Nachdenklichkeit nach dem Tod von Robert Enke / Schaaf rät seinen Spielern: „Achtet aufeinander“

„Wir trauern mit“

Werder-Bremen - Von Carsten SanderBREMEN · Die Gruppe Schulkinder diesseits des Zauns lärmte fröhlich vor sich hin. Von den kleinen Autogrammjägern konnte keiner wissen, dass ihren Stars, die auf der anderen Seite der Abgrenzung versuchten, ihren Trainingsalltag zu leben, nicht nach Späßen zu Mute war. Die Nachricht vom Tod Robert Enkes hat auch Werder Bremen tief erschüttert. „Wir alle sind bestürzt über das Schicksal von Robert Enke“, sagte Club-Chef Klaus Allofs und würdigte den Nationaltorwart von Hannover 96 als einen „außergewöhnlichen Fußballer“.

Die wenigen Spieler, die derzeit nicht verletzt oder in Sachen Nationalmannschaft unterwegs sind, hatten keine Freude an ihrer Arbeit. Es sei schwierig, die Gefühle zu beschreiben, meinte Clemens Fritz, der mit Robert Enke in der Nationalmannschaft gespielt hat: „Wir sind alle fassungslos und schockiert. Wir trauern mit.“ Dass der DFB-Kollege in den Tod gegangen ist, kam für Fritz so überraschend wie für alle anderen auch. Nie habe er vermutet oder geahnt, dass Robert Enke („Ein hervorragender Mensch“) an schweren Depressionen litt. „Daran sieht man“, formulierte Fritz eine bekannte, aber bitter-aktuelle Wahrheit, „dass man nicht hinter die Fassade eines Menschen blicken kann.“

Exakt dieser Punkt ist es, der Trainer Thomas Schaaf über das „absolut tragische Ereignis“ hinaus nachdenklich stimmt. Wieso hat sich Enke niemandem in seinem beruflichen Umfeld anvertraut, wieso hat niemand erkannt, wie krank er war? Diese Fragen bewegen den Trainer. Und sie veranlassten ihn gestern Morgen vor dem Training zu einer Ansprache an seine Spieler. Schaaf: „Ich habe ihnen gesagt, scheut euch nicht, jemandem zu helfen! Scheut euch nicht, Hilfe zu suchen! Achtet aufeinander!“

n„Für Schwäche

nist kein Platz“

Appelle, die kein Vorwurf an irgendwen sein sollen, sondern als Hinweis gedacht sind. Denn Schaaf, seit 31 Jahren ein Teil des Geschäfts, sieht sehr wohl die Gefahren, die der Profi-Fußball in sich birgt: „Unser Bild in der Öffentlichkeit ist so, dass wir immer stark sein müssen. Für Schwäche ist in dieser Gesellschaft kein Platz.“ Verlangt würden „Stärke, Tatkraft, Überzeugung – das sind die Kennzeichen, die unser Metier bestimmen“, sagte der Werder-Coach. Eine körperliche, aber auch eine mentale Mühle. Und nicht jeder hält ihr stand.

Bei Robert Enke traten lange vor dem Tod der Tochter erste Depressionen auf. Sein Arzt stellte schon 2003 Versagensängste fest. Eine Folge des Drucks, dem ein Fußball-Profi ausgesetzt ist? Speziell ein Torwart, der besonders im Blickpunkt steht?

Anzunehmen ist das. Thomas Schaaf möchte aber nicht spekulieren. Möchte auch nicht allein den Tod von Robert Enke zum Anlass nehmen, um über die Schattenseiten unserer Zeit oder seines Arbeitsbereichs zu philosophieren. „Weil Robert Enke in der Öffentlichkeit stand, bekommt sein Tod eine hohe Aufmerksamkeit. Aber schauen wir doch raus in unsere Welt! Es passiert viel zu oft, dass sich Menschen das Leben nehmen“, sagte Schaaf. Für ihn und seine Arbeit als Chefcoach einer Bundesliga-Mannschaft ist deshalb klar: „Wir sollten das Thema bearbeiten, wir müssen darüber sprechen.“

Vorerst ist das aber nur in kleinem Rahmen möglich. Zu viele Spieler sind derzeit abwesend. Die fünf deutschen Nationalspieler Per Mertesacker, Mesut Özil, Tim Wiese, Marko Marin und Aaron Hunt kehrten gestern nach der Absage des Länderspiels gegen Chile zwar nach Bremen zurück, aber ob sie bis zur erneuten Zusammenkunft der DFB-Elf am Sonntag auch trainieren werden, ist noch offen. Thomas Schaaf will erst mit jedem sprechen, in jeden reinlauschen, wie stark ihn der Freitod von Robert Enke mitnimmt: „Dann werden wir entscheiden, wer trainiert.“

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