Werder-Aufsichtsratschef Lemke unterstützt Eichin und Dutt – wenn nötig auch mit Geld für Transfers

„Wir haben die Richtigen geholt“

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Erklärungsversuche: Willi Lemke ist fest davon überzeugt, „dass Werder ein Team aufbaut, das mittel- und langfristig wieder weiter oben angreifen kann“. ·

Bremen - Als Werder-Manager hat sich Willi Lemke in den 1980er und 1990er Jahren liebend gerne mit dem FC Bayern München angelegt. Und ausgerechnet der Rekordmeister hat den Bremern nun die höchste Heimpleite (0:7) der Vereinsgeschichte beschert. Das allein dürfte dem 67-Jährigen richtig weh tun.

Aber dazu muss Lemke auch noch die öffentliche Kritik an der neuen sportlichen Werder-Führung ertragen, die er als Aufsichtsratschef selbst mitbestimmt hat. Wie der UN-Sonderberater für Sport damit nach seiner Rückkehr von einer längeren Dienstreise umgeht und warum er Thomas Eichin und Robin Dutt den Rücken stärkt, erklärt Lemke im Interview.

Herr Lemke, wie sehr schmerzt noch die historische 0:7-Klatsche gegen die Bayern?

Willi Lemke:Ich war in Südkorea, in Seoul und hatte mein Handy so eingestellt, dass bei jedem Tor ein Ton ertönt. Als ich dann zum dritten Mal das Gegentor-Geräusch gehört habe, war mein Wochenende eigentlich gelaufen. Aber ich war nicht verzweifelt. Ich habe sofort gedacht: Jammern bringt jetzt nichts, wir müssen nach vorne schauen, das nächste Spiel kommt zum Glück ganz schnell. In Berlin können wir es wieder besser machen.

Aber mal ehrlich: Schadet so eine Demütigung nicht dem Image des SV Werder?

Lemke:Als wir vor vielen, vielen Jahren ein Heimspiel 1:7 verloren haben, habe ich gesagt: Lieber einmal 1:7 als sieben Mal 0:1. Natürlich ist die höchste Heimniederlage gegen die Bayern schmerzhaft, aber nun wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Es ist niemand zu Tode gekommen.

Aber seit dieser Pleite wird die Entwicklung der Mannschaft infrage gestellt.

Lemke:Wenn du 0:7 verlierst, dann wird völlig zu Recht alles infrage gestellt. Aber ich erinnere daran: Wir haben immer appelliert, Geduld zu haben und nicht zu erwarten, mit einer auch aus finanziellen Gründen völlig veränderten Mannschaft gleich den Schalter umlegen zu können. Das neue Trainerteam hat eine unglaublich schwierige Aufgabe übernommen. Es wird eine harte Saison, das wissen wir, und das halten wir aus.

Haben Sie keine Angst vor einem Abstieg – schließlich hat Werder weniger Punkte gesammelt als zum vergleichbaren Zeitpunkt der katastrophalen Vorsaison?

Lemke:Nein! Schauen Sie: Wir haben Leistungsträger abgegeben und neue Leute gekauft, die erst einmal integriert werden müssen. Das braucht Zeit, das geht nicht von Sommer bis Dezember. Das Entscheidende ist doch: Es wird ein Team aufgebaut, das mittel- und langfristig wieder weiter oben angreifen kann. Das braucht Ruhe und Geduld. Wir sind im Augenblick drei, vier Punkte hinter dem, was wir uns vorgestellt haben. Nur das ist die Wahrheit.

Das heißt, Sie sind mit der Arbeit von Robin Dutt und Thomas Eichin als sportlicher Leitung absolut zufrieden?

Lemke:Ja selbstverständlich! Total – ohne Wenn und Aber! Ich bin mit allen absolut zufrieden! Wir haben in Thomas Eichin und Robin Dutt genau die Richtigen geholt, sie sind absolute Fachleute. Wir bekommen nur positive Signale, was ihre Arbeit betrifft. Ihre Kommunikation im Verein ist sehr gut, sie vermitteln Freude an der Arbeit. Der Teamgeist ist top. Hier ist doch keine miese Stimmung, dass man überlegen müsste, etwas zu verändern. Wir haben gesagt, wir haben Geduld, und dabei bleibt es. Das stehen wir gemeinsam durch. Es ist nun einmal eine schwierige Phase, weil der Etat heruntergefahren werden musste – und das nicht erst in diesem Jahr.

Falls die Situation bis Winter noch brenzliger wird, geht Werder dann ins Risiko, um neue Spieler für den Abstiegskampf zu verpflichten?

Lemke:Wir gehen seit zehn Jahren ins Risiko. Das zeigt doch schon die Tatsache, dass wir in den letzten Jahren so viel Minus gemacht haben. Wir sind nie feige gewesen. Und natürlich sind wir im Aufsichtsrat gesprächsbereit, wenn der Sportdirektor und der Trainer kommen und sagen, wir brauchen noch was. Wir haben in der Vergangenheit immer Mittel und Wege gefunden, um der sportlichen Leitung bei ihren Wünschen entgegenzukommen. Groß sind die Spielräume allerdings nicht mehr, weil die letzten Jahre finanziell zu schlecht waren.

Da könnte die Kooperation mit Juventus Turin hilfreich sein. Was halten Sie von der Zusammenarbeit mit dem italienischen Topclub?

Lemke:Durch meine lange Reise kenne ich nicht alle Details. Aber internationale Kooperationen finde ich immer gut, weil es unseren Marktwert steigert und die Möglichkeit bietet, Spieler auszuleihen. Man darf jetzt nur nicht glauben, dass bei uns bald die halbe italienische Nationalmannschaft spielt. Die Erwartungshaltung darf nicht so hoch sein.

Was erwarten Sie heute Abend von der Mannschaft in Berlin?

Lemke:Dass sie sich aufbäumt und kämpft wie zum Beispiel gegen Hoffenheim. Ich fand es total klasse, wie sich die Mannschaft dort gewehrt und kurz vor Schluss noch das 4:4 erzielt hat. Über so eine Leistung würde ich mich riesig freuen. Leider nur am Fernseher. Ich bin zwar wieder in Deutschland, aber nach 40 000 Meilen in den letzten 19 Tagen ist es sicher nachvollziehbar, dass ich zu Hause gucke. · kni

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