WM-Aus für Frings: „Das kommt nicht überraschend“

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Bundestrainer Joachim Löw (rechts) teilte Torsten Frings gestern mit, dass er für die WM in Südafrika nicht mit ihm plant.  

Werder Bremen - Von Carsten Sander · Nach elf zähen Monaten der Ungewissheit dauerte es nur knappe fünf Minuten, bis Torsten Frings endlich wusste, woran er ist. Bundestrainer Joachim Löw teilte dem Werder-Kapitän gestern während einer kurzen Unterredung im Bremer Park-Hotel mit, dass er für die WM in Südafrika nicht mit ihm plant. Nach 79 Länderspielen ist die Nationalmannschaftskarriere des 33 Jahre alten Frings beendet.

Für eine Stellungnahme war der Bremer gestern nicht zu erreichen. Er äußerte sich lediglich in einer Pressemitteilung. „Dieser Schritt kommt für mich jetzt nicht völlig überraschend“, erklärte Frings darin: „Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat. Mir bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw. Ich glaube, dass ich immer noch das Potenzial habe, starke Leistungen bei einer WM abzuliefern. Und ich werde das weiterhin in der Bundesliga unter Beweis stellen.“

Nach dem Training am Vormittag traf sich Frings mit Löw und dessen Assistenten Hansi Flick. In zerrissenen Jeans fuhr er ins noble Park-Hotel, als Ex-Nationalspieler kam er wieder heraus. Joachim Löw will ihn nicht mehr – aus Gründen, die der Bundestrainer wie folgt beschrieb: „Wir haben in unserem erweiterten Kader viele junge Spieler, die unsere Anforderungen erfüllen und die sehr gute Perspektiven über die WM 2010 hinaus haben. Gerade jüngere Spieler wollen wir jetzt an das internationale Spitzenniveau heranführen, weil wir von ihnen überzeugt sind und für ihre sportliche Weiterentwicklung eine große Verantwortung tragen.“ Mit anderen Worten: Mit 33 Jahren ist Frings zu alt für die WM und zu alt für die Zukunft.

Das hatte der Vize-Weltmeister von 2002 vor eineinhalb Jahren im Grunde genau so gesehen. Nach dem verlorenen Finale bei der EM 2008 (0:1 gegen Spanien) wollte Torsten Frings bereits aus dem DFB-Team zurücktreten. Trotz eines Streits zwischen Trainer und Spieler um Taktik und Aufstellung während des Turniers überredete Löw den Bremer jedoch, weiterzumachen.

Was folgte, war aber nicht von Wertschätzung für Frings geprägt, sondern eine schleichende Degradierung. Im Herbst 2008 nominierte Löw den Routinier noch, ohne ihn spielen zu lassen. Im Februar 2009 durfte Frings gegen Norwegen (0:1) sogar noch mal ran – dann war Schluss. Das Aus stand fest, nur verkündet wurde es nicht. Frings hoffte, Löw schwieg. Bis gestern. Die Entscheidung habe er sich „nicht leicht gemacht“, sagte der 49-Jährige, der angab, es Frings „schuldig“ gewesen zu sein, ihn persönlich in Kenntnis zu setzen: „Weil er über viele Jahre ein wichtiger Leistungsträger in der Nationalmannschaft war.“

Torsten Frings hatte zuletzt mehrfach angedeutet, dass seine Ausbootung nicht nur sportliche Gründe habe. „Ich bin in den Augen des Bundestrainers wohl ein ganz spezieller Fall“, hatte er im Werder-Trainingslager in Dubai gesagt und die WM betreffend bereits resigniert: „Wenn er meint, dass er auf jüngere Spieler setzen will, soll er das machen.“

Und so macht es Joachim Löw jetzt auch. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs bezeichnete den Verzicht auf Frings als „eine enttäuschende Entscheidung des Bundestrainers. Für uns ist und bleibt Torsten Frings ein entscheidender Spieler, der gerade aufgrund seiner großen internationalen Erfahrung sicher auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Nationalmannschaft spielen könnte.“

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