Wolfsburgs Naldo im Interview über seinen Ex-Club, seinen neuen Vertrag – und die Terrorgefahr

„Werder wird noch klettern“

+
Wachsam sein: Wolfsburgs Naldo warnt vor seinem Ex-Club Werder.

Wolfsburg/Bremen - Für Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, wird es heute ein ganz besonderer Tag. Der 33-jährige Brasilianer mit deutschem Pass trifft mit dem VfL Wolfsburg um 15.30 Uhr auf Werder Bremen. Und mit der Partie gegen seinen Ex-Club verlängert sich sein Vertrag automatisch bis 2017. Im ausführlichen Interview verrät Naldo auch, wessen Telefonnummer er sich heute besorgen will – und er spricht natürlich über die Terrorgefahr.

Naldo, zuerst das aktuell brisanteste Thema: die Terrorgefahr. Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?

Naldo: Ganz Europa ist geschockt gewesen. Es ist etwas unruhig in unserem Land. Ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder so leben können wie vor den Anschlägen von Paris. Und dass eine Lösung gegen den Terrorismus gefunden wird.

Wie schwer wird es, zur Normalität zurückzufinden?

Naldo: Das ist schwer. Aber wenn in den nächsten Tagen und Monaten nichts mehr passiert, können wir das alles zumindest ein bisschen vergessen, hoffe ich.

Sie haben in Max Kruse, Julian Draxler und Andre Schürrle drei deutsche Nationalspieler im Team, die bei den Anschlägen in Paris hautnah dabei waren. Wie haben sie den Schock verdaut?

Naldo: Am ersten Tag, als sie wieder hier waren, war ein bisschen Unruhe zu spüren. Dann wurde es langsam besser. Und jetzt sind sie voll konzentriert auf das Spiel am Wochenende. Wie wir alle, wir wollen weiter unsere Arbeit machen. Die Stimmung ist inzwischen wieder ganz gut.

Haben Sie selbst vor dem Spiel gegen Werder Angst oder ein mulmiges Gefühl?

Naldo: Nein, ich gehe ohne Sorgen ins Spiel. Weil ich denke, dass noch mehr für die Sicherheit getan wird als ohnehin schon. Deutschland ist ein sicheres Land. Und ich finde es auch richtig, dass die Spiele am Wochenende stattfinden.

Wird die Stimmung im Stadion anders sein als sonst?

Naldo: Ich denke nicht. Vor dem Spiel kann es etwas unruhig sein, im Spiel dann nicht mehr. Da wird die Stimmung normal sein.

Ist bei Ihnen angesichts der Begleitumstände überhaupt Vorfreude zu spüren?

Naldo: Natürlich! Das ist nach wie vor ein ganz besonderes Spiel für mich. Ich trage Werder in meinem Herzen – für immer.

Seit dreieinhalb Jahren sind Sie weg von Werder. Wie sind inzwischen Ihre Verbindungen nach Bremen?

Naldo: Ich habe noch Kontakt zu Clemens Fritz. Leider habe ich keine aktuelle Nummer von Torsten Frings. Danach muss ich ihn nach dem Spiel mal fragen. (lacht). Immer wenn ich ihn sehe, bin ich voller Freude. Frings war sehr wichtig für mich, als ich nach Deutschland und zu Werder gekommen bin. Er hat mich toll unterstützt, das war super für mich. Beide sind enge Freunde.

Wie oft sind Sie noch in der alten Heimat?

Naldo: Wenn ich frei und Zeit habe, komme ich sehr gerne nach Bremen und treffe viele alte Freunde. Hier hatte ich sieben tolle Jahre. Zum letzten Mal war ich vor ungefähr einem Monat da – und Anfang September habe ich den Heimsieg gegen Gladbach im Stadion gesehen. Ich bin sehr eng mit einem Apotheker und seiner Familie befreundet, wir kennen uns seit zehn Jahren. Er kommt am Wochenende zu uns und schaut sich auch das Spiel im Stadion an.

Ein Bremer, den Sie auch lange kennen, ist Claudio Pizarro (37). Er hat in Augsburg sein erstes Werder-Tor seit der Rückkehr gemacht. Ist er nun richtig in Fahrt?

Naldo: Claudio ist immer ein gefährlicher Stürmer, da ist das Alter völlig egal. Wenn er freie Bahn hat, ist er knallhart und trifft. Auf ihn müssen wir höllisch aufpassen, die ganze Zeit. Er kann mit beiden Füßen schießen, er kann es mit dem Kopf. Das Tor gegen Augsburg war super. Das wird ihm richtig gut getan haben. Werder hat vorne aber auch noch Anthony Ujah.

Wie beurteilen Sie ihn?

Naldo: Ein bulliger Typ, kopfballstark. Er geht immer voll in den Zweikampf rein, macht sehr viel für die Mannschaft, auch nach hinten. Das ist wichtig. Er ist ein moderner Stürmer.

Sie stellen sich demnach auf viel Arbeit ein?

Naldo: Auf jeden Fall. Ich erwarte ein sehr schwieriges Spiel. Wir müssen aufpassen. Werder gewinnt wieder – und spielt wieder gut. Aber auch wir haben eine sehr starke Manschaft.

Vor allem auswärts punkten die Bremer, da sind sie das viertbeste Bundesliga-Team.

