Werder-Gegner Braunschweig gilt als sicherer Absteiger, doch Sportchef Marc Arnold sieht es anders

„Wir sind voll im Rennen“

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Marc Arnold, Sportlicher Leiter bei Eintracht Braunschweig, hat am Sonntag ein klares Ziel: Er will Werder wieder mit in den Abstiegsschlamassel reißen. ·

Braunschweig - Marc Arnold ist eine Rarität unter den Bundesliga-Managern. Noch nie hat der Sportliche Leiter von Eintracht Braunschweig eine Million Euro oder mehr für einen neuen Spieler ausgeben. Und dennoch hat es der Ex-Profi (u.a. Borussia Dortmund, Hertha BSC) geschafft, in fünf Jahren seit seinem Amtsantritt 2008 einen maroden Drittligisten in ein Erstliga-Team zu verwandeln.

Doch nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer droht der direkte Wiederabstieg. Mit nur elf Punkten ist die Eintracht zur Saison-Halbzeit Tabellenletzter in der Bundesliga. Am Sonntag starten die Niedersachsen mit der Partie bei Werder Bremen in die Rückrunde, und Arnold (43) spricht im Interview über die Chancen und Perspektiven der Eintracht.

Nur elf Punkte nach 17 Partien – ist die Eintracht noch zu retten, Herr Arnold?

Marc Arnold: Klar ist, dass wir uns in der Rückrunde steigern müssen. Nochmal nur elf Punkte zu holen, wird am Ende nicht für den Klassenerhalt reichen.

Halten Sie diese Steigerung für möglich?

Arnold:Durchaus. Zunächst haben wir eine Zeitlang gebraucht, um in der Liga anzukommen. Aber dieser Prozess ist aus meiner Sicht längst abgeschlossen. Im Herbst haben wir schon gesehen, welche Entwicklung die Mannschaft nimmt. Jetzt haben wir eine gute Vorbereitung absolviert, mit guten Testspielergebnissen (Braunschweig besiegte Heracles Almelo und den FC Basel jeweils mit 1:0, unterlag dem SC Freiburg 0:2 und verlor das Finale des Düsseldorfer Wintercups gegen Bayer Leverkusen mit 0:1, d. Red.). Ich glaube deshalb, dass in der Rückrunde eine deutliche Steigerung möglich ist.

Wie wichtig wird der Start in Bremen?

Arnold:Grundsätzlich gehört ein guter Start dazu – dann könnten wir die positive Stimmung, die wir mit dem Sieg über Hoffenheim am Ende der Hinrunde (1:0, d. Red.) geschaffen haben, mit in die Rückrunde nehmen. Ein Erfolgserlebnis in Bremen würde das noch zusätzlich befeuern. Aber wenn es nicht klappen sollte, wäre der Abstieg für uns auch nicht besiegelt. Dann bleiben immer noch 16 Spiele.

Zählt Werder für Sie zu den Gegnern, gegen die gepunktet werden muss? Viele Chancen dürfen Sie schließlich nicht mehr liegen lassen.

Arnold:Die Bremer haben 19 Punkte – das sieht auf den ersten Blick relativ viel aus gegenüber den elf, die wir haben. Aber mit einem Sieg, den wir logischerweise anstreben, könnten wir…

…die Bremer gleich wieder mit in den Schlamassel ziehen.

Arnold:Im Moment ist die Gruppe der Mannschaften, die unten drin stehen, überschaubar. Da sind wir, Nürnberg, Freiburg, Frankfurt – dann gibt es schon einen kleinen Bruch zu den Teams mit 18, 19 Punkten. Aber auch für die besteht noch die Gefahr, da unten mit reinzurutschen.

Sehen Sie sich im Abstiegskampf als Außenseiter?

Arnold:Was mir bei dieser Diskussion immer etwas untergeht, ist, dass es für uns nur drei Punkte bis zum Relegationsplatz (derzeit Freiburg mit 14 Zählern, d. Red.) sind. Wir kommen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit immer etwas seltsam weg. Dabei sind wir voll im Rennen. Wir müssen auch keine Aufholjagd starten, wie manche glauben. Darüber könnten wir sprechen, wenn es acht Punkte Rückstand wären, aber doch nicht bei drei Punkten.

Was würde der direkte Wiederabstieg für den Verein bedeuten? Wäre Ihre Aufbauarbeit der vergangenen Jahre damit zerstört?

