Wie Schaaf Arnautovic in Form bringt

Mit Zuckerbrot und Peitsche

Trainer Thomas Schaaf (re.) bemüht sich besonders um Marko Arnautovic.

Werder-Bremen - NORDERNEY (flü) · Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden. Gegen den KFC Uerdingen sollte Neuzugang Marko Arnautovic gestern Abend sein erstes Spiel im Trikot von Werder Bremen bestreiten. Doch der Test viel buchstäblich ins Wasser.

Fast schon ein wenig symbolisch. Denn so richtig rund läuft‘s für den Offensivspieler noch nicht. Die Umstellung fällt Marko Arnautovic, der zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen war, nicht leicht. Im Moment jedenfalls. Das ist zumindest der Eindruck, den man aus den Trainingseinheiten erhält. Arnautovic muss noch einiges aufholen. In Mailand „haben wir fast gar nichts gemacht“, beschreibt der 21-Jährige denn auch die seiner Meinung nach geringe Intensität der Übungseinheiten beim Champions-League-Sieger. In Bremen nun, und speziell auf Norderney, weht aber ein ganz anderer Wind. Bei Werder wird in der Vorbereitung hart trainiert. Und Thomas Schaaf ist besonders darauf bedacht, seinen Neuen, dem der Ruf eines schwierigen Charakters vorauseilt, von Beginn an in die Spur zu führen. Mit Gesprächen, Tipps, Hilfestellungen, Anweisungen, Streicheleinheiten – wenn nötig, aber auch mal mit einem kräftigen Rüffel. Wie am Sonntagabend im Training. „Du bewegst dich nicht, das ist zu wenig. Das können wir nicht gebrauchen“, brüllte der Werder-Coach in Richtung seines Neuzugangs. Der Gescholtene nahm’s ohne Widerworte hin, drehte dem Trainer aber den Rücken zu und meinte später nur lapidar: „Das war nur ein Stellungsfehler von mir. Nichts passiert.“ Schaaf dürfte das anders gesehen haben.

Der Coach weiß, dass die Bremer einen rund sechs Millionen Euro teuren Rohdiamanten vom holländischen Erstligisten Twente Enschede verpflichtet haben. Und den Schliff will Schaaf ihm nun verpassen, damit Arnautovic zu der Verstärkung wird, die sich die Hanseaten erhoffen. „Wichtig ist, dass wir Marko jetzt auf den richtigen Fitnesszustand bringen. Er hat in Mailand ja kaum gespielt“, sagt der Bremer Trainer. Arnautovic, so Schaaf weiter, „hat großartige Fähigkeiten, die man im Ansatz hier im Training auch schon sieht. Doch wir müssen hinbekommen, dass er die Kondition und Kraft erhält, die er für sein Spiel benötigt.“

Bullig wirkt er auf dem Platz, der Marko Arnautovic, übersät mit Tattoos und seinem „angedeuteten“ Irokesenschnitt fast schon furchteinflößend. Und die prallen Oberschenkel lassen vermuten, dass er einen richtigen Rumms hat. „Den hat er auch“, weiß Mittelfeldspieler Tim Borowski zu berichten: „Er ist bekannt für seine Freistöße. Man hat hier in den ersten Tagen schon gemerkt, dass er eine Bereicherung für uns sein kann und ein richtig guter Fußballer ist.“ Auch Sebastian Prödl, Landsmann des Österreichers Arnautovic, spricht von großartigen Offensivfähigkeiten des neuen Bremers. Allerdings weiß Prödl auch: „Er muss vor allem seine Defensivarbeit noch verbessern.“

Abseits des Platzes macht Arnautovic noch den Eindruck eines Eigenbrödlers, der versucht, sich selbst durchzuschlagen, anstatt fremde Unterstützung zu erbitten. „Er ist sehr, sehr selbstbewusst“, meint Prödl vielsagend, „aber wenn er meine Hilfe braucht, bin ich natürlich für ihn da.“

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