Naldo: Eben, das sagt schon einiges. Werder geht sehr schnell ins Konterspiel. Wir müssen kompakt sein und dürfen uns nicht überrumpeln lassen.

Momentan ist Werder 14. – was trauen Sie Ihrem Ex-Club noch zu?

Naldo: Die Tabelle sieht aktuell nicht so gut aus, aber die Ergebnisse sind besser geworden. Werder ist auf einem guten Weg und wird noch ein bisschen nach oben klettern. Ein Platz im sicheren Mittelfeld ist möglich.

Und Wolfsburg? Trotz des dritten Platzes wirkt Ihr VfL nicht mehr so souverän wie in der Vorsaison. Woran liegt das?

Naldo: Die Erwartungen sind sehr hoch geworden – am besten sollen wir wieder so eine überragende Saison wie die letzte spielen. Das haben wir bislang noch nicht geschafft, es fehlte die Konstanz. Sich da oben zu halten, wird nicht einfach. Aber es ist unser Ziel.

Als die Saison schon lief, hat Wolfsburg in Kevin De Bruyne (zu Manchester City) den Top-Mann der Vorsaison verloren. Wie sehr wirkt sich das auf das VfL-Spiel aus?

Naldo: Kevin hat eine gewisse Zeit gebraucht, um so klasse zu spielen. Dann hatte er Selbstvertrauen – und es wurde eine Traumsaison für ihn. Sein schnelles Umschaltspiel ist überragend – und das fehlt uns im Moment. Bis zur Mitte spielen wir gut, aber dann haben wir zu selten Lösungen. Daran arbeiten wir.

Nach den 0:2-Niederlagen in Eindhoven (Champions League) und Mainz gab es ziemlich harte Kritik von Trainer Dieter Hecking und Sportchef Klaus Allofs am Team. Zu Recht?

Naldo: Absolut. Die Mannschaft hat viel Qualität, das war auf dem Platz aber nicht zu sehen. Das ärgert uns alle total. Verlieren kann man, aber nicht so wie wir es zuletzt getan haben. Wir müssen wieder die Freude auf dem Platz finden und mannschaftlich geschlossener werden.

Hecking hat gegen Werder eine Reaktion gefordert. Wie wird die aussehen?

Naldo: Aggressiver sein, mehr nach vorne spielen und mehr Chancen kreieren. Gegen Mainz hatten wir in 90 Minuten einen Torschuss von Vieirinha – das ist viel zu wenig. Da ist die ganze Mannschaft in der Pflicht.

Sie selbst haben in der vergangenen Bundesliga-Saison sieben Tore geschossen – in dieser noch gar keins. Ihre Erklärung?

Naldo: Letzte Saison haben wir insgesamt viele Tore geschossen (72, Anm. d. Red.). Jetzt haben wir weniger Chancen. Aber irgendwann werde ich wieder ein Tor machen – und dann kommen mehr.

Werders Jannik Vestergaard hat bereits getroffen. Er ist jetzt, wie Sie früher, der Bremer Abwehrchef. Wie schätzen Sie Ihren Nachfolger ein?

Naldo: Er macht einen richtig guten Job, ich habe schon ein paar Spiele von ihm gesehen. Ruhig am Ball, gutes Aufbauspiel, stark in der Luft. Und er hat Ausstrahlung, wird von den anderen als Abwehrchef akzeptiert. Er gefällt mir sehr gut, muss nur so weitermachen. Dann kann er Werder noch viel helfen.

Womöglich werden Sie sich als kopfballstarke Spieler bei Standards häufiger begegnen.

Naldo: Das kann gut sein. Wir können es so machen: Er passt auf mich auf – und ich auf ihn (lacht). Aber im Ernst: Feste Zuteilungen gibt es noch nicht, das macht unser Trainer erst kurz vor dem Spiel.

Ihr Vertrag verlängert sich nach dem 20. Pflichtspiel automatisch um ein Jahr bis 2017. Heute ist Ihr 20. Spiel. Freuen Sie sich?

Naldo: Ich bin zufrieden und glücklich beim VfL – und der VfL ist zufrieden mit mir. Es macht mir Spaß, meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Wir wohnen nur fünf Minuten vom Stadion entfernt. Zählt man alles zusammen, dann liegt es nahe, weiter zusammenzuarbeiten.

Und dann ist Ihre Zukunft ausgerechnet nach einem Spiel gegen Werder geklärt.

Naldo: Das passt perfekt – aber nur, wenn wir gewinnen (lacht).

Bis 2017 bleiben Sie in Wolfsburg. Wie geht es danach weiter?

Naldo: Das lasse ich total offen. Ich bin überglücklich, dass ich schon ein paar Jahre gesund und verletzungsfrei bin. Ich fühle mich topfit, mein Körper hält den Belastungen stand. Ich bin jetzt 33 – und hoffe, dass ich noch ein paar Jahre spielen kann. Wenn ich Spaß habe und die Mannschaft mich braucht, kann es auch weitergehen.

Ist nach der Karriere eine Rückkehr nach Bremen denkbar?

Naldo: Im Moment ist eher geplant, dass wir dann in Wolfsburg leben. Ich rede oft mit meiner Frau darüber, die sich hier sehr wohl fühlt. Endgültig entscheiden wir uns aber erst, wenn ich nicht mehr spiele.

mr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Werder-Ankunft in Köln

Werder-Ankunft in Köln

Meistgelesene Artikel

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Kommentare