Kurioser SC Freiburg: Mehr Millionen auf der Bank als Punkte auf dem Konto

Wirtschaftlich gesund, sportlich rekonvaleszent

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Nicht gut genug, um zu gewinnen – so denkt Christian Streich derzeit über sein Team.

Werder-Bremen - Von Manfred BockFREIBURG · Um zu erfahren, wie Christian Streich wirklich tickt, reichen oft einfache Beobachtungen auf dem Trainingsplatz. Oder aber beiläufige Bemerkungen in einer Pressekonferenz.

Vor dem Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen hat der Cheftrainer des SC Freiburg nur am Rande geäußert, dass er Mensur Mujdza die Tage nach Bosnien-Herzegowina habe fahren lassen. Um die erste WM-Teilnahme eines geplagten Landes zu feiern. Dazu sollte man wissen: Der bosnische Nationalspieler Mujdza ist seit dem dritten Spieltag dauerverletzt, leidet an Knieproblemen, aber trotzdem hat Streich ihn nach Sarajevo geschickt. „So ein Erlebnis nehme ich niemandem.“

Wenn also ein Fußball-Lehrer wie Streich fortwährend von Respekt, Ehrlichkeit oder Offenheit redet, sind das keine Worthülsen. Sondern die Überzeugung eines 48-jährigen Strategen, der den Sportclub übernahm, als der vor knapp zwei Jahren landauf, landab abgeschrieben schien. Streich fühlte den Puls und erweckte den ganzen Verein wieder zum Leben. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass am Standort keine Unruhe aufkommt, obwohl der erste Bundesliga-Sieg der Saison noch fehlt und die Europa League erfolglos anlief. „Wir würden ja gern gewinnen“, sagt Streich, „aber bisher waren wir noch nicht gut genug dafür.“ Trotzdem darf der Trainer in aller Ruhe weiterarbeiten: Präsident Fritz Keller würde mit ihm auch in die zweite Liga gehen.

Immerhin: Die Breisgauer haben die Partien gegen Dortmund (0:5), Leverkusen (1:3) und Bayern (1:1) bereits hinter sich und gegen Frankfurt (1:1) zuletzt nicht wie ein Absteiger agiert. Und deswegen kündigt Streich fürs Gastspiel im Weserstadion („tolles Stadion, sehr dichte Atmosphäre“) an, sich nicht zu verstecken: „Wir wollen mutig die Stirn bieten.“ Angesprochen auf den Werdegang des SV Werder, holte der impulsive Mann ein bisschen aus: Ihm fiel ein, dass Bremen sich einst mit Milan duellierte, „das war aber eine andere Zeit“, wusste Streich, „dann hat nicht alles geklappt mit den Transfers.“ Gleichwohl, so das badische Bundesliga-Unikat, haben die Hanseaten noch etwas voraus. „Die haben dreimal 1:0 gewonnen – das haben wir noch gar nicht hingekriegt.“

Doch während Bremen nur zwei Leistungsträger vor Saisonbeginn zu ersetzen hatte (De Bruyne und Sokratis), sind es in Freiburg gleich fünf (Kruse, Rosenthal, Flum, Caligiuri und Makiadi) gewesen. Freiburg ist gewissermaßen im Wiederaufbau, stellt sich dabei jedoch mit unnötigen Platzverweisen und Eigentoren bisweilen selbst ein Bein. Doch zuletzt gab es auch erste gute Nachrichten. Bei der Jahresversammlung des Bundesliga-Vorletzten wurde bekannt, dass bei einem Umsatz von rund 50 Millionen Euro stolze 6,2 Millionen Gewinn erwirtschaftet wurden. Fünf Millionen werden für den Stadionneubau zurückgelegt, weshalb der SC augenblicklich mehr Millionen auf der Bank als Punkte auf dem Bundesliga-Konto (4) hat.

Die magere Ausbeute darf freilich niemanden überraschen. Denn das Freiburger Personal inklusive Trainerstab kostete 25 Millionen Euro – mit diesem Budget liegen die Freiburger ungefähr dort, wo sie in der Tabelle stehen.

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