Werders Sebastian Boenisch platzt fast vor EM-Vorfreude – und will die Polen glücklich machen

Zwei Pässe, aber nur eine Passion

Voll fokussiert auf die EM – und die will Werders Außenverteidiger Sebastian Boenisch als polnischer Stammspieler erleben.

Bremen - Neulich sollte ausgerechnet er die Rückrunde von Werder Bremen bilanzieren. „Zum Vergessen“, urteilte Sebastian Boenisch – und diese Einschätzung lässt sich astrein auf seine gesamte Saison ausweiten. Einfach nur zum Vergessen!

Verletzungen, dann eine Sperre – der 25-Jährige Außenverteidiger kam nur auf drei Bundesliga-Einsätze. Dennoch machte Sportchef Klaus Allofs ihm ein neues Vertragsangebot über zwei Jahre. Und: Es wartet ein riesiges Trostpflaster auf Boenisch: die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Er steht im Kader des Co-Gastgebers Polen und platzt beinahe vor Vorfreude: „Das wird ein Riesenfest geben.“

Klar, das ganze Volk fiebert dem größten Sportereignis in der Geschichte des Landes entgegen. Und mit ihm auch Boenisch, der wohl nur wegen der Aussichten auf eine EM-Teilnahme Adler gegen Adler tauschte. 2009 hatte er noch mit dem schwarzen, dem deutschen Adler gejubelt, wurde mit der U 21 Europameister. Ein Jahr später entschloss er sich dann für das polnische Wappentier – einen weißen Adler. Möglich war der Rollentausch, weil Boenisch im oberschlesischen Gliwice geboren wurde, seine Eltern kurz darauf aber ins Ruhrgebiet auswanderten. Und als Nationaltrainer Franciszek Smuda anklopfte, musste Sebastian Boenisch nicht lange überlegen. Die Perspektive, deutscher Nationalspieler zu werden, war limitiert. Zudem war da ein Gefühl in ihm, das er heute so beschreibt: „Irgendwie habe ich mich immer schon als Pole gefühlt.“

Jetzt hat der 25-Jährige zwei Pässe, aber nur eine Passion: Die alten/neuen Landsleute vom 8. Juni an rundum glücklich zu machen. „Für uns wird es wichtig sein, das erste Spiel gegen Griechenland erfolgreich zu gestalten“, blickt Boenisch auf die Eröffnungspartie im neuen Warschauer EM-Stadion. Das sei „ein richtig geiles Ding“ geworden, sagt der Bremer. Und es soll die Geburtsstätte einer Überraschungsmannschaft werden. Boenischs Fahrplan durch die EM sieht jedenfalls vor, dass für Polen erst spät Endstation ist: „Die Gruppe mit Griechenland, Russland und Tschechien ist sicher die ausgeglichenste des Turniers. Wenn wir die Vorrunde überstehen, wäre das schon ein Riesenerfolg. Mit einem glücklichen Gegner im Viertelfinale kann es dann sogar noch weiter gehen. Und wer weiß: Vielleicht können wir auch einen der Großen wie Deutschland oder Spanien schlagen.“

Schöne Träume, an deren Erfüllung der Außenverteidiger von der ersten bis zur letzten Minute des Turniers mitarbeiten will. „Mein Anspruch ist es, in jedem Spiel in der Startelf zu stehen“, sagt der Außenverteidiger: „Dafür werde ich in der Vorbereitung alles tun.“

Dafür muss er auch alles tun. Denn Boenisch reiste quasi ohne Spielpraxis ins erste von zwei EM-Trainingslagern im türkischen Belek, wo das polnische Team im „Maxx Royal“ Quartier bezog. Dort hatte sich Boenisch auch mit Werder im Januar auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereitet. Dass es eine Halbserie zum Vergessen wurde, könnte nun als schlechtes Omen für den Bremer im polnischen Trikot ausgelegt werden. Aber nix da: Boenisch ist voller Optimismus – auch seine Form betreffend. Lediglich 122 Bundesliga-Minuten hat er seit seinem Comeback am 24. März gesammelt. Wegen des im August 2010 erlittenen Knorpelschadens im rechten Knie kam er in den vergangenen zwei Spielzeiten lediglich auf sieben Einsätze bei den Profis. Und trotzdem soll Smuda in ihm einen EM-Stammspieler sehen? Boenisch lächelt, so, als ob er mehr wüsste. „Ich habe ja noch die Testspiele, um meinen Rhythmus zu finden.“

Nach Belek wartet noch das richtige Trainingslager in Lienz/Österreich, ehe die Party mit dem Eröffnungsspiel gegen Griechenland und den Werder-Kollegen Sokratis („Wir ärgern uns schon immer und wetten, wer gewinnt“, so Boenisch) endlich beginnt. Warschau, Anpfiff – Sebastian Boenisch kann es schon nicht mehr erwarten: „Die Fans in Polen sind ja im positiven Sinn ein bisschen bekloppt. Wenn dich dann 58 500 in Rot und Weiß anfeuern – oh, Mann, das muss man einfach erleben.“ · csa

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