„Wir haben jetzt das vielleicht wichtigste Spiel der Hinrunde“

Alle stehen zu Skripnik, und der denkt schon weiter

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Er wurde von Anthony Ujah (rechts) fast umgeworfen: Werder-Coach Viktor Skripnik beim Jubeln mit dem Torschützen zum 4:2.

Bremen - Viktor Skripnik wusste erst gar nicht, wie ihm geschah. Plötzlich hing der gerade ausgewechselte Anthony Ujah an seinem Hals und schrie vor Freude. Der Nigerianer hatte Werder kurz zuvor mit seinem Treffer zum 4:2 auf die Siegerstraße geschossen und demonstrierte nun die große Verbundenheit zum Trainer. Und damit war er nicht alleine. Nach dem 4:3-Pokalcoup in Mönchengladbach gab es jede Menge Unterstützung für den zuletzt in die Kritik geratenen Werder-Coach.

„In der Mannschaft gab es nie Diskussionen um Viktor Skripnik. Wir spüren sein Vertrauen. Und wir als Mannschaft stehen zu ihm. Ich als Kapitän darf es sagen: Alle stehen zu ihm – ohne Ausnahme“, betonte Clemens Fritz am Tag nach dem Viertelfinaleinzug.

Direkt nach dem Spiel hatten schon Fritz’ Kollegen den Coach gelobt. Speziell für seinen Matchplan. „Die Strategie war entscheidend“, meinte zum Beispiel Jannik Vestergaard. Skripnik freute sich zwar über die Worte aus der Mannschaft, aber er verfiel nicht in Euphorie. Aus gutem Grund. „Wir haben jetzt das vielleicht wichtigste Spiel der Hinrunde“, meinte der Ukrainer mit Blick auf die Bundesliga-Partie am Samstag in Frankfurt: „Mit einem Negativerlebnis bist du in der Abstiegszone – und bleibst da ein paar Wochen, weil Winterpause ist. Das wollen wir nicht!“

Nein, Werder möchte jetzt endlich den nächsten Schritt machen, nicht nach einem guten Spiel wieder in alte Muster verfallen. „Mutig bleiben“, lautet das Motto. Doch Skripnik ist zu ehrlich, um das allein so stehen zu lassen. „Das sagen wir jedes Mal“, fügte er noch an. Ihm ist schleierhaft, warum die Mannschaft in dieser Saison nur sporadisch funktioniert. „Wir trainieren gut, aber dann klappt es nicht immer im Spiel“, seufzte Skripnik und betonte: „Wir haben die Qualität.“ Und wieder folgte ein „Das sage ich jedes Mal.“ Doch es müsse eben alles passen – und ein durchaus entscheidender Faktor dazukommen: Glück. „Diesmal hatten wir es“, meinte Skripnik und hob noch hervor: „Jede Mannschaft braucht Glück – selbst die Bayern.“

Alles also nur Glück? Natürlich nicht. „Wir haben uns das erarbeitet“, sagte Skripnik und ging ein wenig ins Detail: „Wir wollten im Eins-gegen-eins mutig sein. Das haben wir im Training oft geübt. Das ist nicht angenehm über das ganze Feld.“ Doch die Werder-Profis bissen sich durch. Und das bekam dann vor allem ein Gladbacher zu spüren: Granit Xhaka. Der Schweizer wurde schon am eigenen Strafraum attackiert – abwechselnd von Fritz und Philipp Bargfrede. „Das war ein gutes Rezept“, freute sich Skripnik über die gelungene Wiederholung der Bundesliga-Taktik. Damals, am dritten Spieltag, hatte Werder die Gladbacher genauso gestoppt und 2:1 gewonnen. Diesmal kamen noch ein paar Spezialaufgaben dazu. So sollte sich zum Beispiel Assani Lukimya vornehmlich um Lars Stindl kümmern – und ließ ihm kaum einen Stich.

Sehr zur Freude des Trainers, der den extrem zweikampfstarken Lukimya ebenso wie Janek Sternberg und Claudio Pizarro neu ins Team gebracht hatte. Eine gewagte Geschichte – und eine ziemlich erfolgreiche dazu. Alle drei überzeugten – Sternberg und Pizarro sogar mit einem Tor als Sahnehäubchen. Doch Skripnik mochte sich partout nicht selbst auf die Schulter klopfen. Und auf die Frage, ob ihm dieser Sieg auch persönlich viel bedeute, meinte er nur: „Ich kann gut schlafen und essen.“ Richtig glücklich wird er erst sein, wenn Ujah auch in Frankfurt an seinem Hals hängt.

kni/mr

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