politik in diesem Bereich von Lobbyinteressen zerrieben wird?
Becker: "Nein. Die Einführung von E10 dient dem Ziel die Mineralölressourcen zu schonen, die Abhängigkeit vom Öl zu vermindern und die CO2-Bilanz zu verbessern. Über diese Ziele herrscht in der Gesellschaft weitgehend Übereinstimmung. Dass die Einführung nicht reibungslos verläuft, liegt weniger an Lobbyinteressen, sondern an mangelnder Information durch die Beteiligten und den daraus entstehenden Ängsten und Unsicherheiten bei den Verbrauchern."

Warum tanken die deutschen Verbraucher seit Jahren E5 und weigern sich nun bei E10?
Becker: "Die Umstellung auf E5 verlief ohne Probleme, weil es bei dieser Beimischungsquote für keine Fahrzeuge Einschränkungen gab. Die Irritationen bei der Einführung von E10 hatten ihren Ursprung in eben dieser Verträglichkeitssituation."

Erste Tankstellen berichten von einem besseren E10-Absatz, glauben Sie dass der Kraftstoff langfristig eine Chance hat?
Becker: "Wir sind sicher, dass die Autofahrer, deren Autos problemlos mit E10 fahren können, über kurz oder lang ihre ablehnende Haltung überdenken werden. Dazu ist es aber erforderlich, falsche Behauptungen und Verunsicherungen zu unterlassen. Die Verbraucher müssen verlässlich die Informationen erhalten, die sie brauchen, um selbst einschätzen zu können, dass weder der Natur, noch ihrem Auto durch E10 Gefahr droht."

Interview: Georg Ismar, dpa

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