0:3 – steht Schaaf Werder im Weg?

„Wir haben die Schnauze voll“

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FRUST IN seiner reinsten Form: Marko Arnautovic (kniend neben Philipp Bargfrede) traf aus einem Meter das leere Tor nicht. Es wäre das 1:2 aus Bremer Sicht gewesen – und wahrscheinlich ein Signal zur Aufholjagd.

Bremen - Es wird immer schlimmer – nur in der Tabelle nicht: Obwohl der SV Werder gestern eine schmerzhafte 0:3 (0:2)-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg kassierte, ist die Situation im Abstiegskampf nicht schlechter geworden. Weil auch die Konkurrenz im Keller allesamt verlor, beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz (Augsburg) weiterhin fünf Punkte.

Trotzdem herrscht nach dem neunten sieglosen Spiel in Folge Alarmstimmung: Denn in dieser Verfassung holt Werder keinen Punkt mehr – und deshalb kocht die Fanseele wie selten zuvor.

Thomas Schaaf hatte seine Mannschaft „im wichtigsten Spiel des Jahres“ (offizielle Facebookseite von Werder) ziemlich umgestellt. Hinten links verteidigte Sokratis – eigentlich Bremens bester im Abwehrzentrum. Und auf eine echte Sturmspitze verzichtete Schaaf, er setzte vorne auf eine Viererkette – und Nils Petersen nach seiner Magen-Darm-Grippe zu Beginn der Woche auf die Bank.

Zunächst stand allerdings ein ganz anderer Bremer – sorry, Ex-Bremer – im Mittelpunkt. Naldo wurde im Gegensatz zu Manager Klaus Allofs vor der Partie nachträglich verabschiedet. Der Brasilianer war im Sommer nach sieben Jahren in der Hansestadt nach Wolfsburg gewechselt. Beim „Na-Na-Na-Naldo“ von Stadionsprecher Arnd Zeigler kam mit der Erinnerung an viel, viel schönere Werder-Zeiten jede Menge Wehmut auf. Und so sollte es weitergehen…

Die Gastgeber überstanden zwar endlich mal eine Anfangsphase schadlos, doch als dieses Trauma überwunden war, ließ Kevin De Bruyne den jungen Maximilan Arnold einfach laufen und per Flachschuss aus 18 Metern das 1:0 erzielen (13.). Ein Schock!

Bei Bremen ging nach vorne gar nichts zusammen. Der einzige Werder-Torschuss landete im Zillertal – der Schriftzug des Tourismusverbandes aus Österreich ist übrigens Nahe der Eckfahne angebracht … (20.).

Trotzdem gaben die Werder-Fans im mit 41 000 Zuschauern ausverkauften Weserstadion nicht auf, feuerten ihr Team lautstark an, bis mittendrin Ivica Olic Keeper Sebastian Mielitz umkurvte und zum 2:0 vollendete (27.). Zuvor hatte Vieirinha Aushilfsaußen Sokratis ganz alt aussehen lassen und dann einen perfekten Pass auf Olic gespielt.

Werder verliert gegen Wolfsburg 0:3

Viele Bremer Zuschauer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen, sie brüllten ihre ganze Wut Richtung Spielfeld oder pfiffen so laut sie konnten. Eine furchterregende Stimmung, die in eine Stille mündete, die ganz viel von Kapitulation hatte.

Schaaf reagierte, nahm Prödl vom Platz (33.). Der Österreicher hatte Olic vor dem 0:2 davonziehen lassen. Es kam Petersen – die derzeit einzige einsatzbereite Sturmspitze im Kader. Doch gefährlicher wurden die Hausherren deshalb nicht. Da klang es wie Hohn, als Stadionsprecher Christian Stoll einen Zuschauer im Block 46 ausdrücklich darum bat, VfL-Keeper Diego Benaglio nicht mehr mit einem Laserpointer zu stören. Ja wobei denn, bitteschön!?

Mit einem Pfeifkonzert wurde Werder in die Pause verabschiedet – und kam wesentlich schneller zurück als die Gäste. Es sollte das Signal zur Aufholjagd sein. Und Marko Arnautovic hätte bald Fakten schaffen können, nein, müssen. Seinem Abseitstor (49.) folgte das Kunststück, einen Flankenball von De Bruyne aus einem Meter neben das leere Tor zu setzen (58.). Unfassbar!

Immerhin: Werder kämpfte sich nun nach vorne. Inzwischen auch mit Özkan Yildirim, der für Bargfrede aufs Feld kam (59.). Doch der mit Beifall begrüßte Youngster wurde zur tragischen Figur. Nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung holte er Vieirinha von den Beinen – Elfmeter. Diego schritt zur Tat, vollstreckte sicher und jubelte ziemlich zurückhaltend, wie es sich für einen Ex-Bremer gehört. Für die Werder-Fans war das kein Trost, sie intonierten: „Wir haben die Schnauze voll!“ Das hat es im Weserstadion eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegeben. Genauso wie die vorzeitige Flucht zahlreicher Zuschauer. Sie verpassten ein weiteres Abseitstor von Arnautovic und ein kurzes Pfeifkonzert.

Die Fans haben diese Mannschaft und Trainer Thomas Schaaf offenbar schon aufgegeben. Und der Bremer Coach sagte direkt nach Schlusspfiff sogar in die Fernsehkameras: „Wenn ich im Weg stehen sollte, dann gehe ich gerne zur Seite.“

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