Wolf-Einsatz noch fraglich – kommt gegen 96 die große Chance für den Ersatzmann?

Strebinger verspricht: „Wenn ich spiele, spiele ich gut“

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Beim Bundesliga-Debüt kassierte Richard Strebinger drei Tore in 21 Minuten – aber anders als das Torverhältnis hat das Selbstvertrauen des Torwarts keinen Schaden genommen.

Bremen - Die Kommandos kommen kurz und knackig. Richard Strebinger schickt den einen nach links, den anderen nach rechts, den nächsten nach vorne – der junge Torhüter hat keine Scheu, den älteren Kollegen zu erklären, wo es für sie langgeht. Jedenfalls auf dem Fußballplatz nicht. Strebinger, 21 Jahre alt und seit Samstag ein Bundesliga-Torhüter, macht in diesem Training nur seinen Job.

Wer ihn so erlebt, bekommt zwangsläufig den Eindruck, dass hier keiner trainiert, der sich nur brav hintanstellt. Strebinger will vorankommen, das ist auf dem Trainingsplatz und im Gespräch förmlich zu spüren.

Im Verhalten wirkt der Österreicher schon wie ein Stammtorwart, obwohl er noch eine Nummer zwei ist. Noch – darauf liegt die Betonung. Denn der selbstbewusste Schlussmann hat die feste Absicht, das nun zu ändern. „Ich will die Nummer eins werden“, sagt er und ist sich sicher: „Irgendwann wird der Trainer sagen: Du bist es! Da bin ich von meinen Stärken überzeugt.“

Strebinger, so könnte man glauben, nimmt den Mund ziemlich voll. Aber ihm fehlen ansonsten sämtliche Attitüden eines Angebers. Ruhig spricht der junge Mann, der schon mit 15 Jahren seine Heimat verließ, „um Bundesliga-Torhüter zu werden“, über seine Ziele. Gestenarm und mit sparsamer Mimik erzählt er, dass ihn sein Debüt am Samstag bei Eintracht Frankfurt natürlich nicht glücklich gemacht habe. Aber umgeworfen hätte ihn die 2:5-Niederlage auch nicht. Drei Tore kassierte er dabei – und weil das nur 21 Minuten dauerte, hat er nun eine Top-Platzierung in der Liste der schlimmsten Torwart-Premieren sicher (siehe Extra-Kasten).

In der 59. Minute kam Strebinger für den angeschlagenen Raphael Wolf in die Partie, in der 68., 76. und 80. Minute fielen die Treffer zum 1:3, 1:4 und 2:5. Patsch, patsch, patsch – erstaunlicherweise bewertet Strebinger selbst die Premiere dennoch nicht als misslungen. „Ich denke, ich habe ein ordentliches Spiel abgeliefert. Ich habe gehalten, was ich halten musste.“ Und ja, er habe sich „pudelwohl gefühlt auf dem Platz“.

So wohl, dass er das Gefühl, in einem Bundesliga-Spiel nicht auf der Bank zu sitzen, sondern im Tor zu stehen, immer wieder haben möchte. „Ich habe auf jeden Fall Blut geleckt. Jetzt bin ich heiß darauf, auch im Weserstadion vor den eigenen Fans zu spielen“, sagt der bis zum Frankfurt-Spiel nur in Regionalliga- und Testspielen sowie in den österreichischen U-Nationalteams erprobte Keeper.

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Insgeheim hofft er also, dass er am Samstag im Heimspiel gegen Hannover 96 (15.30 Uhr) seine nächste Chance bekommt. Stand gestern erscheint das nicht unwahrscheinlich. Denn Raphael Wolf, der sich gegen die Eintracht eine Beckenkammprellung zugezogen hatte, trainierte noch nicht wieder mit der Mannschaft. „Wenn er ausfällt und ich spielen sollte“, meint Richard Strebinger, „weiß ich, dass ich gut spielen werde“. Gründe für dieses gewaltige Selbstvertrauen? „Ich arbeite hart und trainiere gut. Dann kann ich auch selbstsicher sein.“

Vielleicht wäre ein weiterer Einsatz für ihn auch die große Gelegenheit, sich tatsächlich als Stammkraft ins Gespräch zu bringen. Es wäre der finale Schritt auf einem Weg, der vor knapp zwölf Jahren begonnen hatte. Damals stellte sich der nicht ganz zehn Jahre alte Richard bei seinem Heimatverein SC Piesting (nahe Wien) einfach mal ins Tor. „Die Trainer hatten gefragt, ob ich Lust dazu hätte. Und danach bin ich nach Hause, habe gesagt: ,Mama, ich mach’ jetzt nichts anderes mehr‘“, erinnert sich Strebinger. Über den FV Club Wiener Neustadt und AK St. Pölten führte der Weg weiter zu Hertha BSC, seiner Station für den Deutschland-Start.

