Die ungewöhnliche Karriere des Aaron Hunt: Von Verletzungen geplagt, von den Fans ausgepfiffen – aber das Riesentalent zeigt immer wieder seine Klasse

Vom zerbrechlichen Bübchen zum kraftvollen Anführer

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Werder-Bremen - 6.7.2004: Der Auftakt bei den Profis ist unglücklich: Aaron Hunt zieht sich im Training gleich einen Faserriss in der linken Achillessehne zu und fehlt etwa sechs Wochen.

18.9.2004: Bundesliga-Debüt beim 3:0 gegen Hannover (84. Minute eingewechselt für Ivan Klasnic). Allofs: „Er kann sehr schnell eine Alternative werden.“ Am 4. September ist Hunt 18 Jahre alt geworden, er darf in dieser Saison eigentlich noch in der A-Jugend spielen.

September 2004: Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer erzählt über Hunt: „Wenige Tage nach der Aufnahme in unser Jugendinternat fuhr er zurück zu seinen Eltern in den Harz und wollte nicht mehr wiederkommen. B-Jugendtrainer Bernd Pfeiffer fuhr mit drei Teamkollegen hin.“ Hunt zu seinem Werder-Start 2001: „Ich hatte Heimweh. Tim Bauer, Benjamin Schmedes und Darona Nasaka haben mich überzeugt, Bernd Pfeiffer meine Eltern.“ Noch mal Fischer: „Ein Jahr später hatten wir einen Anruf von Manchester United, ob Aaron zum Probetraining kommen darf. Wir lehnten ab.“

Oktober 2004: Hunt sagt: „Wichtig ist, dass man immer hart an sich arbeitet und nie denkt, dass man bereits perfekt ist.“ Damals noch als Stürmer hat er namhafte Konkurrenz: Charisteas, Klose, Klasnic, Valdez. Trainer Thomas Schaaf sagt: „Hunt kann ich jederzeit bringen.“

12. Februar 2005: Startelf-Premiere in der Bundesliga – und gleich ein Tor beim 2:0 über Gladbach. Mit 18 Jahren und 161 Tagen ist Hunt der jüngste Bremer Torschütze der Vereinsgeschichte. „Beim Tor hatte ich Gänsehaut“, sagt er und verrät, dass er mit 14 Jahren auch bei den Bayern vorgespielt hat: „Die hatten aber keinen Internatsplatz für mich.“ Klasnic lobt: „Aarons Klasse hätte ich auch gerne schon mit 18 gehabt.“

Januar 2006: Die Patellasehne macht Probleme. Hunt fällt vier Monate aus, unterzieht sich dann Ende April in Augsburg einer Arthroskopie im rechten Knie. Es wird ein Stück Schleimbeutel entfernt – und wenig später ist er wieder fit.

Mai 2007: Mit Leistenbruch und Schambeinentzündung hat Hunt die Rückrunde absolviert, sich mehrfach fitspritzen lassen. Nun wird er operiert, aber nicht einsatzfähig. Wegen Leisten- und Knieproblemen lässt er sich in seiner Verzweiflung im Sommer sogar die Weisheitszähne ziehen. „Ich habe gehofft, dass es dadurch besser wird – leider ist es nicht so. Ich trainiere jetzt so lange nicht mehr, bis die Schmerzen weg sind. Ich mache mir Sorgen, ich will nicht schon mit 22 Jahren aufhören“, sagt er.

28.11.2007: Überraschendes und überragendes Comeback in der Champions League gegen Real Madrid. Nach sechseinhalb Monaten Pause und nur einer Woche Mannschaftstraining bietet Schaaf plötzlich sein Sorgenkind auf. Beim 3:2 trifft Hunt zum 3:1 und urteilt bescheiden: „Es war nicht mein bestes Spiel.“

8.1.2009: Jetzt plagen ihn wieder Patellesehnenprobleme. Hunt ist erneut nahe an der Verzweiflung: „Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Keiner kann sagen, wo es herkommt.“ Auch Allofs gehört zur Fraktion der Ratlosen: „Aarons Körper toleriert die Strapazen wie Training und Spiele bei einer Top-Mannschaft leider nicht so. Wir dachten, er hätte diese Phase überstanden.“ Ein Spezialprogramm zur Stabilisierung des Körpers wird gestartet.

