Werder bringt die Talente dichter an die Bundesliga heran – und erwartet einen sportlichen Profit

„Wir haben da noch einige…“

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Chefcoach Robin Dutt (r.) und U 23-Trainer Viktor Skripnik haben Spaß an Werders jungen Talenten.

Bremen - Einen radikalen Jugendkurs fahren Werder und Trainer Robin bislang nicht gerade. Talente wie Niclas Füllkrug (Fürth), Johannes Wurtz und Florian Hartherz (beide Paderborn) wurden nicht integriert, sondern verliehen oder verkauft.

Dass die Bremer den Nachwuchs ignorieren, wäre aber auch eine komplett falsche Behauptung. Immerhin gab es in dieser Saison schon zwei Bundesliga-Debüts – von jungen Männern, die bis dahin wohl keiner so recht auf dem Zettel hatte: Martin Kobylanski (19) und Melvyn Lorenzen (18). Zwei Namen, die stellvertretend für das Konzept stehen, das Werder intensiv verfolgen will: die Jugend für gute Leistungen belohnen und an den Profikader heranführen.

„Wir haben da noch einige, die richtig gut sind, auf die man sich freuen kann“, meint Werders Sportchef Thomas Eichin. Dass Dutt zwei von ihnen schon in der Liga ranließ, war in den jeweiligen Situationen überraschend und nicht ganz ungefährlich. Kobylanski durfte im heißen Nordderby beim Hamburger SV (2:0) von Anfang an auflaufen. Lorenzen kam in der Schlussphase der Partie beim VfB Stuttgart (1:1), als Werder mit Mann und Maus verteidigte, zum Einsatz. Ein gewisses Wagnis, das Eichin aber ausdrücklich gutheißt: „Es ist positiv, dass Robin den Mut dazu hat. Das bringt die jungen Spieler weiter.“ Findet auch Dutt: „Natürlich ist das ein Risiko, aber dieses Vertrauen muss ich ihnen entgegenbringen – das zahlt sich später aus.“

Um Kobylanski, Lorenzen und die anderen näher an den großen Fußball heranzubringen, hat Werder die Zusammenarbeit mit der in der Regionalliga beheimateten U 23 intensiviert. Das zeigte sich am Donnerstag beim gemeinsamen Training des Profi-Kaders und des Talente-Teams. Immer mittwochmittags treffen sich zudem Robin Dutt und sein Trainerstab mit U 23-Coach Viktor Skripnik und dessen Assistenten. „Da geben wir uns Feedbacks, sprechen über Namen. Das ist kein Monolog nur von einer Seite, sondern ein Dialog. Eine wunderbare, sehr wichtige Sache“, findet Skripnik und fügt an: „Vor der Saison ist gesagt worden: Jeder Stein muss bewegt werden. Und ich glaube, wir haben schon mehrere Steine bewegt.“

Samstag: Elia trainiert kurz mit der Mannschaft

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Der ehemalige Werder-Profi, der vor der Saison von der U 17 zur U 23 wechselte und den zum Sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beförderten Thomas Wolter beerbte, ist für Dutt ein wichtiger Ansprechpartner. „Ich bin auf Viktor angewiesen, er gibt mir Empfehlungen“, sagt der 48-Jährige. Skripnik ist sich der Verantwortung bewusst und genießt das Vertrauen des Bremer Cheftrainers: „Es zeigt, dass unsere Arbeit akzeptiert wird. Es kommen nicht nur Kommandos von oben.“

Makiadi zurück im Training

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Die Auswahl der Spieler, die hochgezogen werden, richtet sich vorrangig nach dem Bedarf im Profikader. Auf welchen Positionen braucht Dutt welche Spielertypen? In Stuttgart fehlte ihm ein robuster Offensivmann. Er nominierte Lorenzen, der sich bei seiner ersten Profi-Stippvisite Anfang September gleich verletzt hatte und nach ausgeheiltem Muskelfaserriss gerade erst wieder fit war. „Robin Dutt hat ihn live gesehen in einer Phase, als wir ein paar Mal gewonnen haben und Melvyn eine sehr gute Rolle gespielt hat. Da hat er genau abgespeichert, was Melvyn kann“, meint Skripnik. Kobylanski habe seine Chance „einfach genutzt“, sagt der Ukrainer: „Ich habe in der letzten Länderspielpause drei, vier Spieler zum Probetraining geschickt – und er hat dort einen guten Eindruck gemacht.“

Generell achtet der 43-Jährige darauf, „dass ich die Spieler nicht nur hochlobe. Ich bin da lieber etwas vorsichtig, will es nicht übertreiben.“ Am Ende entscheidet Dutt, wen er befördert. Los geht es mit einer Einladung zum Training oder einem Testspiel, dann wird vielleicht mehr daraus.

Dass es nun schon zwei seiner jungen Spieler in die Bundesliga geschafft haben, macht Skripnik „sehr glücklich. Sie sehen, dass es schnell gehen kann. Das motiviert sie weiter, sich voll reinzuhängen. Und es zeigt, dass wir auf dem richtig Weg und in der Lage sind, die Jungs weiterzuentwickeln. Das ist meine Hauptaufgabe, die mir Riesenspaß macht.“

Die fußballerische Verbesserung ist dabei das eine, die mentale Stärkung das andere. „Ich weiß, wie schwer es für einen jungen Mann ist, wenn er zu den Profis hochgezogen wird und dann sogar im Kader steht. Dann ist er enorm aufgeregt, schläft vielleicht kaum, weil es der wichtigste Tag seines Lebens werden könnte“, erklärt Skripnik, der allerdings auch penibel auf die nötige Disziplin achtet: „Wichtig ist, dass die Jungs bereit sind. Sie dürfen nicht nur auf dem Sofa liegen, Champions League gucken und träumen, denn dann passiert nichts.“ · mr

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