Kommentar zur Trainerfrage bei Werder

Ein gefährlicher Machtkampf

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Werder-Coach Skripnik

Ein Kommentar von Björn Knips. Eigentlich fehlten am Sonntag nur noch ein Autokorso durch Bremen und eine große Party auf dem Domshof mit der Mannschaft auf dem Rathausbalkon. Werders Klassenerhalt fühlte sich wie ein Titelgewinn an, weil die Fans völlig ausflippten.

Sportredakteur Björn Knips

Diesen Jubel hatten sie sich verdient. Noch nie wurde ein Verein im Abstiegskampf so sehr unterstützt. Auch die Fans haben Werder gerettet. Und wer noch? Die Antwort müsste eigentlich Viktor Skripnik lauten. Schließlich ist er der Trainer, dem der Club vertraut hat – auch in den schwersten Krisen der Saison.

Fast alle Medien (inklusive dieser Zeitungsgruppe) hatten prophezeit, dass es mit Skripnik in die Zweite Liga geht. Doch Werder blieb auch mit dem Ukrainer erstklassig. Der Retter ist er trotzdem nicht. Denn immer mehr sickert durch, dass sein Anteil an der Wende nur gering ist. Die Mannschaft hat das Heft einfach selbst in die Hand genommen und sich da unten herausgekämpft.

Skripnik ist mit der Aufgabe des Cheftrainers überfordert. Er kann Mannschaft und Mitarbeiter nicht führen, er muss selbst geführt werden. Er betrachtet die Medien als Feinde und verweigert sich damit einer im Jahre 2016 sehr wichtigen Aufgabe eines Bundesliga-Trainers: der Öffentlichkeitsarbeit.

Skripnik hat auch den Kontakt zur Basis verloren, er nimmt überhaupt keinen Einfluss auf die Nachwuchsarbeit. Das kann nicht der Werder-Weg sein, von dem auch der Aufsichtsrat immer wieder spricht. Das Kontrollgremium, das in der Ära Allofs/Schaaf die Talfahrt tatenlos verfolgte, mischt sich nun umso mehr ins operative Geschäft ein. Ohne das Ja von Aufsichtsratschef Marco Bode darf die Geschäftsführung den Trainer eigentlich nicht entlassen.

Der Ex-Profi will an seinem ehemaligen Mitspieler Skripnik festhalten. Damit stellt sich Bode gegen Eichin – und wenn er sich tatsächlich durchsetzt, macht er aus dem Sportchef eine Marionette. Dann hat Werder nicht nur einen angeschlagenen Trainer, sondern auch noch einen angeschlagenen Sportchef. Der wird sich zudem genau überlegen, wieviel Leidenschaft er künftig investiert und ob er in der Öffentlichkeit immer jedes Werder-Problem erklären wird. Und die Probleme werden kommen. Irgendwann können auch die Fans oder eine selbstbewusste Mannschaft Werder nicht mehr vor dem Abstieg bewahren.

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Die Mannschaft rettet sich selbst

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