Sommer 2009: Werder wird in Berlin DFB-Pokalsieger (1:0 gegen Leverkusen), aber Hunt spielt nicht. U 21-Nationaltrainer Horst Hrubesch nominiert ihn danach (anders als dessen Teamkollegen Mesut Özil und Sebastian Boenisch) nicht für die EM. „Ich bin total enttäuscht und kann es nicht verstehen“, klagt Hunt: „Das ist ein blödes Ende meiner Zeit in der U 21.“ Deutschland wird ohne Hunt Europameister.

November 2009: Hunt debütiert gegen die Elfenbeinküste in der deutschen A-Nationalmannschaft, es folgt noch ein Länderspiel gegen Dänemark (im August 2010), danach wird er nicht mehr berufen.

November 2010: Werder führt 3:0 gegen St. Pauli – und Hunt wird bei seiner Auswechslung von den eigenen Fans im Weserstadion ausgepfiffen. Seine Reaktionen: Auf dem Spielfeld reckt er zynisch die Daumen nach oben, einen Tag später sagt er, er habe „keinen Bock, darüber zu reden“. Hunt ist bei der Bremer Anhängerschaft auch danach umstritten und oft der Buhmann. Hunt-Unterstützer initiieren im März 2011 die Aktion „Mit Herz und Hunt“, fordern einen fairen Umgang mit dem Mittelfeldmann. Und Hunt sagt: „Ich habe also doch noch ein paar Fans.“

Dezember 2011: Nach einer starken Hinrunde sieht er gegen Bayern die einzige Rote Karte seiner Bundesliga-Karriere – dann setzt Hunt ein Sehneneinriss in der Leistengegend außer Gefecht. Nach dreieinhalb Monaten Pause gibt er am 32. Spieltag sein Comeback – und ist gegen die Bayern (1:2) bester Bremer.

20. Oktober 2012: Hunts Pflichtspieldebüt als Werder-Kapitän beim 4:0 gegen Gladbach – für seine bislang starke Saison bekommt der 26-Jährige Lob von allen Seiten. · mr/csa

BL-Einsätze/Tore/Assists Jahr
2004/05
10/1/2 Muskelfaserriss

Achillessehne

(6.7. - Ende August)

2005/06
7/0/2

Patellasehnenprobleme

(Januar bis Mai 2006)

2006/07
28/9/4 Leistenprobleme (seit Januar / keine Pause)
2007/08
14/1/5 Leisten- / Knieprobleme (1.7. bis 25.11.)
Adduktorenprobleme(4.4. bis 8.4.)
Grippe (16. bis 19.5.)
2008/09
18/2/3 Muskelfaserriss ( 17.8. bis 1.9.)
Wadenprobleme (3. bis 18.9.)
Knieprobleme (21. bis 23.10.)
Patellasehnenreizung (5.1. bis 2.3.)
Syndesmosebandriss (20.4. bis 18.5.09)
2009/10
32/9/6 Oberschenkelprobleme (19. bis 22.2.)
Muskuläre Probleme (19. bis 22.3.)
2010/11
29/3/3 Fieber (23. bis 27.8.)
Adduktorenreizung (28.2. bis 14.3.)
Fieber (7. bis 11.4.)
Rückenprobleme (4. bis 12.5.)
2011/12
18/3/4 Sehenriss in der Leistengegend (4.1. bis 16.4. 2012)
2012/13
10/5/2

(nach 10 Spieltagen)

Gesamt
166 Bundesliga-Spiele / 33 Tore / 31 Vorlagen
Seine besten Bundesliga-Hinrunden
2006/07 Fünf Tore (geschafft nach 14. Spieltag)
2009/10 Fünf Tore (geschafft nach 11. Spieltag)
2012/13 Fünf Tore (geschafft nach 10.Spieltag)
Quelle: transfermarkt.de

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