Pizarro ist zurück, die Fans geben Gas – aber der Druck gegen Wolfsburg ist enorm

Zwischen Hoffen und Bangen

Spaß beim Abschlusstraining: Torjäger Claudio Pizarro ist wieder fit und heute im Werder-Kader. - Foto: nph

Bremen - Die Absturzgefahr ist da: Wenn Werder heute Nachmittag (15.30 Uhr) sein Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg nicht gewinnt, könnten die Bremer (bei einem Frankfurter Sieg in Leverkusen) auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen – zum ersten Mal in dieser Saison. Werder und der arg in der Kritik stehende Coach Viktor Skripnik sind zum Siegen verdammt, soll die Lage nicht noch dramatischer werden. Vor dem Duell mit den „Wölfen“ gibt es einige Dinge, die Angst und Sorgen machen – aber auch Hoffnungsschimmer. Eine Übersicht:

Die Mutmacher
Claudio Pizarro: Ja, er ist wieder dabei! Nach seinem Einstieg ins Mannschaftstraining am Donnerstag absolvierte der Peruaner gestern auch die Abschlusseinheit und kann gegen Wolfsburg stürmen. Mit dem 37-Jährigen, der in diesem Jahr schon zehn Mal traf, kehrt endlich der größte Bremer Hoffnungsträger im Abstiegskampf zurück. Die Partien in Dortmund und gegen Augsburg hatte der Torjäger wegen seiner Rippen- und Bauchmuskelverletzung verpasst. Nun dürfte er direkt wieder in die Startelf rutschen. „Wie wichtig er ist, hat man gesehen, als er nicht dabei war. Da waren wir vorne nicht so attraktiv“, hatte Skripnik gesagt.

Die Werder-Fans: Nach dem 1:2 gegen Augsburg vor einer Woche kochte die Fanseele. Es gab Pfiffe, die Profis wurden beschimpft. Die Stimmung drohte zu kippen. Um das zu verhindern und weiter die volle Unterstützung im Weserstadion zu garantieren, hat der Fanclub „WFC #TWERDER“ die Aktion „greenwhitewonderwall“ in Anlehnung an den Oasis-Welthit Wonderwall ins Leben gerufen. Der Song soll heute im Stadion geschmettert werden – und zeigen, dass die Fans wie eine Wand hinter Werder stehen. Wie 2013, als die Anhängerschaft mit „AlleZ Grün“ beeindruckte, soll erneut eine besondere Idee im Abstiegskampf helfen. Und das kann klappen, glaubt Trainer Viktor Skripnik: „Die Fans pushen uns. Und vielleicht ist es ein Mittel, das uns drei, vier, fünf Prozent besser macht. Genau diese fünf Prozent haben uns gegen Augsburg gefehlt.“

Gestern Nachmittag begannen die Fans schon mal mit ihrem außergewöhnlichen Support. Rund 150 hatten sich mit großen Fahnen und Trommeln am Weserstadion versammelt – und Werder ließ sie ausnahmsweise das eigentlich nicht-öffentliche Abschlusstraining verfolgen, zumindest für 20 Minuten. Als das Trainerteam um Skripnik und die Profis auf den Platz kamen, sahen sie Banner wie „Alles für Werder – nie mehr 2. Liga“. Sie sahen die singenden Fans, die klatschten – und klatschten zurück.

Auftritte gegen Top-Teams: Als solches kann man die Wolfsburger durchaus bezeichnen, auch wenn sie aktuell „nur“ Achter sind. Wenn Werder Außenseiter ist, spielt Werder oft befreiter. Beispiele dafür gibt es einige: 3:1 auf Schalke, 3:3 gegen Hertha, 4:1 in Leverkusen, 1:1 gegen Mainz. Auch beim knappen 2:3 in Dortmund waren die Bremer nah dran an einem Coup. Gegen die Top 7 der Liga war Werder in der Rückrunde nur beim FC Bayern (0:5) und in Gladbach (1:5) chancenlos.

