Große Werder-Worte

„Es geht um unsere Ehre“

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Zlatko Junuzovic schämt sich noch immer für das 1:6 in München und erhebt die Partie gegen den FC Augsburg zu einer Frage der Ehre.

Bremen - Die Herren in den schwarzen Thermojacken sind vom Fach. Sie kritzeln eifrig auf ihren Taktiktafeln herum, ziehen Striche, markieren Positionen, Pass- und Laufwege. Das Kürzel DBU prangt auf ihrer Brust, was sie als Mitglieder der Dansk Boldspil-Union, also des dänischen Fußball-Verbandes ausweist.

Knapp 15 Mann stark ist die Gruppe, die in dieser Woche das Geschehen bei Werder Bremen verfolgt. Die Dänen wollen dazulernen. Trainingsmethodik steht im Vordergrund. Was sich jedoch auf keiner Taktiktafel dieser Welt geometrisch darstellen lässt, ist die Lösung des aktuellen Bremer Problems: Wie finden die Werder-Profis für das Heimspiel gegen die Kämpfertruppe des FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr) zurück zu Mut und Leidenschaft?

Gegen Bayern München war Werder beides im Verlauf des Spiels abhanden gekommen. Heraus kam ein 1:6, das nicht nur blamabel war, sondern auch zu fatalistischen Gedanken anregt. Verliert Werder nun auch gegen den Tabellen-16.? „Nein, ich denke gar nicht erst an einen Punktverlust“, verkündet Stürmer Nils Petersen im Brustton der Überzeugung und verspricht den eigenen Fans, dass das Weserstadion zur Kampfarena wird: „Wir wollen zeigen, dass wir die Niederlagen gegen die Bayern und gegen Freiburg (2:3, d. Red.) nicht einfach so hinnehmen. Wir werden kämpfen bis zum Umfallen – das ist das, was die Fans sehen wollen und honorieren.“ Aber nur, wenn auch ein Sieg herausspringt.

Für Zlatko Junuzovic geht es am Samstag aber nicht allein um drei Punkte, sondern auch um das nach zuletzt zwei Pleiten und neun Gegentoren schwer lädierte Selbstwertgefühl. „Nach solchen Ergebnissen schämst du dich, hast etwas gutzumachen. Wir sind es uns selbst schuldig, dieses Spiel zu gewinnen. Wir müssen uns den Arsch aufreißen. Es geht um unsere Ehre.“

Große, fast pathetische Worte, die allerdings nicht im Ansatz übertrieben sind. Denn Werder ist nach dem Zwischenhoch mit Siegen gegen Hannover und Stuttgart wieder schwer angezählt. Unter den Fans rumort es, die Diskussion um Trainer Thomas Schaaf ist neu entbrannt. Und gegen Augsburg zu verlieren, wäre wie Brandbeschleuniger in die offene Glut zu kippen – verheerend.

Zumal die Partie gegen den wiedererstarkten Abstiegskandidaten (nur eine Niederlage in den vergangenen sieben Partien) der Auftakt einer Dreierserie ist, von der sich Werder viel verspricht. Es folgen die Aufgaben gegen Borussia Mönchengladbach (auswärts) und Schlusslicht Greuther Fürth (daheim). „Wir hoffen, dass wir in diesen Spielen zur Stabilität finden und viele Punkte sammeln“, sagt Innenverteidiger Sokratis. „Wir müssen diese Spiele positiv bestreiten – und ich bin zuversichtlich, dass uns das auch gelingt“, meint Junuzovic, der allerdings auch in die andere Richtung denken kann: „Wenn es nicht gut läuft für uns, haben wir wirklich ein großes Problem.“

Was er meint? Natürlich die Abstiegsgefahr. Noch sind es zehn Punkte bis zum FC Augsburg und den Relegationsplatz – noch. Schnell werden sieben draus, wenn sich Werder wie im Hinspiel einen Blackout gegen den FCA gönnt. 1:3 hieß es am siebten Spieltag. Es war der einzige Augsburger Heimsieg der Hinrunde. „Wir haben“, knurrt deshalb Marko Arnautovic, „da noch eine Rechnung offen“.

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Diese Revanchegelüste vermengen sich mit der Wut über das 1:6 und den daraus resultierenden Absichten zur Wiedergutmachung zu einem Motivationsberg, der eigentlich reichen sollte, um ein Team aus dem Tabellenkeller zu bezwingen. Es sei denn, Werder überdreht. „Wir dürfen jetzt nicht Amok laufen und alles zerstören, was uns vor die Füße kommt“, warnt Junuzovic, „wir müssen es sachlicher machen“. Was bedeutet: Den Einsatz, den Augsburg fraglos zeigen wird („Die fighten um ihr Leben“, so Junuzovic) annehmen, am besten sogar überbieten und die größere fußballerische Qualität ausspielen. Das ist jedenfalls die Rechnung, die Marko Arnautovic in Gedanken zum Sieg führt: „Wir sind die bessere Mannschaft und werden voll drauf sein.“ · csa

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