Arnold:Auf keinen Fall. Ein Abstieg würde bei uns zu keinem Genickbruch führen. Unser Aufstieg im vergangenen Jahr war zwar verdient, aber nicht eingeplant. Wenn wir also in der kommenden Saison wieder in der Zweiten Liga spielen sollten, werden wir dies mit weiter gewachsenen Strukturen machen. Wir sind für die Zukunft sehr gut aufgestellt.

Im Falle des Falles hieße das also: Weitermachen wie bisher?

Arnold:Absolut!

Auch mit Ihnen?

Arnold:Natürlich. Ich habe meinen Vertrag unlängst erst bis 2017 verlängert. Daran halte ich mich.

Und auch mit Trainer Torsten Lieberknecht? Angebote für ihn werden möglicherweise kommen. Er war bei Werder schon einer der Kandidaten auf die Nachfolge von Thomas Schaaf.

Arnold:Dass seine erfolgreiche Arbeit bemerkt wird, ist doch logisch. Ich habe das Bremer Interesse damals registriert, sah aber nicht die ganz große Gefahr, dass uns Torsten verlassen würde. Dafür identifiziert er sich viel zu sehr mit Eintracht Braunschweig und steht wie kein anderer für die Entwicklung des Clubs.

Dennoch: Nach der 0:4-Niederlage gegen Stuttgart hatte Lieberknecht Rücktritts-andeutungen gemacht.

Arnold:Es spricht doch für ihn, dass er auch sich hinterfragt und nicht nur andere kritisiert. Das war ein Ansatz zur Selbstreflektion, der hohe Wellen geschlagen hat. Aber ich war ja nahe dran und hatte nicht die Befürchtung, dass er zurücktreten würde. Auch er hat noch einen Vertrag für die kommende Saison. Von daher wird es auch mit ihm weitergehen.

In vielen anderen Clubs wäre ein Trainer nach einer Hinrunde mit elf Punkten mindestens in der Kritik, wenn nicht schon längst entlassen.

Arnold:Und in Braunschweig ist eben vieles anders. Der Unterschied ist, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

Welche waren das?

Arnold:Als Beispiel nenne ich mal die Saison 2006/07, es war das Abstiegsjahr aus der Zweiten Liga. Die Eintracht hatte fünf Trainer in einer Saison, vier Manager und hat in der Winterpause zehn neue Spieler geholt. So etwas kann niemals von Erfolg gekrönt sein. Und so etwas wird es hier nie wieder geben. Der Verein stand damals wirtschaftlich am Abgrund, war fast ruiniert. Wir haben uns dann gesagt, dass wir den Club über Kontinuität und ruhige Arbeit aufbauen wollen.

Haben Sie auch deshalb in der Winterpause in dem von Red Bull Salzburg ausgeliehenen norwegischen Stürmer Havard Nielsen (20) nur eine Verstärkung geholt?

Arnold:Bloß weil man unten steht, muss man nicht zwangsläufig neue Spieler verpflichten. Wir sind überzeugt, dass uns Havard Nielsen weiterhelfen wird. Wir haben aber auch großes Vertrauen in unseren Kader, in unsere Jungs. Das ist eine gewachsene Gruppe an Spielern, die schon viele Jahre bei uns sind und ein hohes Maß an Identifikation für den Verein haben. Allein deshalb werden sie alles dafür tun, dass wir in der ersten Bundesliga bleiben.

Nicht weit entfernt von Braunschweig existiert ein Verein, der ganz anders funktioniert als die Eintracht. Ihr Nachbar VfL Wolfsburg hat mal eben 20 Millionen Euro für Kevin De Bruyne hingeblättert. Sie dagegen haben bei Transfers noch nie die Millionengrenze überschritten. Fühlen Sie sich bei diesem Vergleich überhaupt wie ein Club aus der gleichen Liga?

Arnold:Doch, schon. Der beste Beweis ist ja, dass wir das Hinspiel gegen Wolfsburg mit 2:0 gewonnen haben. Punktuell ist also viel möglich. Andererseits: Bayern München hat einen Jahresumsatz von 420 Millionen Euro, wir von 40 Millionen Euro – da kann man eigentlich nicht mehr von einer Liga sprechen. Aber wir haben uns sportlich für diese Spielklasse qualifiziert. Und jetzt werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten das Beste daraus machen. · csa

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