Starks Tor-Rücknahme: Ein Plädoyer gegen den TV-Beweis

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Wolfgang Stark

Mönchengladbach - Von Holger Schmidt. FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark sorgte durch die Rücknahme eines bereits anerkannten Tores für Aufsehen. Am Ende diente der Fall in seinen Augen als Beispiel für Fair Play - und gegen den TV-Beweis.

So etwas hatte selbst Wolfgang Stark noch nicht erlebt. Der 43-Jährige ist seit 19 Jahren Elite-Schiedsrichter, er hat Spiele bei Welt - und Europameisterschaften geleitet und das Skandal-Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und der Hertha. Doch ein Tor zurückgenommen hat Wolfgang Stark noch nicht. „So eine Konstellation habe ich noch nicht gehabt“, sagte der Bankkaufmann: „Am Ende bin ich einfach nur heilfroh, dass unter dem Strich die richtige Entscheidung stand.“ Zudem sei der Zwischenfall ein Beweis dafür gewesen, dass der vielerorts geforderte TV-Beweis nicht nötig ist: „Man hat schließlich gesehen, dass man auch so zu einer richtigen Entscheidung kommen kann.“

Seine ungewöhnliche, aber mutige und richtige Entscheidung im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen (1:1) brachte Stark anschließend nur leise Kritik wegen der Zeitverzögerung. Im Endeffekt aber jede Menge Lob. Bremens Sportdirektor Thomas Eichin vergab „die Note 1+“. Und sogar Gladbachs Coach Lucien Favre, dessen Team schon mehr als eine Minute das vermeintliche 1:0 von Patrick Herrmann bejubelt hatte (18.), war im Sinne des Fußballs froh über Starks Entscheidung. „Die Entscheidung war eindeutig richtig“, sagte der Schweizer: „Und es ist besser so, als wenn ein Tor zählt, das keines war. Ich hasse es, wenn Spiele von Schiedsrichter-Entscheidungen beeinflusst werden.“

Die Bilder vom Spiel

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Die ungewöhnliche Situation war entstanden, weil Stark und sein ebenfalls WM-erfahrener Assistent Jan-Hendrik Salver zunächst nur Teilbereiche sehen konnten. Erst als sie diese nach Rücksprache zusammenfügten, ergab sich ein klares Bild. Der Schiedsrichter hatte gesehen, dass Amin Younes den Ball zu Herrmann mit der Hacke weitergeleitet hatte. Nicht aber, ob dieser im Abseits stand, „das war aus meiner Position nicht zu 100 Prozent zu beurteilen“. Und Salver hatte zwar die Abseitsstellung erkannt. Nicht aber, ob Younes den Ball berührt hatte. „Ich habe gesagt, der Spieler Younes war mit der Hacke dran. Daraufhin sagte mein Assistent: Also dann war der Spieler Herrmann im Abseits“, erklärte Stark.

Ärgerlich für die Gladbacher nur, dass die Entscheidung erst nach langer Diskussion fiel. „Zu lange“ habe das gedauert, meinte auch Favre. „Natürlich stellt sich die Frage, ob das nicht auch schneller geht“, entgegnete der Unparteiische: „Aber es war eine Situation, die spielentscheidend hätte sein können. Deshalb haben wir uns genau austauschen müssen. Denn stellen sie sich die Reaktionen vor, wir hätten uns eine Minute unterhalten und dann wäre es falsch gewesen.“

Auch so schien Stark durch die frustrierten Borussen-Fans und die emotional aufgeladenen Spieler ein Spießrutenlauf in den verbleibenden 70 Minuten zu drohen. „Es war zunächst hektisch, weil die Zuschauer nicht gewusst haben, wie der genaue Ablauf war“, sagte Stark und bedankte sich bei den Spielern, „die es nicht weiter aufgepusht haben“. Für etwas mehr Ruhe sorgte aber erst die Maßnahme der Gladbacher, die auf TV-Bildern eindeutige Szene in der Halbzeit auf der Videowand zu zeigen. „Davon habe ich nichts gewusst“, sagte Stark. Den Einsatz von TV-Bildern zur Entscheidungsfindung lehnt er ab. „Man sollte den Fußball so lassen, wie er ist und nicht zu kompliziert machen“, erklärte der Landshuter: „Ob man angesichts von verschiedenen Kamera-Einstellungen innerhalb von zehn Sekunden die optimalen Bilder hätte, ist fraglich. Das Kommunikations-System gibt uns genug Möglichkeiten.“ Salver und er haben sie am Samstag optimal genutzt.

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