Sportdirektor Zorc erklärt, wie sich sein BVB verändert hat und mit wem er nun bei Werder spricht

„Wir gehen kein Risiko mehr ein“

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„Natürlich bezahlen wir unsere Spieler nicht nur in Nüssen oder Rosinen“, gesteht BVB-Sportchef Michael Zorc. ·

Bremen - Michael Zorc hat mit Borussia Dortmund alles erlebt – erst als Spieler und nun schon mehr als 14 Jahre als Sportdirektor. Es war ein Auf und Ab. Seit zwei Spielzeiten ist Dortmund nun wieder oben und hat dort den SV Werder als härtesten Bayern-Konkurrenten abgelöst. Das hat schon Tradition. Warum das so ist und wie sein BVB den erneuten Absturz verhindern will, das verrät der 50-jährige Zorc im Interview.

Herr Zorc, warum können der BVB und Werder nicht gemeinsam erfolgreich sein?

Michael Zorc:(lacht) Ist das wirklich so? Es gibt im Fußball manche Zufälligkeit, die nicht erklärbar ist.

Haben Sie denn wenigstens eine Erklärung dafür, warum der BVB den SV Werder wieder überholt hat?

Zorc:Ich kann nur über uns sprechen. Wir haben eine wirtschaftlich schwierige Phase überstanden und uns vor einigen Jahren auf ein solides Fundament gestellt. Wir setzen nachhaltig auf junge, auch deutsche Spieler. In Jürgen Klopp haben wir den absolut idealen Trainer, um attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen.

Warum wird der BVB einen längeren Atem haben, den Bayern Paroli zu bieten, als Werder und andere Vereine?

Zorc:Was Bayern München macht, ist für uns nicht wichtig. Das ist nicht unsere Denke! Wir wollen das Bestmögliche aus unseren Rahmenbedingungen herausholen, genau das ist unsere Aufgabe. Wir wissen doch, dass die Bayern der unangefochtene Branchenführer sind. Trotzdem kann man versuchen, sie in den 90 Minuten auf dem Platz zu schlagen – was uns in den letzten Jahren übrigens auch häufiger gelungen ist.

Bei Werder hieß es immer die Rahmenbedingungen in Bremen würden für die Bundesliga-Spitze eigentlich nicht ausreichen. Sind die Rahmenbedingungen in Dortmund besser?

Zorc: Wir haben jedenfalls eine unfassbare Fangemeinschaft mit fast immer 80 000 Zuschauern im Stadion. Nach der neuesten Erhebung verfügen wir über 6,5 Millionen Fans in Deutschland. Wir haben das Sponsoring stark ausgebaut, im vergangenen Geschäftsjahr 215 Millionen Euro Umsatz gemacht und einen Bundesliga-Rekordgewinn erzielt. Aber all das hängt auch immer vom sportlichen Auftreten ab. Wir haben intern und extern ganz klar gemacht, dass wir für den sportlichen Erfolg keine Schulden mehr machen werden. Wir werden immer ein wirtschaftliches Kalkül haben und kein Risiko mehr eingehen.

Das wurde und wird auch stets bei Werder betont. Nach der zweiten Spielzeit ohne Qualifikation für das internationale Geschäft regierte der Rotstift – Stars wurden abgegeben. Würde es dem BVB ähnlich ergehen?

Zorc:Natürlich gehen wir davon aus, das internationale Geschäft zu erreichen, aber wir könnten auch das eine oder andere Jahre ohne überleben. Der Club hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Sie verlängern gerade viele Verträge mit jungen Leistungsträgern. Das ist nicht billig und ist schon vielen Clubs zum Verhängnis geworden. Haben Sie keine Angst, sich zu übernehmen?

Zorc:Natürlich werden diese Verträge zu besseren Konditionen abgeschlossen, das wollen wir gar nicht leugnen. Gleichzeitig hat sich aber auch unsere Einnahmesituation deutlich verbessert. Ich kann es nur wiederholen: Wir gehen kein Risiko ein. Wir machen nichts, was ein dramatisches Sparen im Falle des Nicht-Erfolgs erforden würde. Gottseidank gibt es auch noch ein paar andere als nur finanzielle Argumente, die es uns ermöglichen, die Mannschaft zusammenzuhalten und den Trainer langfristig an uns zu binden.

Welche sind das?

Zorc:Wir reden in Dortmund gerne vom Gesamtpaket. Natürlich bezahlen wir unsere Spieler nicht nur mit Nüssen oder Rosinen. Aber wir haben auch viele fast gleichaltrige Spieler, deshalb ist das Miteinander extrem harmonisch. Ich habe Konstellationen wie unsere gegenwärtige in den vergangenen 20, 30 Jahren ehrlich gesagt selten erlebt. Außerdem haben wir das aus unserer Sicht schönste Stadion in Deutschland. Gerade junge Spieler wissen, dass sie sich bei uns weiterentwickeln dürfen. Und wir haben eine offensive, attackierende Spielweise, die den Spielern entgegenkommt.

Ihre Mannschaft ist noch so jung, fängt man da manchmal das Träumen an, was noch alles möglich ist?

