Bremen statt Eskisehir: Der Ex-Kapitän vom 1. FC Nürnberg soll nicht nur das Abwehrproblem lösen

Wolf im Glück – und Werder auch

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Erste Dienstreise für den neuen Club: Innenverteidiger Andreas Wolf auf der Fährfahrt nach Norderney, wo er mit Werder bis Freitag im Trainingslager ist.

Norderney · Das Dauergrinsen in seinem Gesicht war nicht zu übersehen und auch das Wort „überglücklich“ im Dauereinsatz: Andreas Wolf wäre gestern Nachmittag bei der Überfahrt nach Norderney auch als frisch gebackener Lottogewinner durchgegangen.

Der Wechsel zu Werder Bremen ist für den 29-Jährigen das große Los. Denn vor einer Woche hatte es eher nach einer Zukunft in der Türkei bei Eskisehirspor ausgesehen als nach dem so sehnlichst erhofften Verbleib in der Bundesliga. Aber ein Anruf aus Bremen änderte alles – denn dort werden Innenverteidiger dringender denn je gebraucht. So erhielt der ablösefreie Wolf einen Zweijahres-Vertrag, der sich nach einer bestimmten Zahl von Einsätzen um eine weitere Saison verlängert.

Wolf trainiert erstmals mit der Mannschaft

Wolf trainiert erstmals mit der Mannschaft

„Ich bin überglücklich. Das ist ein sportlicher Schritt nach vorne. Diese Herausforderung habe ich gesucht“, sagte Wolf an Bord der Frisia 1. Nach 14 Jahren beim 1. FC Nürnberg hatte er seinen Vertrag nicht verlängert, weil ihm die Wertschätzung von Trainer und Verein fehlten. Reden möchte er darüber nicht mehr, Wolf verweist auf einen Offenen Brief, den er an die Club-Fans geschrieben hat.

Der 29-Jährige will nicht mehr zurückschauen, deswegen hakt er auch die Episode Eskisehirspor ganz schnell ab: „Die wollten, dass ich mir mal die Stadt anschaue – mehr war da nicht.“ Jetzt zählt sowieso nur noch der SV Werder, „der zu den Topvereinen in Deutschland gehört“, wie Wolf stolz betont. Als Notnagel oder als Platzhalter für die gerade komplett unpässliche Innenverteidigung fühlt er sich allerdings nicht. „Natürlich kenne ich die Situation hier“, sagt Wolf und lobt die verletzten Per Mertesacker, Sebastian Prödl, Naldo und Mikael Silvestre als „sehr gute Spieler. Aber ich muss mich nicht verstecken und werde Paroli bieten.“

Genau das erhofft sich auch Werder-Boss Klaus Allofs: „Wir hätten ihn nicht geholt, wenn wir ihm nicht zutrauen würden, den Konkurrenzkampf zu erhöhen.“ Wolf sei zudem eine Soforthilfe, „weil er die Bundesliga sehr gut kennt und als Kapitän bewiesen hat, eine Mannschaft führen zu können“. Dem Bremer Boss gefällt zudem, dass Werder nun auch einen etwas kleineren Innenverteidiger hat, „der es dynamischer macht, einfach einen anderen Stil hat und sich auf dem Platz auf vernünftige Art und Weise Respekt verschafft.“ Davon sollen vor allem die jungen Teamkollegen profitieren – und nicht nur davon. Allofs erwartet vom Neuen von Anfang an ein selbstbewusstes und damit auch führendes Auftreten: „Andreas ist ein erfahrener Spieler und muss nicht ein halbes Jahr warten, bis er sich zu Wort meldet.“

Wolf könnte für Werder durchaus zum Glücksfall werden. Die Verpflichtung macht in der aktuellen Situation in jedem Fall Sinn. Dass der Defensivspezialist dabei mit 29 Jahren eigentlich nicht ins Beuteschema eines Clubs passt, der gerade einen Umbruch vollzieht, lässt Allofs kalt: „Das ist kein Wechsel unserer Vorgehensweise. Es geht eben nicht nur mit jungen Spielern. Wir wollen einen vernünftigen Mix.“ Und der ist noch nicht gefunden, so soll in Wolfs Revier ein weiterer Neuer einziehen, wie Allofs mitteilte. Im besten Fall Sokratis Papastathopoulos vom FC Genua. Mit einem raschen Vollzug rechnet der Sportchef trotz guter Gespräche aber nicht. · kni

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