Legende schwärmt von Werder und prophezeit Kohfeldt-Wechsel

Rufer im Interview: „Die Champions League ist möglich“

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Werder-Legende Wynton Rufer stellt sich im Interview den Fragen von DeichStuben-Reporter Björn Knips.

Bremen – Wynton Rufer bestellt einen grünen Tee und redet dann ausführlich mit der DeichStube über Grün-Weiß. Der Neuseeländer ist vier Monate nach seinem Herzinfarkt erstmals wieder zu Gast in Bremen.

Dabei gerät der 56-Jährige sofort ins Schwärmen über seinen SV Werder, für den er von 1989 bis 1994 gespielt und vier Titel geholt hat. Aber auch über Josh Sargent, den er mitentdeckt hat. Oder über Trainer Florian Kohfeldt, den er allerdings irgendwann aus Bremen weggehen sieht. Vor allem wegen Sportchef Frank Baumann prophezeit Rufer seinen Grün-Weißen eine rosige Zukunft inklusive einer Rückkehr in die Champions League.

Herr Rufer, schafft es Werder noch nach Europa?

Puh, es wird schwierig, aber die Chance ist da. Ich träume noch von Europa. Aber auch ohne Europa wäre es für mich eine super Saison für Werder.

Sie waren beim 2:2 gegen Dortmund im Weserstadion...

Und es war wirklich eine super Atmosphäre, einfach Wahnsinn. Es war wie ein Sieg für uns. Nach 0:2 noch 2:2 und beinahe noch 3:2 – was für ein Spiel! Da saß keiner mehr auf seinem Platz. Das war ein guter Test für mein Herz (lacht).

Sie haben im Januar einen Herzinfarkt nur knapp überlebt, wie geht es Ihnen jetzt?

Sehr gut. Ich kann wieder alles machen, passe aber natürlich jetzt etwas mehr auf mich auf. Wenngleich der Infarkt wohl genetisch bedingt war. Ich habe wirklich Glück gehabt und bin jetzt sehr froh, mal wieder in Bremen zu sein. Und dann so ein tolles Spiel. Das hat wirklich Spaß gemacht.

Waren Sie von den ersten 60 Minuten nicht enttäuscht, als Werder verdient 0:2 hinten lag?

Also Dortmund hat schon eine super Mannschaft, das haben viele wohl vergessen. Es ist schon cool, dass sich Werder gegen so einen Gegner noch einen Punkt erkämpft hat – und zwar verdient.

Was haben Sie gedacht, als ausgerechnet Claudio Pizarro mit seinen 40 Jahren den Ausgleich gemacht hat?

Das ist wie ein Traum. Unglaublich, wie gut und vor allem wie cool er immer noch ist. Ein super Typ!

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Wynton Rufers Erfolgsgeschichte bei Werder

Wynton Rufer
1989 kam Rufer von Grasshoppers Zürich zum SV Werder. Angefangen hatte seine Karriere aber schon neun Jahre zuvor - bei seinem Heimatverein Wellington United (Neuseeland). Es folgten Stationen wie Norwich City, Miramar Rangers, FC Zürich und FC Aarau. © imago
Wynton Rufer
Ein Duell, das "Kiwi" wohl immer in positiver Erinnerung halten wird: Das Achtelfinal-Rückspiel des Europapokals der Pokalsieger gegen Diego Maradona und SSC Neapel im November 1989. Werder gewann sensationell 5:1, Rufer traf einmal. © imago
Wynton Rufer
Den ersten Titelgewinn feierte Rufer aber erst am 22. Juni 1991. Mit Werder gewann er den Elfmeterkrimi im DFB-Pokal-Finale gegen den 1. FC Köln mit 5:4. Rufer verwandelte seinen Strafstoß zum 2:2. © imago
Wynton Rufer
In der Bundesliga-Saison 1992/93 war der Neuseeländer mit 17 Treffern Werders bester Torschütze. Damit hatte Rufer großen Anteil an der dritten Deutschen Meisterschaft der Bremer. © imago
Wynton Rufer
Einer seiner größten Erfolgsmomente: Der Sieg im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1992. Der Mittelstürmer legte erst das Tor von Klaus Allofs vor, und traf dann selbst zum 2:0-Endstand gegen AS Monaco. © imago
Wynton Rufer
Auf der internationalen Bühne absolvierte Rufer 38 Spiele im grün-weißen Dress, in denen er 22 Treffer erzielte. In der Saison 1993/94 wurde er sogar gemeinsam mit Ronald Koeman Torschützenkönig der Champions League - mit jeweils acht Treffern. © imago
Wynton Rufer
In 174 Bundesliga-Spielen lief Rufer für Werder insgesamt auf. 59 Mal traf er ins Glück, dazu bereitete der Angreifer 59 Tore vor. © imago
Wynton Rufer
Eine besondere Bilanz darf nicht fehlen: Von zwölf Elfmeter-Versuchen erzielte er elf Tore. Das entspricht einer Quote von 91,7 Prozent. Dabei verschoss Rufer gleich seinen ersten Elfmeter am 30. September 1989 beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt. Im Tor stand Uli Stein. © imago
Wynton Rufer
1995 wechselte er zu JEF Utd. Chiba nach Japan. Über Kaiserslautern ging Rufer dann zurück in sein Heimatland, wo er zunächst für North Shore United spielte und dann zu Football Kings wechselte. Dort beendete er 2002 seine Karriere. © imago
Nach seiner Zeit als Fußballprofi war Rufer Trainer der Nationalmannschaft von Papua-Neuguinea (2004-2005). Aktuell leitet der Ex-Profi die Akademie in Neuseeland, die er 1997 gegründet hatte. Seinen Ex-Club Werder besucht er so oft es geht.
Nach seiner Zeit als Fußballprofi war Rufer Trainer der Nationalmannschaft von Papua-Neuguinea (2004-2005). Aktuell leitet der Ex-Profi die Akademie in Neuseeland, die er 1997 gegründet hatte. Seinen Ex-Club Werder besucht er so oft es geht. © imago

Rufer über Pizarro: „Irgendwann werden wir alle sehr, sehr traurig sein“

Soll Pizarro weiterspielen?

