Moreno trifft wieder für Bolivien, aber in Bremen steht eine Null-Tore-Bilanz

Die zwei Gesichter des Marcelo M.

Spezielle Frisur, spezielle Durchsetzungsfähigkeit: Marcelo Moreno tankt sich gegen die Brasilianer Luisao (li.) und Maicon (re.) durch.

Bremen (csa) · Auf der anderen Hälfte der Erdkugel stand die Werder-Welt für einen Tag kopf. Nicht Naldo, der Bremer Stammspieler, Abwehrgigant und neuerdings auch Torjäger, jubelte nach dem WM-Qualifikationsspiel Brasiliens in Bolivien. Nein, es war Marcelo Moreno Martins, der Bremer Bankdrücker und Möchte-gern-Torjäger, der am Sonntag feiern durfte.

In La Paz hatte das kleine Bolivien das große Brasilien mit 2:1 bezwungen. Und Moreno wurde von den heimischen Medien zum Mann des Spiels erkoren. Naldo blieb dagegen gezwungenermaßen passiv: Er saß 90 Minuten auf der Ersatzbank.

Was er von dort aus sah, dürfte ihm einerseits gefallen haben. Andererseits aber auch nicht. Denn sein Bremer Teamkollege legte im Trikot des Gegners eine gute Leistung hin und nutzte den Ausflug zur Nationalmannschaft, um das zu tun, wofür er in Bremen kaum eine Chance bekommt: Erfolgserlebnisse sammeln. Das musste auch Naldo gefallen. Doch Moreno machte eben vor dem brasilianischen Tor nicht halt. Mit einem unhaltbaren Freistoß erzielte er in der 30. Minute das zwischenzeitliche 2:0 für Bolivien. Gewiss zum Missfallen von Naldo. Die „Selecao“, die auf Grund der bereits feststehenden Qualifikation für die WM in Südafrika auf viele Stars – unter anderem Kaka, Lucio, Robinho – verzichtet hatte, kassierte die erste Niederlage nach zuvor elf Siegen und acht Remis.

Naldo war nicht schuld daran. Was konnte er von der Bank aus ändern? Marcelo Moreno hieß einer der Hauptverantwortlichen für das Ende der beeindruckenden Erfolgsserie. Und er freute sich diebisch über seinen siebten (!) Treffer in der laufenden Qualifikation und über ein Resultat, das fast schon historische Züge hatte. Erstmals seit 1993 gewann Bolivien in Bolivien gegen Brasilien. „Gegen so einen großen Gegner ein Tor zu machen, ist immer etwas Besonderes“, jubelte Moreno nach dem Spiel.

Wie besonders es tatsächlich für ihn gewesen sein muss, lässt seine Vita erahnen. Als Spross eines brasilianischen Vaters und einer bolivianischen Mutter hatte der Werder-Stürmer lange Zeit Optionen auf Karrieren in beiden Nationalmannschaften. Bis zur U 20 spielte der heute 22-Jährige für Brasilien, dann folgte der Wechsel ins grüne Trikot Boliviens. Dort heißt er übrigens nicht Moreno, sondern Martins – es ist der Familienname seiner Mutter. Der des Vaters wird einfach weggelassen.

Gewissermaßen hat der Halb-Brasilianer am Sonntag also einen Sieg über sich selbst gefeiert. Der Kampf mit sich selbst geht aber weiter – spätestens wenn er am Freitag zurück in Bremen ist. Dann ist die Ersatzbank wieder harte Realität. In Bolivien top zu sein, heißt nicht, auch bei Werder den Ansprüchen zu genügen. „Dort gibt es eben keinen Pizarro und keinen Marin“, unterstreicht Werder-Sportdirektor Klaus Allofs den alltäglichen Konkurrenzkampf.

Dem ist Moreno im Team des Vorletzten der Südamerika-Qualifikation nicht ausgesetzt, er spielt fast immer. Und trifft häufig. Allofs wertet das als einen Beweis für die Fähigkeiten des Angreifers, der in der Bundesliga allerdings noch nicht getroffen hat. Gründe für die Diskrepanzen? Klar, die spärlichen Einsatzzeiten bei Werder. Und: „Vielleicht hat er zu Hause Automatismen, die er bei uns noch nicht gefunden hat“, sagt Allofs. Übersetzt: Nach einem Vierteljahr in Deutschland hat sich Moreno noch nicht akklimatisiert. „Aber seine Tore für die Nationalmannschaft sagen doch aus, dass wir Geduld mit ihm haben müssen. Man sieht, dass seine Fähigkeiten vorhanden sind.“

Die Geduld endet aber exakt am 30. Juni 2010. Dann läuft der Leihvertrag mit Schachtjor Donezk aus. Werder muss bis dahin entscheiden, ob auf die zwei Millionen Euro Leihgebühr weitere acht Millionen Euro draufgepackt werden, um Marcelo Moreno fest zu verpflichten. „Stand heute“, das sagt Allofs ganz klar, „würden wir es zu den ausgehandelten Bedingungen nicht machen. Aber der Stand muss nicht der bleiben, der er ist.“

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