Für Pauli-Coach Stanislawski ist auch Werder noch nicht gerettet

„Wir haben den unbändigen Willen, die Klasse zu halten“

Holger Stanislawski

Von Malte Rehnert · Er ist der Thomas Schaaf von St. Pauli: Doch im Gegensatz zum Werder-Coach hat sich Holger Stanislawski gegen seine große Liebe entschieden – im Sommer wechselt er zu 1899 Hoffenheim.

Der Kiez weint, das Zittern um den Klassenerhalt hat eine noch tragischere Note bekommen. Wie Stanislawski mit der Situation umgeht, was der 41-Jährige heute im Abstiegskrimi gegen Werder vorhat und warum er so gerne ein Tässchen Kaffee genießt, verrät der Pauli-Trainer im Interview.

Herr Stanislawski, heute steigt das erste Pauli-Heimspiel nach Bekanntgabe Ihres Abschieds: Mit welchen Reaktionen der Fans rechnen Sie?

Stanislawski: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht – für mich steht erst einmal das Spiel im Vordergrund.

Wie froh sind Sie, dass es heute kein Geisterspiel geben wird?

Stanislawski:Wir sind natürlich sehr froh, dass die Strafe in dieser Saison nicht mehr ins Spielgeschehen eingreift. Wir spielen gegen den Abstieg, aus diesem Grund ist es enorm wichtig, die Fans im Rücken zu haben. Sie pushen das Team immer wieder nach vorne.

Wissen Sie noch, wie sich ein Sieg anfühlt? Der letzte war im Derby gegen den HSV vor über neun Wochen.

Stanislawski:So etwas vergisst man doch nicht. Und gegen Wolfsburg haben wir mit der guten Leistung und dem Punktgewinn wieder einen wichtigen und richtigen Schritt gemacht.

Warum schafft St. Pauli den Klassenerhalt? Und wie wichtig ist dafür ein Heimsieg gegen Werder?

Stanislawski:Wir bilden eine Einheit und haben diesen unbändigen Willen, die Klasse zu halten. Die Mannschaft arbeitet sehr hart, sowohl beim Training als auch am Spieltag – wir werden alles dafür geben, um die drei Punkte am Millerntor zu behalten. In dieser Phase der Saison ist jede Partie und jeder Punktgewinn wichtig.

Geraten die Bremer noch mal in Gefahr?

Stanislawski:In dieser Bundesliga-Saison ist ja einiges anders, als man es erwartet hat. Werder hat derzeit 35 Punkte, rein rechnerisch könnte es also noch einmal knapp werden.

Wie viel Wehmut verspüren Sie bereits? Und in welchen Situationen merken Sie, dass es bei St. Pauli bald vorbei ist?

Stanislawski:Das merke ich zum Beispiel an solchen Interviewfragen. (lacht) Ich hatte eine wirklich schöne Zeit auf St. Pauli und werde immer einen Teil des Vereins in meinem Herzen tragen. Aber für mich ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen.

Sie sind ein echter „Hamburger Jung‘“: Gibt es Bedenken, ob Sie sich fern Ihrer Heimat wohlfühlen – und ob es funktioniert, unter ganz anderen Bedingungen als Coach zu arbeiten?

Stanislawski:Nein, ich bin ja nicht jemand, der hier in Hamburg ständig das kulturelle Überangebot nutzt. Ich bin froh, wenn ich in meiner wenigen freien Zeit im Grünen sein kann, mit einem Tässchen Kaffee und einem Stück Kuchen . . .

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