Double-Kapitän Baumann

„Wir sind noch nicht im Jahr 2003 angekommen“

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Das T-Shirt zum Doubiläum – Frank Baumann hat es bereits. ·

Bremen - Erst reckte er die Meisterschale in den Himmel, dann wenige Wochen später den DFB-Pokal: Frank Baumann war 2004 als Kapitän Werders Trophäen-Empfänger. Doch für die große Show sorgten andere.

So wird es auch heute sein, wenn die Double-Helden in der Halbzeitpause des Bundesliga-Spiels gegen Hertha BSC im Weserstadion geehrt und gefeiert werden. Baumann, der inzwischen als Direktor Profifußball und Scouting bei Werder arbeitet, ist eher ein stiller Genießer. Der 38-Jährige freut sich zwar auf das Wiedersehen mit dem Erfolgsteam, rechnet aber nicht mit einer großen Sause. Er glaubt auch nicht, dass das Double sein Leben verändert hat – und ist skeptisch, ob Werder so eine Leistung noch einmal wiederholen kann.

Herr Baumann, Sie haben die Double-Helden zusammengetrommelt. Wie schwierig war es, alle Ex-Kollegen aufzutreiben?

Frank Baumann:Ganz ehrlich, ich war zwar im Orga-Team für diese Geschichte, aber nur am Anfang. Die Einladungen hat der Verein verschickt. Bei den meisten Spielern war das mit der Adresse auch gar nicht so schwierig – und für die anderen hatten wir gute Kontakte. Die Fußball-Welt ist doch relativ klein.

So klein aber auch nicht. Stimmt es, dass Angelos Charisteas extra aus Australien kommt, wo er jetzt spielt?

Baumann:So habe ich das auch gehört. Echt klasse, dass „Harry“ das extra macht.

Einige Helden werden nicht da sein, weil sie selbst noch im Einsatz sind. Wen werden Sie am meisten vermissen?

Baumann:Eigentlich will ich da gar keinen hervorheben. Es ist wirklich schade, dass nicht alle da sein können. Es sind ja nicht nur Spieler, die fehlen, sondern auch Klaus Allofs. Aber so ist das nun einmal bei so einem Termin.

Hätten Sie sich einen anderen Termin gewünscht?

Baumann:Nein, es ist doch eine schöne Tradition, so etwas bei einem Heimspiel in einem vollen Weserstadion zu machen. Es gibt keinen Termin, an dem alle können.

Auf wen freuen Sie sich am meisten?

Baumann:Ich freue mich auf das Zusammenkommen – nicht nur mit den Ex-Kollegen, sondern auch mit den Betreuern und den vielen anderen, die damals dazugehört haben. Viele habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Da werden schon einige Erinnerungen hochkommen.

Am Abend geht es dann wie vor zehn Jahren nach dem vorzeitigen Titelgewinn bei den Bayern ins „Loft“ am Hauptbahnhof – wird da dann genauso abgefeiert wie damals?

Baumann:Das glaube ich eher nicht. Das war damals schon eine ganz besondere Situation. Da gab es richtig was zu feiern. Wir sind ruhiger geworden, aber auch so wird es ein schöner Abend.

Werder war damals überhaupt kein Titelkandidat – wie haben Sie und Ihre Kollegen das eigentlich gemacht mit dem Double?

Baumann:Das kann man schwer beschreiben. Mit uns hat wirklich keiner gerechnet. Es hat auch nichts darauf hingedeutet, dass wir plötzlich diese Dominanz, diese fußballerische Überzeugung hatten. Es hat einfach alles gepasst. Die Neuzugänge, die Zusammenstellung der Mannschaft. Wir haben uns alle gut verstanden, trotzdem war da nicht immer eitel Sonnenschein in der Kabine, weil wir alle total erfolgsorientiert waren.

Ist so etwas in der heutigen Zeit mit den großen finanziellen Unterschieden in der Bundesliga noch möglich?

Baumann:Natürlich. Bei den Dortmundern war es doch 2011 ähnlich, die haben auch überrascht und sich damit die Erfolge für die nächsten Jahre gesichert.

Hat Werder auch diese Chance?

Baumann:Wir sollten jetzt nicht über den zweiten, dritten oder vierten Schritt sprechen. Vor dem Double hatten wir hier auch ein paar turbulente Jahre – und unter Thomas Schaaf und Klaus Allofs musste die Mannschaft auch erst wachsen. Ich würde sagen: Wir sind noch nicht im Jahr 2003 angekommen, sondern eher 2000 oder 2001. Man hat noch einen Weg vor sich, darauf sollte man sich besinnen.

Das ist gar nicht so einfach, wenn die Fans die Double-Helden von 2004 feiern – werden da nicht Begehrlichkeiten geweckt?

Baumann:Nein, die Fans können das trennen. Sie sind keine Träumer. Das zeigt sich doch in ihrer Unterstützung in all den Jahren – und natürlich besonders in dieser Saison.

Zurück zum Double: Haben Sie noch Erinnerungsstücke zu Hause?

Baumann:Wir haben alle eine Schale und einen Pokal in Miniaturgröße bekommen. Irgendwo müssen die noch sein, genauso wie die Medaillen. Und ein Trikot habe ich – glaube ich – auch noch. Aber ich bin nun wirklich niemand, der sich einen Schrein baut, um diese Dinge auszustellen.

Denken Sie noch oft an diese Zeit?

Baumann:Im Moment natürlich schon. Aber sonst eigentlich nicht. Klar, es ist etwas Außergewöhnliches. Aber es ist eben auch schon Vergangenheit.

Wie sehr hat das Double Ihr Leben beeinflusst?

Baumann:Für mich hat sich dadurch nichts verändert. Für Werder schon. Okay, vielleicht hätte es mich noch einmal woanders hinverschlagen, wenn ich hier keine Titel gewonnen hätte. Andere Spieler haben das ja vorher gemacht.

Sie sind geblieben – und durften als Kapitän Meisterschale und Pokal entgegennehmen. Ein bisschen stolz muss Sie das aber schon machen, oder?

Baumann:Ein bisschen vielleicht. Natürlich war es schön, das zu erleben, da oben zu stehen und als Erster die Schale und den Pokal zu bekommen. Aber darauf bilde ich mir nichts ein. Wir waren eine tolle Mannschaft, das ist viel wichtiger. · kni

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