Eichin versichert, dass Werder den Schock verdaut hat – vor allem Skripnik

„Wir haben Kampfeslust, es allen zu zeigen“

Man versteht sich: Radfahrer Thomas Eichin begrüßt auf dem Weg zur Arbeit das Trainerteam – allen voran natürlich Viktor Skripnik. Florian Kohfeldt (rechts) hält schon seine Hand bereit, während Christian Vander auf dem Bild Torsten Frings verdeckt. - Foto: Gumz

Bremen - Von Björn Knips. Thomas Eichin kam just in dem Moment mit dem Rad zur Arbeit, als Viktor Skripnik mit seinem Team zum Trainingsplatz ging. Sofort wurde sich abgeklatscht und kurz unterhalten. Später schaute der Werder-Sportchef auch noch bei der Übungseinheit vorbei, plauderte mit Trainern und Spielern.

Und nicht nur mit denen: Auch für die Journalisten nahm er sich noch Zeit. Schließlich geht es darum, klare Botschaften nach außen zu geben: Werder hält zusammen, Werder ist nicht mehr geschockt – und Werder kämpft.

„Keiner hier ist depressiv, die haben alle Bock aufs Kicken. Ich sehe hier keine hängenden Köpfe. Wir haben Kampfeslust, es allen zu zeigen“, urteilte Eichin und stellte erleichtert fest: „Die zwei Tage, die für uns alle nicht ganz einfach waren, haben wir ganz gut weggesteckt.“ Auch der Trainer? Skripnik hatte schließlich nach dem 1:2-Schock gegen Augsburg extrem niedergeschlagen gewirkt. „Er ist kein Roboter und keine Maschine“, betonten Eichin: „Auch er hat das weggesteckt. Wir ziehen das durch. Ich sehe da keine Probleme mentaler Art bei ihm, dass er dem Druck nicht standhält und sich zu sehr zu Herzen nimmt, was in den Zeitungen steht.“

Eichin verwies dabei noch mal auf eine vermeintliche Besonderheit bei Skripnik: „Es gibt Trainer, die schütteln sich kurz in der Kabine und spielen dann den Medien etwas vor. Das ist der Viktor nicht, er ist ein authentischer Trainer. Das kommt gut an – auch in der Mannschaft. Wenn er an einem Tag schlecht drauf ist, ist er eben schlecht drauf. Und wenn er gut drauf ist, ist er gut drauf.“

Ob gestern nun ein guter oder schlechter Skripnik-Tag war, das lässt sich nicht genau sagen. Der 46-Jährige hatte das Training mit einer fünfminütigen Ansprache begonnen. Es folgten das Aufwärmprogramm und dann ein Spiel. Anders als am Vortag begleitete Skripnik das Geschehen von außen, griff aber auch von dort verbal immer mal wieder ein – in normalem Arbeitston. Groß zu lachen gab es nichts, nach 75 Minuten war die einzige Einheit des Tages vorbei. So wie im Prinzip an fast jedem Mittwoch in diesem Jahr.

Werder-Training am Mittwoch

„Ich will jetzt hier keine wilden Dinge sehen, nur damit ihr schöne Geschichten habt“, sagte Eichin den Medienvertretern: „Wir vertrauen diesem Trainerteam wie bisher. Sie sollen so weiterarbeiten. Wir müssen nur endlich mal Punkte holen.“

Möglichst schon am Samstag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Eigentlich ist es ein perfekter Zeitpunkt, um gegen den VW-Club zu spielen. Auswärts enttäuschen die „Wölfe“ seit Monaten, und dann kommt noch das Ausscheiden am Dienstag in der Champions League durch die 0:3-Pleite bei Real Madrid dazu. „Man weiß nie, wie die Mannschaft so etwas wegsteckt, welche Ziele jetzt formuliert werden, ob es besser gewesen wäre, wenn das Spiel 120 Minuten gedauert hätte“, meinte Eichin. Vielleicht sei der eine oder andere Spieler etwas müde, „aber dieser Kader kann das verkraften“. Trotzdem wittert auch der Sportchef dabei einen kleinen Vorteil: „Wir wollen unbequem sein und ihnen das Leben schwer machen – gerade nach so einem Champions-League-Spiel.“

Unbequem ist aber auch die Situation für die Werder-Profis. Nach dem Augsburg-Desaster steht die Mannschaft auf dem Relegationsplatz, alles spricht vom drohenden Abstieg. Die Fans haben ihre Lieblinge ausgepfiffen. „Es geht immer um Druck, dem man standhalten muss. Das ist jetzt eine gute Aufgabe – als Mensch und als Spieler. Natürlich hat man Respekt vor der Aufgabe, auch eine gewisse Angst. Die muss man akzeptieren. Entscheidend ist, was du dagegen tust“, erklärte Eichin und berichtete von vielen Einzelgesprächen mit den Profis. Doch längst nicht bei jedem sei so etwas nötig. „Einige interessiert das alles überhaupt nicht, die wollen einfach nur kicken“, sagte der 49-Jährige und erinnerte an einen Ex-Bremer, der jetzt bei Manchester City spielt: „Kevin De Bruyne war ein Paradebeispiel dafür. Es hat ihn überhaupt nicht beeindruckt, was drumherum passiert, der wollte einfach spielen und gewinnen.“ Gewinnen klingt gut...

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