Skripnik versucht, Zuversicht zu verbreiten – wirkt aber emotionslos

„Wir haben alles unter Kontrolle“

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Auch in Dortmund rechnet Werder-Coach Viktor Skripnik am Samstag wieder mit Gegentoren: „Es ist nicht neu für uns, Tore zu kassieren.“ Doch er hofft, dass sich seine Mannschaft beim Tabellenzweiten zumindest „teuer verkauft“.

Bremen - Richtig fit wirkt Viktor Skripnik noch nicht. „Aber das Fieber ist weg“, sagt Werder Bremens Coach: „Das ist die Hauptsache, jetzt kann ich niemanden mehr anstecken.“ Soll bloß keiner so krank werden, wie der Coach über Ostern, als er flach lag. Im Abstiegskampf wird schließlich jeder gebraucht – genauso wie die Zuversicht. Die versucht Skripnik zu demonstrieren. Es gelingt ihm allerdings nur bedingt.

Vielleicht liegt es an den Folgen seiner Grippe. Vielleicht aber auch an den Gesprächspartnern. Den Medien tritt der 46-Jährige nur noch möglichst selten und dann meist widerwillig gegenüber. „Wir haben alles unter Kontrolle“, lautet seine wichtigste Botschaft – mit einem wichtigen Zusatz: „Wir müssen auch liefern.“ Also schon am Samstagabend in Dortmund? Skripnik hätte natürlich nichts dagegen, doch den Mut, das explizit zu fordern, hat er nicht. Im Gegenteil. Er macht sein Team erst einmal klein, als er darauf angesprochen wird, ob die Dortmunder Tormaschine überhaupt zu stoppen ist: „Wir haben in jedem Spiel dieser Saison ein Tor kassiert – mindestens. Es ist nicht neu für uns, Tore zu kassieren.“ Klingt schon etwas nach Kapitulation vor dem Duell beim Tabellenzweiten. Und dazu passt auch Skripniks Vergleich mit der 0:5-Klatsche bei Spitzenreiter FC Bayern. „Wir wollen unbedingt ein bisschen besser sein als bei der Blamage in München. Der Favorit soll oder kann gewinnen, aber nicht so einfach. Wir wollen uns teuer verkaufen.“

Nur teuer verkaufen? Sieben Spieltage vor Saisonende können sich Abstiegskandidaten eigentlich nicht mehr aussuchen, wo sie die Punkte zur Rettung holen wollen. Doch Skripnik baut trotzdem auf das seiner Ansicht nach „bessere Restprogramm“ im Vergleich zur Konkurrenz und verweist auf die vier Heimspiele – davon drei Mal gegen direkte Konkurrenten wie Augsburg, Stuttgart und Frankfurt. „Wir haben sechs Heimspiele in Folge nicht verloren“, betont der Ex-Profi. Werder hat allerdings in dieser Saison auch erst zwei Mal im Weserstadion gewonnen. Von Heimstärke kann also noch keine Rede sein.

Was könnte also dann den Unterschied im Abstiegskampf mit den neun anderen betroffenen Teams ausmachen? „Unsere Erfahrung“, sagt Skripnik: „Wir haben seit vier Jahren mit dem Club so eine gefährliche Situation. Im entscheidenden Moment haben wir gewonnen. Wir haben mit diesen Jungs schon Unmögliches erreicht.“

Werder-Training am Dienstag

Wie vor einem Jahr. Als Skripnik aus dem Tabellenletzten fast noch einen Europa-League-Teilnehmer gemacht hätte. Damals riss das Werder-Urgestein alle mit – Spieler, Fans und auch Medien. Nun verzichtet Skripnik darauf – zumindest öffentlich. Er sagt zwar über seine Mannschaft, „alle sind hier begeistert, wie es läuft, keiner ist skeptisch, keiner sagt etwas Negatives“, aber das klingt so emotionslos wie die Bekanntgabe der Lottozahlen. Fehlt nur noch ein „Alle Angaben ohne Gewähr“.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist Skripnik vor der Mannschaft genauso? Bislang hieß es immer, der Ukrainer sei ein richtig guter Heißmacher. Seine Ansprachen vor den Spielen hätten es in sich, er könne die Profis mit Schaum vor dem Mund in den Tunnel schicken. So wie zuletzt gegen Hannover 96, als die Gastgeber von Beginn an Jagd auf den Gegner machten und 4:1 gewannen. Das war vor nicht einmal vier Wochen.

Diese Stimmung muss dringend wieder her. Es sei allerdings gar nicht so einfach, die Spannung in einer Länderspielpause ohne Wettbewerb am Wochenende hoch zu halten, gesteht Skripnik: „Das weiß ich noch sehr gut aus meiner Zeit als Profi.“ Jetzt ist er Trainer, und es liegt an ihm, den Schalter umzulegen. Nur dann stimmt seine Botschaft „Wir haben alles unter Kontrolle“. kni

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