Zorc: Das ist es ja, was wir versuchen zu vermitteln: Wir sind noch nicht am Ende eine Weges, am Ende einer Ära, sondern wir sind mittendrin. Das macht es für die Spieler so interessant, diese Geschichte mitzuschreiben. Deshalb ist es uns gelungen, den einen oder anderen trotz großer Konkurrenz beim BVB zu behalten.

Oder zurückzuholen wie Nuri Sahin. In Fußball-Deutschland wurde das respektvoll beklatscht, in Dortmund gab es auch kritische Töne und die Frage: Wo soll Sahin eigentlich spielen?

Zorc: Wir bei Borussia Dortmund können doch aus der Vergangenheit heraus am besten sein Leistungspotenzial beurteilen. Nuri ist einfach ein weiteres fußballerisches Plus – und die Rahmenbedingungen waren so optimal für uns, dass wir diesen Transfer machen mussten.

Wird Sahin am Samstag in Bremen spielen?

Zorc:Er wird mitfahren. Ob er dann auch spielt, das wird der Trainer entscheiden.

Apropos Trainer: Werder hat trotz der Krise voll auf Thomas Schaaf gesetzt: Ist das ein Weg, den Sie mit Jürgen Klopp auch so gehen würden?

Zorc:Das praktizieren wir doch schon. Im Fußball haben die meisten Menschen ja leider nur ein Kurzeitgedächtnis. Wenn man mal ein bisschen im Internet sucht, stößt man schnell darauf, dass wir Jürgen Klopps Vertrag erstmals nach acht nicht gewonnenen Spielen verlängert haben. Das zeigt, dass wir gegen kurzfristige Einflüsse relativ immun sind. Wir sind davon überzeugt, dass Jürgen Klopp der ideale Trainer für uns ist – auch für die nächsten Jahre.

Was bedeutet die Verpflichtung von Pep Guardiola als Bayern-Coach für die Bundesliga und für den BVB?

Zorc:Für uns erst einmal gar nichts. Was die Bundesliga angeht, zeigt Guardiolas Entscheidung aber deutlich, wie immens unser Ansehen in Europa während der vergangenen Jahre gestiegen ist. Guardiola macht die Liga reicher.

Zurück zu Werder: Werden Sie am Samstag Klaus Allofs vermissen?

Zorc:(lacht) Nein, ich habe ihn nach seinem Wechsel schon in Dortmund als Wolfsburger Manager begrüßen dürfen und mit ihm vor zwei Wochen den Perisic-Transfer besprochen. Das war zugegeben schon etwas ungewohnt.

Wen würden Sie jetzt bei Werder kontaktieren, wenn Sie sich um einen Spieler bemühen wollen?

Zorc:Ich gehe davon aus, dass Thomas Eichin als neuer Sportdirektor dafür zuständig ist.

Waren Sie überrascht, dass Werder einen Eishockey-Manager als Allofs-Nachfolger verpflichtet hat?

Zorc:Nein, das ist doch ein Fußballer. Ich habe doch in der Bundesliga gegen ihn gespielt. Das Knowhow wird er schon mitbringen.

Klaus Allofs hat vor seinem Wechsel nach Wolfsburg rumgeeiert, dann hat der BVB jegliches Interesse an Sahin dementiert und zuletzt haben die Bayern eine Guardiola-Verpflichtung als Unsinn bezeichnet. Warum müssen Fußball-Funktionäre öffentlich flunkern?

Zorc:Also mal vorneweg: Wir haben das Interesse nicht dementiert, sondern wir haben es nicht kommentiert. Das ist ein fundamentaler Unterschied! Im Internetzeitalter ist das leider nicht mehr so einfach. Wir sind im Trainingslager alle sechs Stunden mit neuen Spekulationen zu Boateng, Fortounis, Sahin, Szalai, Sven Bender, etc. bombardiert worden. Dann müssen wir uns auch mal das Recht herausnehmen, Dinge intern zu klären.

Zurück zum Spiel am Samstag: Ist ein Sieg beim Tabellenzwölften Bremen nicht Pflicht, um die Bayern noch einzuholen?

Zorc:Pflicht ist gar nichts. Wir haben eine klare Zielsetzung seit Saisonbeginn: Das ist die direkte Qualifikation für die Champions League. Bayern München ist zwölf Punkte vor uns, und wenn die Münchner eine normale Rückrunde spielen, wird ihnen der Titel nicht zu nehmen sein. Wir sind doch keine Träumer bei Borussia Dortmund. Wir wollen eine sehr gute Rückrunde spielen und reisen nach Bremen, um dort zu gewinnen.

Als Spieler ist Ihnen das bei 13 Versuchen allerdings nie gelungen . . .

Zorc:Dass Sie das herausgefunden haben . . . Ich dachte, ich könnte das für immer verbergen. (lacht) Deshalb habe ich damals ja auch als Spieler aufgehört. Als Sportdirektor bin ich in Bremen aber schon häufiger als Sieger vom Platz gegangen. Ich hoffe, das wird auch am Samstag so sein. · kni

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