Wolfsburgs aktuelle Lage: Nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen Real Madrid dürfte eine gewisse Leere in den Köpfen herrschen. Zumal die erneute Qualifikation für das internationale Geschäft extrem schwierig wird. Sechs Punkte muss der VfL aufholen – und hoffen, dass die Konkurrenten noch ordentlich patzen.

Wolfsburgs Umstellungsprobleme: Nach Feiertagen in der „Königsklasse“ fällt dem VfL das Umschalten auf den Bundesliga-Alltag enorm schwer. Sechs Mal hintereinander gab es nach Champions-League-Auftritten zuletzt keinen Sieg – und in diesen Partien schossen die Wolfsburger insgesamt nur magere drei Tore.

Wolfsburgs Auswärtsschwäche: In fremden Stadien ist das Team ein sehr gern gesehener Gast. Zwei Siege, vier Remis, aber schon acht Niederlagen: In der Auswärtstabelle ist Wolfsburg mit nur zehn Punkten Vorletzter. Nur Eintracht Frankfurt hat noch weniger Punkte geholt (9). Die elf Tore in 14 Partien sind zudem sehr mager (0,78 Treffer pro Spiel).

Die Angstmacher

Der gigantische Druck: Werder braucht Siege – Unentschieden helfen in der momentanen Situation als Tabellen-16. (Relegationsplatz) kaum weiter. Wer gewinnen muss, kann aber eben auch schnell mal verkrampfen. Vor allem dann, wenn das Spiel nicht nach Wunsch verläuft.

Wolfsburgs individuelle Klasse: Julian Draxler (Muskelbündelriss) fällt aus, Bruno Henrique (Gehirnerschütterung) eventuell auch. Das sind zwei Offensivmänner, die zuletzt richtig gut drauf waren. Aber Wolfsburg hat vorne trotzdem noch jede Menge Qualität. Spieler, die eine Partie im Alleingang entscheiden können. Der Ex-Bremer Max Kruse etwa. Oder der wieder genesene Bas Dost. Oder der in der Rückrunde erstarkte Weltmeister Andre Schürrle. Oder Jungstar Maximilian Arnold. „Wolfsburg hat eine bärenstarke Mannschaft“, sagt Werder-Sportchef Thomas Eichin. Und Trainer Viktor Skripnik ergänzt: „Wenn man sie spielen lässt, wird es sehr schwierig.“ Als beste Warnung dient das Hinspiel: Da wirbelte Wolfsburg beim 6:0. Kruse gelang damals ein Doppelpack.

Die Defensivschwäche: 32 Bundesliga-Spiele in Folge mit mindestens einem Gegentor. Werder „jagt“ den Rekord des MSV Duisburg aus den 70er- Jahren (38). Die Bremer machen hinten immer wieder Fehler. Gegen Augsburg kassierten sie zuletzt den Ausgleich trotz einer 7:2-Überzahl. „Das kann man nicht erklären“, stöhnt Skripnik. Dass die Serie heute endet, ist schwer vorstellbar, denn selbst der Bremer Trainer meint: „Man kann nicht in kurzer Zeit alles ändern.“

Die Heimschwäche: Ein 2:1 gegen im September 2015 völlig neben der Spur befindliche Gladbacher, ein 4:1 gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover (Anfang März). Das waren die einzigen Bremer Heimsiege. „Wir haben zu Hause zu wenig Punkte gesammelt, das wissen wir“, sagt Skripnik. Einen Heimkomplex sieht er jedoch nicht: „Wir haben kein Kopfproblem.“

Dieter Hecking: Der Wolfsburger Trainer dürfte sich auf die Duelle mit Werder besonders freuen. Seit er beim VfL im Amt ist, gab es in der Bundesliga bislang sechs Aufeinandertreffen. Und jedes Mal gewann Hecking mit seinem Team – bei 22 eigenen Toren und immer mindestens zwei pro Partie. - mr

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