Trybull, Hartherz, Füllkrug, Trinks und Thy – Durchbruch oder Versenkung?

Die Zeit nach Tag X

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Florian Trinks hat auch schon die Härte des Profi-Geschäfts kennengelernt.

Bremen - Das leuchtendste Beispiel ist immer noch Tim Borowski. Mit 16 Jahren zog der Junge aus Neubrandenburg im Werder-Internat ein, mit 21 Jahren debütierte er in der Bundesliga, drei Jahre später war er Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger mit Werder.

Noch die Teilnahme an der WM 2006 obendrauf – und fertig ist die Bilderbuchkarriere „Made in Bremen“. Mittlerweile ist Borowski 31 Jahre alt und erlebt verletzt den Vorabend seiner Karriere. Nach ihm schaffte immer mal wieder einer den Sprung zu den Profis, doch so geballt wie aktuell strebten schon lange keine eigenen Nachwuchsspieler mehr ins Bundesliga-Team.

Tom Trybull, Florian Hartherz und Niclas Füllkrug sowie Florian Trinks und Lennart Thy – das sind die fünf Namen, die für so etwas wie einen Jugendstil bei Werder stehen. 18- und 19-Jährige, die alle schon ihr Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse hinter sich haben. Und nun nachlegen wollen und müssen. Doch das ist schwer.

Das wurde aus Werders Jüngsten

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„Dran bleiben und Gas geben“ – das ist das Rezept, mit dem Tom Trybull (18) seinem kometenhaften Aufstieg eine Nachhaltigkeit verleihen will. Von Verletzungen und Formschwächen der Mittelfeld-Konkurrenten in die erste Reihe gespült, will er den ersten beiden Profi-Einsätzen gegen Kaiserslautern natürlich weitere folgen lassen. Die Tür zu einer Erstliga-Karriere steht offen, er muss, das sagt er selbst, nur noch hindurchgehen: „Es liegt doch nur an mir, ob ich die Leistung bringe. Als junger Spieler bist du einfach gefordert, noch mehr zu laufen, noch mehr zu kämpfen als die älteren. Sonst bist du wieder raus.“

Werder-Training ohne Hartherz und Füllkrug

Werder-Training ohne Hartherz und Füllkrug

Lennart Thy und Florian Trinks (beide 19) kennen dieses Gefühl des Wieder-raus-Seins“. Trinks stand Ende der Hinrunde dreimal für die Profis auf dem Platz, ist seit Beginn der Rückrunde aber abgemeldet. Thy hatte in den ersten beiden Saisonspielen seine Auftritte, versemmelte gegen Leverkusen aber eine Riesenchance zum 1:0 und ist seitdem von der Rolle. „Normal“, nennt Werders Nachwuchs-Cheftrainer Thomas Wolter diese Berg- und Talfahrt bei den Schwellenprofis: „Irgendwann kommt eine Phase, in der nichts mehr geht. Das ist nichts Ungewöhnliches.“ Dann müssten die jungen Spieler „mal mit zarter Hand, mal mit harten Bandagen“ wieder nach oben geführt werden, so Wolter.

Thy und Trinks bekamen zum Rückrundenstart die harte Tour zu spüren. Cheftrainer Thomas Schaaf ließ sie als Konsequenz einer schwachen Testspielleistung gegen Hansa Rostock (0:3) einfach zu Hause, fuhr nur mit 16 Spielern nach Kaiserslautern. Ein klares Zeichen. Und Trinks gibt an, es richtig gedeutet zu haben: „Ob du spielst oder nicht, liegt nur an Fehlern, für die du sich selbst hinterfragen musst. Vor allem darfst du dich von solchen Rückschlägen nicht unterkriegen lassen.“

Leichter gesagt als getan. Ob er und sein Freund Lennart Thy es schaffen, muss sich erst noch herausstellen. Viele vor ihnen haben es nicht gepackt (siehe Auflistung rechts). Oft war die Anwesenheit in Liga eins nur von kurzer Dauer. Gegenbeispiele sind Aaron Hunt und Christian Schulz, die es auf dem Bremer Weg bis in die Nationalmannschaft schafften. Die große Masse bilden aber jene Talente, für die sich der Bundesliga-Traum weder in Bremen noch anderswo erfüllte.

Nicht selten, sagt Thomas Wolter, stellen sich die Begabtesten unter seinen Spielern auf ihrem Weg nach oben selbst ein Bein: „Das größte Problem ist die Ungeduld. Berater und Familien machen Druck, und den meisten Spielern kann es gar nicht schnell genug gehen, in die Bundesliga zu kommen, das merkt man immer wieder.“ Dabei gehört Warten einfach dazu. „Ich sage meinen Jungs immer, sie müssen ständig auf den Tag X vorbereitet sein – und den dann nutzen.“

Für Florian Hartherz und Niclas Füllkrug war am Samstag dieser Tag X. Beim 1:1 gegen Leverkusen feierten die (wie Trybull) Noch-A-Junioren ihr Bundesliga-Debüt. „Es war klasse, wie auffällig die Drei waren“, lobte Schaaf anschließend. Doch erreicht ist damit noch lange nichts. „Sie haben nur reingeschnuppert, mehr ist das ja noch nicht“, meint Wolter. Und vielleicht verlängern Trybull, Hartherz und Füllkrug irgendwann die Liste derer, die den Durchbruch nicht geschafft haben. Vielleicht findet sich unter ihnen aber auch ein neuer Tim Borowski. · csa

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