Mit den Bayern hat der Werder-Keeper noch eine alte Final-Rechnung offen

WM-Casting? Nein! Wiese will erstmal nur den „Pott“

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Tim Wiese mit dem Pokal – das war vor einem Jahr. Gegen den FC Bayern will er sich den „Pott“ zum zweiten Mal holen. Gerne auch erst im Elfmeterschießen…

Bremen - Von Carsten Sander · Irgendwann sah sich der Mediendirektor zu einer klaren Ansage genötigt. „Jetzt bitte keine Fragen mehr zur Nationalmannschaft – heute geht’s ums Pokalfinale.“ Ein dankbarer Blick von Tim Wiese war der Lohn für Tino Polster, der den Werder-Torwart gewissermaßen davor bewahrte, weitere Ausflüchte formulieren zu müssen.

Er, Wiese, war zur Interviewrunde gekommen, um auf das Endspiel gegen Bayern München vorauszublicken. Ein heißes Duell, ein brennendes Thema. Aber die „T-Frage“ in der DFB-Elf ist eben auch nicht ohne Brisanz. Wiese spielt eine Hauptrolle in dem von Bundestrainer Joachim Löw inszenierten Krimi, in dem nicht ein Mörder, sondern eine Nummer eins gesucht wird. Also wollte einer von Wiese auch wissen, wie er denn reagieren würde, wenn letztlich Manuel Neuer das Rennen mache und er nur der Schattenmann des Schalkers werde. „Daran denke ich gar nicht. Jetzt ist erstmal der Pokalsieg dran“, meinte der Werder-Schlussmann leicht genervt – dann schritt Polster ein.

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Zuvor hatte Wiese schon erklären müssen, dass das Finale in Berlin für ihn kein WM-Casting sei („Ich habe nicht im Hinterkopf, dass ich da noch besser sein muss“). Und dass das Aufeinandertreffen mit dem von Löw nachnominierten Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt keinen Bluthochdruck bei ihm auslöst: „Es gibt kein Duell Wiese gegen Butt. Egal, wer mein Gegenüber ist: Ich will mein Spiel machen.“

Sein Spiel machen, „seinen“ Pokal verteidigen. Wer Tim Wiese im vergangenen Jahr nach dem 1:0-Finalsieg über Bayer Leverkusen erlebt hat, musste den Eindruck gewinnen, dass der 28-Jährige den „Pott“ als persönlichen Besitz betrachtet und nie wieder hergeben will. Er rannte mit der Trophäe durch das Olympiastadion, jubelte wie kein anderer, war besessen vom Glück. Logisch, denn sein erstes Finale hatte Wiese verloren, das zweite gewonnen. 2003 stand er zwischen den Pfosten des 1. FC Kaiserslautern, der mit 1:3 unterlag. Gegner damals wie am Samstag: Bayern München.

Außenseiter damals wie am Samstag: Tim Wiese. „Natürlich sind die Bayern der Favorit“, meinte er und fügte mit einem Unterton, der Neid und Bewunderung vereinte, an: „Wenn man mal eben 65 Millionen Euro oder wie viel auch immer in die Mannschaft investieren kann, muss man der Favorit sein.“

Geld schießt Tore – diese Regel außer Kraft zu setzen, dafür ist jedoch Tim Wiese da. 90 Minuten lang, 120 Minuten lang – und wenn’s sein muss auch im Elfmeter-Showdown. So, wie im vergangenen Jahr im Halbfinale gegen den Hamburger SV. Mit drei abgewehrten HSV-Versuchen gründete Wiese seine Reputation als Elfmeter-Killer. Und diesen sehr kleidsamen Ruf mit weiteren Großtaten zu befeuern, wäre ihm am Samstag eine diebische Freude. „Wenn’s zum Elfmeterschießen kommt, werde ich da sein. Ich denke, ich bin gut drauf“, verspricht der Werder-Keeper, der keine Datenbank über die Schützen braucht, keinen Zettel im Stutzen wie einst Jens Lehmann. „Ich habe das Meiste im Kopf, der Rest ist Instinkt“, sagte er.

Selbst anlaufen würde er übrigens auch – aber nur wenn’s unbedingt sein müsste. Wiese: „Vielleicht als elfter Schütze, wenn alle anderen schon dran waren.“

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