Nach Werder-Abschied

Hoffenheim oder Bayern: Wohin geht Gnabry?

Serge Gnabry (Archivfoto)
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Abgang: Serge Gnabry verlässt Werder Bremen.

Bremen - Serge Gnabry verlässt Werder Bremen, aber verrät nicht, wohin er geht. Dass es bisher keine endgültige Einigung mit der TSG Hoffenheim gibt, liegt auch an Bayern München.

Serge Gnabry und Werder, das ist vorbei – und zwar endgültig. Der 21-Jährige verlässt den Verein am Ende des Monats auf eigenen Wunsch. Er zieht eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, damit das möglich wird. Gestern Mittag hat Werder die entsprechende Mitteilung versendet – das Gespür für Timing passte dabei: Sie trudelte um exakt 12 Uhr in den Redaktionen des Landes ein. High Noon in Sachen Gnabry, die Entscheidung ist da! Offen blieb, zu welchem Verein es den U21-Nationalspieler zieht. Hoffenheim gilt weiter als Favorit, aber nach Informationen der DeichStube mischt plötzlich auch ein anderer Verein wieder gewaltig mit: der FC Bayern München.

Sowohl der Rekordmeister als auch das Gnabry-Lager denken gerade intensiv darüber nach, ob eine Zusammenarbeit Sinn ergibt. Der „kicker“ hatte schon vor knapp einem Jahr beim Wechsel des Angreifers vom FC Arsenal zum SV Werder berichtet, dass der FC Bayern beteiligt sei und so etwas wie ein Vorkaufsrecht besitze. Werder-Sportchef Frank Baumann hatte das stets dementiert und betont, der Spieler würde ganz allein Werder gehören. 

Frank Baumann bestätigt Ausstiegsklausel

Angeblich fünf Millionen Euro Ablöse hatte der SVW im Sommer an die Londoner bezahlt – und dabei Gnabry eine Ausstiegsklausel in den Vertrag bis 2020 geschrieben, wie Baumann nun bestätigte. „Diesen Kompromiss mussten wir einfach eingehen, um ihn zu bekommen“, sagte der 41-Jährige. Nun macht Gnabry also von dieser Klausel Gebrauch. Welche Summe die Bremer dafür kassieren, wollte Baumann nicht kommentieren. Die Rede ist von acht Millionen Euro.

„Serge hat uns darüber informiert, dass für ihn jetzt der nächste Schritt wichtig sei“, berichtete Baumann und legte großen Wert darauf, zu betonen, dass sich der Spieler „fair und korrekt“ verhalten habe. Werder habe bis zuletzt alles versucht, um den schnellen Offensivakteur von einem Verbleib zu überzeugen. In der Tat hatte der Club Gnabry eine Gehaltserhöhung angeboten, die wohl mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung verbunden gewesen wäre.

„Wir waren da durchaus hoffnungsfroh“, sagte Baumann – und gab unumwunden zu: „Natürlich sind wir traurig, dass wir ihn nicht halten konnten.“ Gnabry habe mit seinen Toren in der vergangenen Saison schließlich einen wichtigen Anteil am Erfolg des Teams getragen. „Dass er geht, ist ein Verlust“, unterstrich der Sportchef. Trainer Alexander Nouri sieht das ganz ähnlich. „Es ist schade, dass uns mit Serge ein absoluter Leistungsträger verlässt, der eine außerordentlich positive Entwicklung genommen und der Mannschaft mit starken Leistungen enorm geholfen hat“, lässt er sich in der Pressemitteilung zitieren.

Dass Gnabry nach einem Jahr von der Ausstiegsklausel Gebrauch macht, ist bitter für Baumann. Dennoch würde der Sportchef jederzeit wieder so handeln. „Seine Verpflichtung hat sowohl sportlich als auch finanziell gut funktioniert“, betonte er. „Wenn ich nochmal vor der Wahl stehe, so einen Spieler auf diesem Wege oder gar nicht zu bekommen, würde ich es wieder machen.“

Hoffenheim oder Bayern? Die Entscheidung dauert noch

Als schließlich alles klar war, Gnabry Werder seinen Wechselwunsch mitgeteilt hatte, drängte der Verein darauf, die Sache zu verkünden. Die Spekulationen um die sportliche Zukunft des Deutsch-Ivorers hatten in den vergangenen Wochen beinahe groteske Züge angenommen. „Wenn eine Entscheidung gefallen ist, gibt es keinen Grund, sie nicht öffentlich zu machen“, sagte Baumann. Der Sportchef bestätigte, dass Werder sehr daran gelegen war, das Thema Gnabry von der Tagesordnung zu bekommen.

Es dürfte noch einige Tage dauern, bis der neue Arbeitgeber des 21-Jährigen bekannt gegeben wird. Trotz der Gespräche mit den Bayern – wahrscheinlich wird es am Ende Hoffenheim. Mit den Kraichgauern ist sich Gnabry fast einig. Er setzt dabei auch auf Trainer Julian Nagelsmann und auf die ebenfalls vorhandene Chance, international zu spielen. Dass es bisher noch keine Einigung gibt, liegt an den Bayern, deren Interesse Gnabry wieder ins Grübeln gebracht haben soll. Die große Frage: Ist das der richtige Schritt in der Entwicklung? Gnabry will unbedingt spielen, die Konkurrenz bei den Bayern ist da wesentlich größer und stärker als in Hoffenheim. Ein Wechsel nach München wäre ein Wagnis.

Serge Gnabry: Seine Karriere in Bildern

Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart...
Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart... © gumzmedia
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker.
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker. © imago
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen.
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen. © imago
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr.
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr. © imago
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen.
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen. © gumzmedia
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg.
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg. © gumzmedia
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore.
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore. © imago
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München.
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München. © gumzmedia
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen.
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen. © imago
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück.
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück. © imago
Am 01. Dezember 2018 ist es dann soweit. Serge Gnabry trifft mit dem FC Bayern im Bremer Weserstadion auf seinen Ex-Verein Werder.
Am 01. Dezember 2018 ist es dann soweit. Serge Gnabry trifft mit dem FC Bayern im Bremer Weserstadion auf seinen Ex-Verein Werder. © gumzmedia
Und er knipst auch noch! Bayern gewinnt mit 2:1 in Bremen und beide Tore erzielt Serge Gnabry.
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