Das müssen er, Frank Baumann und Florian Kohfeldt entscheiden – und sie werden schon das Richtige machen. Vielleicht wäre es für Claudio sinnvoll, jetzt aufzuhören, weil es gerade so gut läuft für ihn. Aber vielleicht sollte er auch genau deswegen weitermachen. Für mich steht nur eines fest: Irgendwann werden wir alle sehr, sehr traurig sein, denn er kann ja nicht ewig spielen.

Falls Pizarro bleibt, würde das nicht die Entwicklung von Josh Sargent bremsen?

Nein, gar nicht! Diese jungen Spieler können doch froh sein, täglich an der Seite von Claudio Pizarro trainieren zu dürfen. Werder hat mittlerweile einen super Kader. Ich sehe immer auch das große Bild. Und vor drei Jahren konnte man nicht weit gucken. Das war wie in einem Sturm, da musstest du zusehen, überhaupt irgendwie einen Schritt nach vorne zu machen – und gesehen hast du dabei auch nichts (lacht).

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Und jetzt?

Heute sehe ich die Sonne, heute sehe ich die Champions League.

Wirklich die Champions League?

Klar! Die Champions League ist bald möglich für Werder. Ich habe endlich wieder Hoffnung. Werder hat eine tolle Mannschaft und tolle Spieler. Nehmen wir Davy Klaassen. Der war bei Ajax Amsterdam Kapitän, stand im Finale der Europa League. Der will was erreichen – genauso wie viele andere Spieler im Team.

Ist die Mannschaft schon stark genug dafür?

Nein, noch nicht. Sie ist aber auf dem Weg dahin. Schauen wir doch mal nach Frankfurt. Vor drei Jahren haben die mit uns hier um den Klassenerhalt gezittert, jetzt sind sie im Halbfinale der Europa League und können es noch in die Champions League schaffen.

Werder droht allerdings der Verlust von Max Kruse, wäre der Kapitän überhaupt zu ersetzen?

Natürlich ist Max ein super Spieler für Werder. Aber man muss ihn verstehen: Es ist vielleicht seine letzte Chance, noch mal in der Champions League zu spielen. Frank Baumann würde ein Wechsel aber nicht überraschen. Er hat doch alles im Griff und wird darauf vorbereitet sein. Ich mache mir da keine Sorgen.

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Wynton Rufer ist erstmals seit seinem Herzinfarkt wieder in Bremen.

Können Sie Baumann helfen, schließlich haben Sie auch Josh Sargent mitentdeckt?

Dieses Turnier damals in Florida war der Hammer. Wir haben uns auf Josh konzentriert. Aber da waren zum Beispiel auch Vinicius Junior, der jetzt bei Real Madrid spielt, und Paulinho, der inzwischen in Leverkusen ist. Es gibt so viele Talente auf der ganzen Welt, man muss sie nur finden.

Welche Rolle spielt Trainer Florian Kohfeldt für Werder?

Eine ganz wichtige. Er ist ein super Typ, mit ihm läuft es wunderbar. Aber auch er wird irgendwann weggehen. Das ist normal. Es kommt ein größerer Verein, macht ein Riesenangebot, da würde jeder gehen, der gut ist. Und Florian ist gut. Aber jetzt soll er erst mal noch fünf Jahre bei uns bleiben.

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Rufer über Sargent: „Damals war er der König“

Wo muss sich Werder noch verstärken?

Da könnte ich jetzt etwas zu sagen, aber das mache ich öffentlich nicht. Das können die Medien machen – oder meine Freunde (lacht). Die haben sich jetzt beim Spiel gegen Dortmund aufgeregt, warum Werder Niclas Füllkrug verpflichtet hat. „Warum noch ein Stürmer?“, haben sie mich gefragt. „Warum nicht?“, habe ich geantwortet. Vielleicht wird es dadurch etwas schwieriger für Josh Sargent, aber im Fußball musst du dich nun mal durchsetzen.

Seit Ende Februar hat Sargent nur noch sieben Minuten gespielt. Was ist da los?

Nichts Schlimmes! Der Trainer macht das doch gut. Nach den beiden Toren von Josh im Dezember sind doch alle ausgeflippt. Damals war er der König. Jetzt herrscht wieder Ruhe – und das ist gut für die Entwicklung von Josh.

Aber es heißt doch immer, Spielpraxis sei so wichtig bei jungen Profis.

Das stimmt. Aber Josh hatte doch schon seine Einsätze, trainiert immer auf hohem Niveau bei den Profis. Er ist auf einem guten Weg. Nur der Sommer bereitet mir etwas Sorgen.

Warum?

Josh wird wahrscheinlich im Juni für die USA beim Gold-Cup spielen. Das ist schön für ihn, aber auch etwas unglücklich. Eigentlich braucht ein junger Spieler auch mal eine Pause. Aber Werder wird da schon einen guten Weg finden.

Quelle: DeichStube

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