Zwei Bremsen im Abstiegskampf von Werder

Per Mertesacker, Clemens Fritz und Petri Pasanen (von links) bilden momentan mit Mikael Silvestre die Bremer Viererkette. In der Abwehr gab’s in dieser Saison allerdings schon häufig Veränderungen – und das ist laut Trainer Thomas Schaaf ein Grund für die vielen Gegentore.

Von Malte Rehnert - Mit 34 Punkten und einem Mut machenden Trend (sechs Spiele hintereinander ohne Niederlage) hat Werder recht gute Karten im Abstiegskampf. Ein weiterer Sieg – und der Klassenerhalt ist sicher.

Davon jedenfalls geht Torwart Tim Wiese aus. Eigentlich hätten die Bremer aber schon jetzt gerettet sein können, wären da nicht zwei große Probleme: die vielen Gegentore (55) und die vielen Unentschieden (10).

Die Gegentore

Das Positive vorweg: Den Negativ-Rekord aus der Saison 1979/1980 wird Werder nicht brechen. Damals hagelte es 93 (!) Gegentore – und am Ende stand der Abstieg. Klar ist aber auch: Die aktuelle Spielzeit wird eine „Top-Platzierung“ einnehmen. Platz drei oder vier ist durchaus realistisch (siehe Kasten).

Training am Dienstag

Werder-Training am Dienstag

Gründe für die Gegentor-Flut gibt’s mehrere. Trainer Thomas Schaaf nannte im „Doppelpass“ vor allem die Personalprobleme in der Defensive: „Wir mussten zeitweise ohne die sonst gesetzte Abwehr auskommen. Es gab ständig Veränderungen.“ Naldo fehlt wegen seiner Knieprobleme ohnehin seit Saisonbeginn und noch unbestimmte Zeit, Per Mertesacker war zwischenzeitlich ebenfalls verletzt – momentan fällt in der Innenverteidigung Sebastian Prödl (Gesäßmuskel-OP) aus.

Und außen erwischte es mal Clemens Fritz, mal Dominik Schmidt – und so weiter. „Vor dem Torwart braucht man Stabilität. Die hatten wir nicht, deshalb gibt es da Probleme“, urteilte Schaaf. Hinzu kommen allerdings auch Formschwächen – zum Beispiel bei Mertesacker, der insgesamt eine durchwachsene Saison spielt. An Keeper Tim Wiese liegt’s dagegen nicht. Gerade am Freitag in Frankfurt lieferte der 29-Jährige eine Weltklasseleistung ab und bewahrte die Bremer mit tollen Paraden vor noch mehr Gegentreffern.

Saison Torverhältnis Differenz Platzierung

1963/1964 53:62 -9 10.
1966/1967 49:56 - 7  16.
1968/1969 59:59 0 9.
1971/1972 63:58 + 5 11.
1973/1974 48:56 - 8 11.
1974/1975 45:69 - 24 15.
1975/1976 44:55 - 11 13.
1976/1977 51:59 - 8 11.
1977/1978 48:57 - 9 15.
1978/1979 48:60 - 12 11.
1979/1980 52:93 - 41 17.
2010/2011 39:55 - 16 derzeit 13.

In den letzten 14 Bundesliga-Spielen hat Werder immer mindestens ein Tor kassiert. Wenn die Bremer diese Serie noch um vier Partien ausbauen, wäre der Rekord aus 1963/64 (18 Spiele in Folge mit Gegentor) geknackt. Das kann noch in dieser Saison passieren. Zum letzten Mal blieb Wiese am 4. Dezember 2010 „sauber“ – beim 0:0 in Wolfsburg. „Ich glaube, es ist mir in dieser Saison erst ein Mal gelungen, zu Null zu halten“, meinte die Nummer eins. Ganz so schlimm ist’s jedoch nicht: Auch in München (0:0), gegen Frankfurt (0:0) und St. Pauli (3:0) hatte er in der Hinrunde nicht hinter sich greifen müssen. Dennoch findet Wiese: „Es wird Zeit, dass die Saison schnellstmöglich zu Ende geht.“

Die Unentschieden

Gut ein Drittel aller Bundesliga-Spiele hat Werder in dieser Saison weder als Sieger noch als Verlierer beendet. In bislang 29 Partien gab’s schon zehn Unentschieden (acht Siege, elf Niederlagen). Genauso viele haben nur Wolfsburg und Hoffenheim, mehr hat niemand.

Vor allem in der Rückrunde spielt Werder auffällig häufig remis – in zwölf Spielen gab’s fünf Mal ein 1:1 und ein Mal ein 2:2. Im heimischen Weserstadion endeten sogar die letzten vier Begegnungen unentschieden – gegen die Abstiegskonkurrenten Stuttgart und Gladbach sowie die Spitzenteams Hannover und Leverkusen. „Wir müssen einfach mal wieder zu Hause gewinnen“, forderte Wiese.

Dass Werder mehrfach die bessere Mannschaft war und am Ende trotz einer Führung (wie gegen Gladbach oder nun in Frankfurt) nicht gewann, liegt laut Sportchef Klaus Allofs auch an der fehlenden Vollstreckerqualität: „Die Mannschaft münzt ihre Vorteile nicht in Tore um – deswegen stehen wir da unten.“ Und auch Schaaf hatte nach dem 1:1 in Frankfurt bemängelt: „Wir haben es wieder nicht geschafft, den Sack zuzumachen.“

Fünf Mal haben die Bremer noch die Möglichkeit, es besser zu machen – wenngleich Schaaf mit einem Schmunzeln anmerkte: „Wenn wir jeweils einen Punkt holen, könnte das reichen.“ Eigentlich, ergänzte der Coach, „ist es aber unser Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen.“

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