Schon als 17-Jähriger saß er dort auf der Bundesliga-Ersatzbank. Aushilfsweise. Auch beim SV Werder, wohin er im Sommer 2012 wechselte, war Warten angesagt. Erst seit Saisonbeginn ist der 1,94m große Schlussmann der feste Reservist im Bundesliga-Team. Und sollte Raphael Wolf gegen Hannover noch ausfallen, würde Strebinger eben versuchen, seinen Job zu machen: Vorderleute dirigieren und halten, was zu halten ist. Frei von Nervosität übrigens, wie er behauptet: „Es gibt für mich keinen Grund nervös zu werden. Ich muss nur das machen, was ich am besten kann. Und in der Bundesligs zu spielen, ist das, worauf ich mich mein Leben lang vorbereite. Es ist mein großes Ziel.“

Dreierpack beim Debüt – bei diesen Torhütern ging es am schnellsten

Drei Gegentore beim Bundesliga-Debüt – das allein ist schon schlimm genug. Doch wenn es auch noch kurz hintereinander im eigenen Tor einschlägt, bekommt das Debüt eine spezielle negative Note. Bei diesen Keepern ging es am schnellsten mit dem Dreierpack beim Debüt:

Nummer 1

Uwe Hain – 10 Minuten: Im Tor von Eintrach Braunschweig feierte er am 20. September 1975 seinen Bundesliga-Einstand. Hain wurde auf Schalke zur Pause beim Stand von 1:1 eingewechselt – dann klingelte es in der 49., 52. und 56. Minute. Drei Gegentore in nur zehn Minuten – ein Debüt-Rekord! Endstand war übrigens 1:5.

Nummer 2

Thomas Ernst – 13 Minuten: Auch er wurde eingewechselt und erlebte keine schöne Bundesliga-Premiere. Als Torwart von Eintracht Frankfurt kam Thomas Ernst am 17. September 1987 im Spiel beim FC Homburg ab der 54. Minute zu seinem ersten Einsatz in Liga eins. 1:2 stand es, doch 13 Minuten später hieß es 1:5. Endstand: 2:5.

Nummer 3

Peter Haak – 21 Minuten: Kennen Sie noch Peter Haak? Der damals 24-Jährige feierte am 8. April 1972 im Tor von Werder Bremen seine Bundesliga-Premiere. Der Gegner hieß Bayern München, hatte Heimrecht und kannte keine Gnade mit dem aus Wolfenbüttel stammenden Haak. Nach 21 Minuten stand es 3:1 für die Bayern, am Ende 6:2. Haak wurde danach noch zwei Mal eingewechselt, dann war die Bundesliga-Karriere schon wieder vorbei.

Nummer 4

Timo Ochs – 21 Minuten: 37 Jahre weiter auf der Bundesliga-Zeitschiene tritt Timo Ochs auf den Plan. Als Schlussmann von Hertha BSC taucht er erstmals in der Bundesliga auf und erlebt kein Debüt, mit dem sich angeben lässt. Vedad Ibisevic trifft schon in den ersten vier Minuten zwei Mal und legt in Minute 21 auch noch den dritten Treffer für 1899 Hoffenheim nach. Am Ende heißt es 5:1 für Ibisevic und Co.

Nummer 5

Richard Strebinger – 21 Minuten: Einwechslung in der 59. Minute – Werder Bremen liegt bei Eintracht Frankfurt 1:2 hinten. Den ersten Ball pariert Strebinger (21) noch, doch dann schlägt es binnen zwölf Minuten (68./76./ 80.) drei Mal bei ihm ein. Endstand: 2:5.

csa

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