HSV-Coach Fink im Interview

„Wir sind auf gleicher Höhe“

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Thorsten Fink freut sich auf das Nordderby gegen Werder: „Wir sind noch nicht besser, aber wir können das Spiel am Sonntag gewinnen.“

Bremen / Hamburg - Thorsten Fink ist erst seit anderthalb Jahren in Hamburg, doch eines weiß er längst. „Dieses Spiel gegen Werder ist hier etwas ganz Besonderes. Das spürt man in der Stadt“, sagt der Coach des Hamburger SV.

Am Sonntag (15.30 Uhr) steigt in der Imtech-Arena das 98. Nordderby. Dann geht‘s mal wieder um die Vorherrschaft im Norden. Wie er die aktuelle Situation der beiden Clubs bewertet, warum Rafael van der Vaart stark spielen wird und wieso Fußball-Profis durchaus mal überfordert sein können, das verrät der 45-jährige Fink im Interview.

Herr Fink, ist Ihnen als gebürtigem Dortmunder ein Herz aufgegangen, als der BVB am Samstag Werder aus dem Weserstadion geschossen hat?

Thorsten Fink:Nein, daran habe ich gar nicht gedacht. Ich habe mir das Spiel ganz normal als Bundesliga-Trainer angeschaut – natürlich noch etwas intensiver als sonst, weil wir am Sonntag gegen Werder spielen. Das Herz ist mir schon mal gar nicht aufgegangen, denn aus so einem 0:5 ist es für mich als Trainer gar nicht so einfach, bezüglich Werder Bremen die richtigen Schlüsse abzuleiten. Wir sollten deswegen nur auf uns schauen und auf dem Platz zeigen, dass wir gut drauf sind.

Marko Arnautovic hat den Bremern gegen Dortmund gefehlt. Kann er Werder gegen den HSV wieder in die Spur bringen?

Fink:Es steht außer Frage, dass er ein wichtiger Bestandteil der Bremer Mannschaft ist.

Hat der HSV überhaupt noch Respekt vor Werder, nachdem der Nordrivale nur noch Mittelmaß darstellt?

Fink:Das ist vielleicht eine Frage. Natürlich hat man Respekt vor Werder Bremen! Das ist eine sehr gute Mannschaft. Sicherlich ist es eine junge Mannschaft. Es wurde einiges verändert. Das braucht seine Zeit. Aber Thomas Schaaf macht gute Arbeit, sonst wäre er als Trainer nicht schon so lange dort. Werder ist immer gefährlich – das wissen wir.

Schaut man da als Trainer immer etwas neidisch nach Bremen, weil der Coach dort viel mehr Zeit als anderswo bekommt?

Fink:Ich habe ja gesagt, dass dort gut gearbeitet wird. Dazu gehört, dass man einem Trainer Zeit gibt. Aber dazu gehört auch ein guter Trainer. Den hat Werder. Hier in Hamburg sind wir aber auch auf einem guten Wege. Ich bin ja auch schon anderthalb Jahre hier – und das ist für Hamburg nicht selbstverständlich. Ich habe ein gutes Gefühl, weil hier im Team gearbeitet wird.

Haben Sie in Ihrer HSV-Zeit schon herausgefunden, warum es der Club trotz der eigentlich sehr guten Voraussetzungen einer Millionen-Metropole nicht schafft, dauerhaft in der Bundesliga-Spitze mitzumischen?

Fink:In die Spitzengruppe kommt man nicht von heute auf morgen, das braucht viel Arbeit. Wir haben eine junge Mannschaft, bauen seit anderthalb Jahren den Kader auf. Das kann ein bisschen dauern. Früher hat man dem Trainer hier nicht immer die nötige Zeit gegeben. Jetzt ist das anders, man hat Vertrauen zum Trainer. Das spüre ich. Das ist auch wichtig. Das lässt sich als Trainer natürlich gut sagen, aber davon bin ich überzeugt. Wenn man den Trainer hier zwei, drei Jahre arbeiten lässt, dann können wir auch wieder in obere Tabellenregionen kommen. Im Moment geht das noch nicht, da müssen wir uns noch einiges erarbeiten.

Werder befindet sich seit Sommer ebenfalls im Umbruch – ist der HSV schon einen Schritt weiter?

Fink:Einen Claudio Pizarro muss man erst einmal ersetzen. Das war ein wichtiger Spieler für Werder, der hat die entscheidenden Tore gemacht. Aber Thomas Schaaf wird das schon hinkriegen. Ich denke nicht, dass wir schon eine Stufe weiter sind, wir sind eher auf gleicher Höhe. Für uns ist die Situation aber positiver, weil Bremen lange Zeit vor uns war...

. . . und der HSV den SV Werder nun eingeholt und sogar überholt hat.

Fink:Ich würde sagen, wir haben aufgeholt. Wir sind noch nicht besser, aber wir können das Spiel am Sonntag gewinnen.

Werder hat in Thomas Eichin einen Eishockey-Manager verpflichtet. Haben Sie auch schon bei den Hamburg Freezers nach Verstärkungen Ausschau gehalten?

