Zlatko Junuzovic über seinen neuen Druck bei Werder

„Ich weiß, dass ich jetzt mehr bringen muss“

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Zlatko Junuzovic ist für den Bremer Höhenflug der letzten Monate einer der Hauptverantwortlichen – vor allen Dingen mit seinen starken Standards.

Bremen - Fünf Tore, zehn Assists – die Saisondaten von Zlatko Junuzovic sind bestens. Doch zuletzt lief es nicht mehr ganz so gut für den Werder-Profi. Bei der 0:4-Heimpleite gegen die Bayern fiel der Österreicher mehr durch hartes Einsteigen und einen Disput mit seinem Landsmann David Alaba auf.

Über das Wort Formkrise kann Junuzovic aber nur schmunzeln. Im Interview erklärt der 27-Jährige, warum es gerade etwas schwieriger für ihn ist und weshalb er so gerne gegen Landsleute spielt.

Zlatko Junuzovic, haben Sie sich mit David Alaba wieder versöhnt?

Zlatko Junuzovic: Passt schon, nach dem Spiel war alles okay.

Auf dem Platz war der Bayern-Star aber ganz schön sauer auf Sie?

Junuzovic: Ich war auch sauer auf ihn, weil er mich überhaupt so scharf anspricht. Klar, ich bin gegen Bastian Schweinsteiger etwas härter eingestiegen, aber das man sich bei einem 0:3-, 0:4-Rückstand nicht streichelt, ist doch klar.

Sie spielen mit Alaba in der österreichischen Nationalmannschaft, macht das keinen Unterschied im Umgang?

Junuzovic: Doch: Das Streiten macht viel mehr Spaß (lacht). Denn wir wissen in dem Moment doch beide, dass das gar nicht so ernst gemeint ist.

Am Samstag geht es in Köln gegen die nächsten Österreicher: Wie gut kennen Sie Abwehrspieler Kevin Wimmer und Trainer Peter Stöger?

Junuzovic: Sehr gut, auch den Co-Trainer Manfred Schmid. Mit ihm habe ich auch mal telefoniert. Die machen dort eine super Arbeit. Kevin kenne ich von der Nationalmannschaft, das ist ein klasse Innenverteidiger, der hat sich in der Bundesliga sehr gut weiterentwickelt. Köln wird ein harter Brocken für uns, die spielen sehr diszipliniert, sind hinten stark, und werden jetzt auch vorne immer besser.

Ist es überhaupt typisch österreichisch, so diszipliniert zu sein?

Junuzovic: Das ist einfach die Handschrift von Peter Stöger. Seine Mannschaften stehen immer gut, und dann entwickeln sie sich im Laufe der Zeit auch im Spiel nach vorne. Er ist ein sehr guter Trainer, er hatte überall Erfolg.

Im Winter hieß es, Stöger wollte Sie nach Köln locken – hat er es versucht?

Junuzovic: Aus Respekt vor den anderen Vereinen äußere mich nie zu so etwas.

Wissen Sie, wieviele Österreicher aktuell in der Bundesliga spielen?

Junuzovic: Ich glaube sehr viele – so 15, 16.

So viele waren es zu Saisonbeginn, jetzt sind es nur noch elf. Woran liegt das?

Junuzovic: Das weiß ich nicht. Aber wichtiger ist doch, dass die, die da sind, möglichst viel spielen. Und das ist der Fall.

Wie bei Ihnen – Sie sind bei Werder ein Führungsspieler und werden für Ihre starken Standards gefeiert. Zuletzt hat das allerdings nicht mehr so gut geklappt, warum?

Junuzovic: Gegen Freiburg war ein bisschen Pech dabei, gegen Bayern war es nicht so gut – es wird wirklich Zeit, dass es wieder besser wird.

Können Sie den Eindruck bestätigen, dass Ihre Formkurve gerade ein wenig nach unten zeigt?

Junuzovic: Okay, das Bielefeld-Spiel war nicht gut. Dann ging es nach Freiburg. Da mussten wir defensiv viel bringen, da lief wenig nach vorne, aber wir haben die drei Punkte geholt. Und jetzt waren die Bayern da… Aber gut, ich habe jetzt wohl auch den Druck, dass ich in jedem Spiel meine Tore und meine Assists machen muss.

Sie sind eben nach Ihrer Vertragsverlängerung nun einmal ein Hoffnungsträger.

Junuzovic: Ich weiß das. Es ist eine neue Entwicklungsphase in meiner Karriere. Und ich weiß auch, dass ich jetzt noch mehr bringen muss. Aber ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass schon nach ein, zwei nicht ganz so guten Spielen von mir gleich darüber geredet wird. Aber das gehört dazu.

Sie kennen sicher die Fußballer-Weisheit, dass sich ein Spieler nach seiner Vertragsverlängerung erst mal zufrieden zurücklehnt…

Junuzovic: Ich denke, da stehe ich nicht unter Verdacht. Ich erinnere nur mal an die Spiele gegen Augsburg und auf Schalke. Und da hatte ich auch schon unterschrieben. Fakt ist: Wenn die Ausrichtung der Mannschaft mal eine andere ist, dann muss auch ich mich unterordnen.

Spüren Sie eine andere Wahrnehmung?

Junuzovic: Auf jeden Fall. Gegen Freiburg hatte ich 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe und sieben Torschussvorlagen, aber kein Tor und keinen Assist – und dann werde ich nach dem Spiel gefragt, ob ich in einer Formkrise bin. Was soll ich denn da antworten? Ich rufe immer alles ab, was in mir steckt und bin auch bereit, die Schweinsarbeit zu machen.

Macht Ihnen dieser neue Druck zu schaffen?

Junuzovic: Nein, überhaupt nicht. Ich bin doch schon so lange dabei. Nach dem Freiburg-Spiel habe ich darüber geschmunzelt. Klar, es war nicht meine beste Leistung, aber wir haben 1:0 gewonnenen und damit unsere Pflicht erledigt.

Die Ansprüche an Sie und die Mannschaft sind durch die guten Leistungen der vergangenen Wochen gestiegen.

Junuzovic: Das ist auch gut so, darüber freuen wir uns. Und eines kann ich versichern: Gegen Köln werde ich versuchen, mal wieder einen reinzumachen.

Ihr Teamkollege Jannik Vestergaard träumt schon ein bisschen von der Europa League – Sie auch?

Junuzovic: Wo waren wir vor vier Monaten? Wir waren Tabellenletzter und Abstiegskandidat Nummer eins. Aus meiner Sicht käme die Europa League zu früh für uns. Aber gut: Wenn wir den Klassenerhalt wirklich perfekt gemacht haben, können wir uns über neue Ziele unterhalten.

kni

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