Werder-Boss Allofs wehrt sich gegen Brutalo-Image, fordert aber auch mehr Disziplin vom Team

„Wir sind keine Tretertruppe“

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Der Nächste, bitte! Aaron Hunt sah in München als dritter Werder-Spieler in dieser Saison die Rote Karte.

Bremen - Klaus Allofs hat sich gestern so richtig geärgert – und das ausgerechnet an seinem 55. Geburtstag. Denn es passte dem Boss des SV Werder überhaupt nicht, dass seine Mannschaft nach der 1:4-Pleite beim FC Bayern von einigen Medien in die Schämecke für brutale Fußball-Teams geschickt wurde.

„SV Widerlich“ hieß es auf dem Boulevard, „Werder Brutal“ in der Agentur. „Wir sind keine Tretertruppe“, hielt Allofs nun dagegen. Wohl wissend, dass Werder in der Fairness-Tabelle im dunklen Keller steht: „Die Statistik wird schon stimmen, aber wir sind nicht landesweit dafür bekannt, zu provozieren und zu treten.“

Zwei Szenen hatten den eigentlich guten Ruf der Bremer in München beschädigt: Der nicht geahndete Ellbogencheck von Claudio Pizarro gegen Holger Badstuber und der Platzverweis von Aaron Hunt nach fiesem Tritt gegen Toni Kroos. „Natürlich heißen wir so etwas nicht gut“, meinte Allofs zur Aktion von Hunt. Ob es eine vereinsinterne (Geld-)Strafe geben werde, ließ der Clubchef offen. Zunächst wollte er mit dem Betroffenen sprechen – und nicht nur mit dem. „Das Thema Disziplin wird in dieser Woche eine wichtige Rolle bei uns spielen“, kündigte Allofs an: „Wir können uns solche Undiszipliniertheiten einfach nicht leisten und uns nicht den Luxus erlauben, in Unterzahl zu spielen und längere Zeit auf wichtige Spieler zu verzichten.“

Vor Hunt hatte es in dieser Saison bereits Tim Wiese und Marko Arnautovic erwischt. Wiese fällt allerdings aus der „Brutalo“-Wertung, weil es sich in Nürnberg um eine Notbremse der sanfteren Art mit Festhalten handelte. Arnautovic hatte dagegen in Hannover gegen Sergio Pinto kräftig zugelangt und rücksichtslos den Fuß draufgehalten. Aus Frust, genauso wie Hunt. „Da haben einige bei uns ihre Nerven nicht im Griff. Daran müssen wir arbeiten“, forderte Allofs, stellte aber auch klar: „Sowohl Pinto als auch Kroos haben sich nicht schwer verletzt, das sollte man dabei auch nicht vergessen.“

Werder-Training am Dienstag

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Bedenken, dass Werders Image trotzdem leidet, hat der Ex-Profi nicht: „Ich mache mir eher Sorgen, dass wir uns weiter so naiv wie in München verhalten.“ Dort war Allofs das Bremer Zweikampfverhalten ein Dorn im Auge: „Wir müssen einfach lernen, uns an die Grenzen des Erlaubten heranzutasten – und das soll hier bitteschön nicht als Aufruf zum Foulspiel missverstanden werden.“ Die Bayern hätten es mit ihren zahlreichen taktischen Fouls doch vorgemacht und Schiedsrichter Florian Meyer, der Fouls zwar meistens pfiff, aber erst spät mit Gelben Karten ahndete, richtig eingeschätzt. „Das ist eine Qualität“, meinte Allofs und fügte noch an: „Wer ganz ohne Fouls auskommt, ist entweder ein Wundermann oder kein guter Fußballer.“

Als gutes Beispiel taugt dabei die Entstehung des ersten Münchner Treffers. David Alaba ließ Philipp Bargfrede im Zweikampf in der eigenen Hälfte abprallen und leitete dann Franck Riberys Tor ein. „Das wäre nicht gefallen, wenn Philipp einen Trikotzupfer gemacht hätte“, urteilte Allofs. Bargfredes Vor-Vorgänger Frank Baumann wäre Alaba gewiss nicht entwischt. Der Ehrenspielführer war berühmt für seine taktischen Fouls, die er mit einem „Das-habe-ich-nicht-gewollt-Blick“ garnierte und deshalb gerne ungestraft davonkam. Die braven Bremer eben, die nun ganz gewiss nicht böse geworden seien, wie Allofs an seinem 55. Geburtstag noch einmal hervorhob. · kni

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