Fink:Nein, ich suche keinen Manager – und Eishockey-Spieler kann ich auch nicht gebrauchen. Thomas Eichin ist ein bekannter Bundesliga-Spieler, der sich hervorragend auskennt. Werder wird da schon das Richtige gemacht haben. Außerdem ist Eishockey doch eine sehr interessante Sportart, von der man sich durchaus etwas abschauen kann.

Was?

Fink:Mir gefällt das Pressing, das gespielt wird, um den Gegner nicht aus dem Drittel herauskommen zu lassen. Da gibt es gute taktische Mittel, die man durchaus auf den Fußball übertragen kann.

Zurück zum Derby: Ist der HSV als Gastgeber Favorit?

Fink:Nein. Wir sind fast gleichauf in der Tabelle. Okay, wir spielen zu Hause, haben den zwölften Mann im Rücken – aber das ist nur ein leichter Vorteil.

Sie haben als Trainer noch nie gegen Werder gewonnen, Sportchef Frank Arnesen ebenfalls nicht und die Fans warten seit zwei Jahren auf einen Sieg: Wie wichtig ist dieses 98. Nordderby?

Fink:Ich habe ja auch erst zwei Mal gegen Werder gespielt. Ich bin mir sicher, dass ich als HSV-Trainer mit meiner Mannschaft auch gegen Werder gewinnen kann. Am besten natürlich schon am Sonntag.

Ihre Mannschaft ist beim 1:1 in Nürnberg holprig in die Rückrunde gestartet. Wird Ihre Mannschaft bereit fürs Derby sein?

Fink:Was heißt holprig? Wir haben schlecht angefangen. In der zweiten Halbzeit haben wir unseren Rhythmus gefunden, so gespielt, wie ich mir das vorstelle. Wir haben das Spiel total beherrscht. Meine Mannschaft ist in einer guten Spur. In der Hinrunde war uns Nürnberg noch klar überlegen. Ich sehe da eine klare Entwicklung, das stimmt mich als Trainer positiv.

Wie geht es Rafael van der Vaart?

Fink:Es wird von Spiel zu Spiel besser. Zum Privaten möchte ich mich gar nicht so sehr äußern. Es wirkt auf dem Platz nicht so, als würde ihn das großartig belasten.

In Bremen gab es in Diego auch mal einen Spieler, über den zeitweise mehr in der „Gala“ zu lesen war als im „kicker“ – wie schwierig ist für Sie als Trainer die öffentliche Diskussion zu den Eheproblemen der van der Vaarts?

Fink:Gar nicht schwierig. Es kommt auf den Spieler an. Rafael ist ein bodenständiger, guter Junge, der damit hervorragend umgeht. Er ist ein richtiger Mann und keine Memme. Wir wussten doch, wen wir da verpflichten, dass Rafael auch aufgrund der Prominenz seiner Frau in Deutschland viel in der Presse stehen wird. Diese Schlagzeilen wie jetzt wollten wir natürlich nicht. Aber es macht einen Verein auch interessanter, wenn man solche Spieler hat. Vorausgesetzt, sie bringen auf dem Platz auch Leistung. Das tut Rafael.

In Nürnberg gab es einige Plakate, auf denen die van der Vaarts fast schon beleidigt wurden. Wird damit der Bogen überspannt?

Fink:Ich habe das gar nicht mitbekommen. Das heiße ich natürlich nicht gut. Jeder, der so etwas schon mal mitgemacht hat, weiß, wie unangenehm das ist. Ein Bundesliga-Profi muss das trotzdem über sich ergehen lassen und seine Leistung bringen.

Thema Fans: DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat von den Profis gefordert, nicht mehr dort zu jubeln, wo Fans Bengalos abbrennen. Was halten Sie davon?

Fink:Ich hoffe, dass erst gar keine Bengalos brennen. Natürlich kann man die Spieler darauf hinweisen. Man muss aber langsam auch aufpassen, dass man sie nicht überfordert. Dass man jetzt auch noch darauf achten muss, wo man beim Torjubel hinläuft – ich weiß es nicht.

Das Nordderby wird von der Polizei immer als besonders gefährlich eingestuft. Legen Sie Ihren Spielern nahe, sich mit provokanten Äußerungen zum Gegner zurückzuhalten?

Fink:Nein, wir wollen vor Spielen sowieso nie eine große Klappe haben. Trotzdem werden wir selbstbewusst auftreten. Wir wollen Leistung zeigen, dafür müssen wir kein Öl ins Feuer gießen.

Wer wird am Ende der Saison die Nummer eins im Norden sein?

Fink:Wenn ich das wüsste, könnte ich ein reicher Mann werden. Ich wünsche mir natürlich, dass wir das sein werden. Werder und Hannover sind aber starke Konkurrenten – und Wolfsburg kommt jetzt auch noch.

Wird der Norden es nach Europa schaffen?

Fink:Ich gehe davon aus. Aber alle vier werden es wohl nicht schaffen. · kni

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