Marin erklärt, warum Wiese gehen darf, aber Pizarro nicht / Kommt Trapp?

„Wir legen mehr Wert auf den Verbleib von Claudio“

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Tim Wiese (rechts) hat seinen Abschied bereits verkündet – jetzt schauen alle ganz gespannt auf Claudio Pizarro, der sich noch nicht entschieden hat. ·

Bremen - Claudio Pizarro zieht verwundert die Augenbrauen hoch und jauchzt ein „Warum fragst du mich? Ich dachte, ich hätte mal Ruhe, weil ihr euch alle um Tim kümmern müsst.“

Gemeint ist Kollege Tim Wiese, der am Mittwochabend seinen Abschied vom SV Werder Bremen verkündet hatte. Wenig überraschend, denn der Club hatte nicht gerade auf eine Vertragsverlängerung gedrängt. Auf die Dienste eines Nationaltorwarts mag Werder also verzichten, aber Pizarro soll unbedingt bleiben. Doch hat der Torjäger überhaupt Lust dazu, wenn Stars wie Wiese gehen? Was bedeutet Wieses Weggang für Werder?

„Das bedeutet, dass nächste Saison ,Miele’ im Tor stehen wird“, lautet Pizarros simple Antwort mit dem netten Vertrauensbeweis für Ersatzmann Sebastian Mielitz. „So ist Fußball“, schob der 33-Jährige floskelnd hinterher. Natürlich bedauert auch der Peruaner Wieses Entscheidung – wie praktisch alle Profis. Doch von einer Signalwirkung, dass Werder nun alle Stars von der Fahne gehen, will zu diesem Zeitpunkt niemand etwas wissen. Marko Marin bringt es auf den Punkt: „Wir Spieler legen mehr Wert auf den Verbleib von Claudio. Das ist nichts gegen Tim, ganz und gar nicht. Tim ist sehr wichtig für uns. Aber die Torwartposition hat einen anderen Stellenwert als die Position eines Torjägers.“ Will heißen: Männer, die Tore verhindern, sind leichter zu beschaffen, als Männer, die Tore schießen.

Einen guten Schnapper hat Werder tatsächlich bereits in der Hinterhand: Sebastian Mielitz. 15 Mal war der 22-Jährige schon in der Bundesliga im Einsatz, zweimal auch in der Champions und einmal in der Europa League. „Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er das Zeug zur Nummer eins hat“, behauptet Klaus Allofs. Einen Freifahrtschein fürs Bremer Tor stellt der Clubchef dem Noch-Ersatzkeeper aber nicht aus: „Es wird einen Konkurrenzkampf geben, wir werden einen guten Torwart verpflichten.“

Die ehemalige Nummer zwei und jetzige drei, Christian Vander (31), ist aus dem Rennen. „Die Konstellation Mielitz/Vander wird es nicht geben“, stellt Allofs klar. Ob Vander Werder verlassen muss, lässt der Sportchef offen. Auch Vander will sich dazu nicht äußern.

Dafür gibt es interessante Äußerungen aus Kaiserslautern. FCK-Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz verriet dem „kicker“, dass Torwart Kevin Trapp die Pfälzer verlassen wird. Von einer festgeschriebenen Ablöse von 1,5 Millionen Euro ist die Rede – genauso wie von Werder als Interessenten. Der 21-Jährige (insgesamt 32 Bundesliga-Einsätze) hat gerade seinen Stammplatz an Tobias Sippel verloren. Auf die Frage, ob Trapp ein guter Torwart sei, antwortet Allofs nur scherzhaft: „Auch Michael Rensing ist ein guter Torwart.“ Es ist ein netter Versuch, um die Aufmerksamkeit auf das so wichtige Spiel in Köln zu lenken, wo besagter Rensing im Tor steht.

Dort geht es um die Rückkehr in die Eurozone. Doch in Bremen wird gerade viel langfristiger gedacht. Fans und Berichterstatter sorgen sich extrem um die Zukunft des Clubs, weil 13 Verträge auslaufen, zudem Naldo und Sokratis mit einem Wechsel liebäugeln und es noch keinen Neuzugang gibt. Immer häufiger fällt die so gefürchtete Bezeichnung „graue Maus“, die angeblich schon an der einst so strahlenden grünen Raute knabbert. „Der Weggang von Wiese bedeutet nicht, dass wir keine Ambitionen mehr haben“, wehrt sich Allofs und verspricht: „Wir werden wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben, die mindestens die Qualität und das Potenzial der jetzigen Mannschaft hat. Ob dass dann direkt klangvolle Namen sein werden, diese Beurteilung überlasse ich den Journalisten und den Zuschauern.“

Bei einem Pizarro in der Aufstellung gäbe es da bestimmt keine zwei Meinungen. Doch der Peruaner hat seinen bis 2013 laufenden Vertrag bereits zum Saisonende gekündigt und das Werder-Angebot über einen neuen Kontrakt bislang nicht angenommen. Vermutlich, weil die Bayern stark an einer Verpflichtung interessiert sind. „Wir bemühen uns, unsere Korsettstangen nicht komplett zu verlieren“, sagt Allofs und versucht, Zuversicht zu demonstrieren: „Wenn Korsettstangen wegfallen, bilden sich neue. Früher, als uns Spieler verlassen haben, hat es sich auch mal so angefühlt, als würde jetzt die Welt untergehen. Ist sie aber nicht – und so wird es auch diesmal sein.“ Für den Fall Wiese mag das stimmen, bei einem Abschied von Pizarro dürfte der Glaube daran wesentlich schwerer fallen. · kni

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