„Pechvogel“ Borowski startet nach vielen Ausfällen durch / „Ich freue mich, etwas zurückzugeben“

Zwischen Fußpilz und Fußball-Gott

+
Diese Freude musste einfach raus: Tim Borowski stellte sich in Nürnberg demonstrativ den Werder-Fans.

Von Björn Knips · Anruf bei Tim Borowski. Neben dem Freizeichen gibt’s „Don’t worry, be happy“ aufs Ohr. „Eines meiner Lieblingslieder“, klärt der Profi von Werder Bremen später auf. Positiv denken ist die Botschaft – keine Sorgen machen, glücklich sein, die Übersetzung des Refrains.

Für Borowski und Werder war das zuletzt gar nicht so einfach. Beide hatten große Probleme, doch nun ist das Glück offenbar zurück.

„Immer schön langsam“, warnt allerdings Borowski: „Noch ist nichts erreicht, die halbe Liga kann noch absteigen, das ist in dieser Saison echt der Hammer.“ Immerhin erlaubt er sich und seinen Teamkollegen ein „Durchatmen“. Schließlich waren die vergangenen Wochen nicht leicht. „Die mentale Beanspruchung sollte man nicht unterschätzen. Wenn man überlegt, was da auf dem Spiel steht, das ist Wahnsinn“, seufzt der 30-Jährige: „Aber man darf auch nicht ständig hinterfragen, was wäre, wenn . . . Das zieht dich nur noch mehr runter.“

So ist Borowski auch seine ganz persönliche Problematik angegangen. Seit er vor zwei Jahren nach einem zwölfmonatigen Intermezzo beim FC Bayern an die Weser zurückkehrte, schlug ihm Skepsis entgegen. Und seine Leistungen konnten diesen Trend kaum stoppen. Borowski spielte oft weit unter seinen Möglichkeiten. Viele hatten ihn schon abgeschrieben, nun meldete er sich mit starken Leistungen in den vergangenen Wochen (vor allem gegen Nürnberg) eindrucksvoll zurück – und genießt wieder Ansehen bei Fans und Medien. „Das zieht sich doch wie ein roter Faden durch meine Karriere: Mal bin ich beliebt wie Fußpilz, und dann bin ich auf einmal der Fußball-Gott“, sagte Borowski schmunzelnd: „Daraus habe ich gelernt. Ich versuche, den Mittelweg zu finden.“

Einfach ist das nicht, die eigene Gefühlswelt natürlich auch von der sportlichen Leistung abhängig. Immer wieder musste „Pechvogel“ Borowski in dieser Saison wegen Verletzungen oder Erkrankungen pausieren. „Dafür kann ich nichts, aber es war schon brutal, wie oft es mich getroffen hat. Und wer mich kennt, weiß, wie weh es mir getan hat, nicht spielen zu können.“

Deshalb gab’s am Samstag beim 3:1-Sieg in Nürnberg auch diesen extremen Gefühlsausbruch. Vor der eigenen Fan-Kurve brüllte sich Borowski den ganzen Frust von der Seele. „Ich habe mich einfach unheimlich gefreut, dass ich den Fans und dem Verein etwas zurückgeben kann. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Dafür habe ich hart gearbeitet.“

Klingt schwer nach einem sich anbahnenden Happy End zwischen Werder und den Anhängern auf der einen und Borowski auf der anderen Seite. Doch darauf mag der Ex-Nationalspieler nicht näher eingehen. So schön es auch ist, dass es für ihn endlich wieder besser läuft, „Euphorie ist bei uns im Moment völlig fehl am Platz. Jeder einzelne tut gut daran, sich nicht zu wichtig zu nehmen.“ So hat Borowski am Ende des Gesprächs noch eine wichtige Bitte: „Machen Sie die Geschichte nicht zu groß.“

Kooperationsspiele im Aufwind

Kooperationsspiele im Aufwind

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Jubel, Trauer und Ausschreitungen: Bilder vom Relegations-Derby

Jubel, Trauer und Ausschreitungen: Bilder vom Relegations-Derby

Meistgelesene Artikel

Philipp Bargfrede und die ganz spezielle Kraft

Philipp Bargfrede und die ganz spezielle Kraft

Ludwig Augustinsson hat mit Werder Großes vor

Ludwig Augustinsson hat mit Werder Großes vor

Auch Zieler ein Kandidat für das Werder-Tor

Auch Zieler ein Kandidat für das Werder-Tor

Platzt der Selke-Deal?

Platzt der Selke-Deal?

Kommentare