2010-Panne: Banken wollen Massen-Kartenaustausch vermeiden

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Verbraucherschützer forderten Banken und Sparkassen auf, ihre Kunden für Kosten durch die Pannen zu entschädigen.

Frankfurt - Trotz der Schwierigkeiten mit rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten wollen Deutschlands Geldinstitute einen millionenfachen Austausch der Karten möglichst vermeiden.

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Derzeit werde intensiv geprüft, fehlerhafte Karten-Mikrochips mit Hilfe einer neuen Software zu reparieren, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am Mittwoch. “Unsere Aktivitäten zielen darauf ab, einen Austausch so weit wie möglich zu vermeiden.“ Der Einzelhandel, bei dem rund 200 000 Zahlterminals an Ladenkassen ebenfalls betroffen sind, forderte Ausfallgarantien und Schadenersatz bei derartigen Problemen. Für Kunden, die wegen der Pannen gegen Gebühr Geld am Schalter abheben müssen, soll es Kulanzregelungen geben.

Verbraucherschützer forderten Banken und Sparkassen auf, ihre Kunden für Kosten durch die Pannen zu entschädigen. “Die Institute müssen den Kunden zusätzliche Aufwendungen schnell, unbürokratisch und kulant erstatten“, sagte der Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, Manfred Westphal, der “Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag). Vielen Konsumenten sei ein finanzieller Schaden entstanden, etwa wenn sie beim Abheben an EC-Automaten fremder Institute Gebühren zahlen oder sich Geld ins Ausland schicken lassen mussten.

Die Deutsche Bundesbank warf der Kreditwirtschaft Versäumnisse vor. Die Branche müsse ihre Informationspolitik verbessern, sagte das für den Zahlungsverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Zentralbank, Hans Georg Fabritius, dem “Handelsblatt“ (Donnerstag). Nun sei eine sorgfältige Fehleranalyse nötig, um die vollständige Funktionstüchtigkeit der Karten wieder herzustellen. “Zudem sind Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass ein Problem dieser Größenordnung künftig nicht mehr auftreten kann.“

Wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation von Banken und Sparkassen mitteilte, sollen die zu Jahresbeginn aufgetretenen Probleme an Geldautomaten mittlerweile behoben sein. Die Terminals im Handel sollen bis Anfang kommender Woche wieder funktionieren. Grund des Ärgers sind falsch programmierte Mikrochips in bestimmtem Karten. Diese können die Jahreszahl 2010 nicht korrekt verarbeiten.

Betroffen sind entgegen ersten Vermutungen nicht neue, sondern ältere Karten. Keine Probleme gebe es mit allen EC-Karten, die nach dem 1. Juli 2009 ausgegeben wurden, und bei Kreditkarten mit Ausgabe nach März 2009, erläuterte der DSGV-Sprecher.

Der Hersteller der fehlerhaften Chipkarten, Gemalto, teilte in Amsterdam mit, das Unternehmen arbeite derzeit zusammen mit den deutschen Banken an einem Korrekturverfahren, um einen Austausch der Karten zu vermeiden. Zahlungskarten von Gemalto für andere Staaten seien von der Panne nicht betroffen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte, beim Zahlen per EC-Karte und Geheimzahl komme es regelmäßig zu Ausfällen. “Die Kreditwirtschaft muss dafür sorgen, dass die von ihr angebotenen Systeme zuverlässig funktionieren“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Handel zahle dafür jährlich Gebühren in dreistelliger Millionenhöhe. Probleme gebe es derzeit bei etwa einem Fünftel von insgesamt einer Million Zahlungsterminals.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verlangte von Banken und Sparkassen mehr Sorgfalt, um die Funktionsfähigkeit der Karten zu gewährleisten. “Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürfen dafür keine Gebühren berechnet werden“, sagte sie dem “Tagesspiegel“. Ein ZKA-Sprecher sagte, er gehe davon aus, dass die gesamte Branche an Kulanzregelungen interessiert sei.

dpa

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