Urlaub mit Gebre Selassie

„Wir dürfen nicht blind offensiv sein“

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Sie fahren nicht nur zusammen in den Urlaub, sie schenkten gestern auch gemeinsam Glühwein auf dem Bremer Weihnachtsmarkt aus: Zlatko Junuzovic und Theodor Gebre Selassie.

Bremen - Zlatko Junuzovic hat sich etwas verspätet. Der Dienstwagen war schlimmer vereist als erwartet. „Sorry, aber das hat ganz schön gedauert, bis ich den frei hatte“, entschuldigt sich der Österreicher.

Mit bösen Überraschungen kennt sich der 25-Jährige in dieser Saison eigentlich aus, mit Werder hat er davon schon einige erlebt. Der Mittelfeldspieler spricht im Interview die Defizite deutlich an, ist aber trotzdem überzeugt davon, dass Werder in der Rückrunde besser und vor allem konstanter spielen wird.

Herr Junuzovic, haben Sie und Ihre Kollegen sich schon für den Balance-Aerobic-Kurs in der Werder-Abteilung „Turnspiele und Gymnastik“ angemeldet?

Zlatko Junuzovic:(lacht) Nein, das habe ich nicht. Aber es stimmt schon, uns fehlt in dieser Saison wirklich die Balance und natürlich auch die Konstanz. Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage – das ist einerseits total frustrierend, andererseits aber auch ein Zeichen dafür, wie eng es in der Bundesliga zugeht.

Warum ist das mit der Balance zwischen Defensive und Offensive so schwierig?

Junuzovic:Wir hatten nun einmal im Sommer einen großen Umbruch. Keiner von uns wusste, wie gut wir zusammen sind. Dafür ist es gar nicht so schlecht gelaufen. Wir hatten einige gute Spiele, in denen wir leider nicht gepunktet haben. Trotzdem haben wir immer noch die Möglichkeit, um die internationalen Plätze mitzuspielen. Wir müssen schnell die richtige Mischung finden. Noch bekommen wir zu viele und zu einfache Gegentore.

Spielt Werder zu offensiv?

Junuzovic:Was heißt zu offensiv? Wir wollen das Spiel machen, wir wollen unseren Fans etwas bieten und wir wollen gewinnen. Aber wir dürfen nicht so oft in Konter laufen und blind offensiv sein. Uns fehlt es noch an Erfahrung und Cleverness.

Sie sind als Sechser hauptverantwortlich für die Balance – was ist so schwierig an dieser Position?

Junuzovic:Du musst vorne und hinten präsent sein. Das ist sehr aufwendig – gerade wenn du allein als Sechser bist. Da hast du dann manchmal zwei, drei Gegenspieler. Da musst du viel antizipieren und spekulieren. Das ist nicht immer einfach, manchmal trifft man auch die falschen Entscheidungen. Oft bügeln das die anderen aus. Da müssen wir insgesamt noch cleverer agieren.

Würden Sie sich einen zweiten Sechser wünschen?

Junuzovic:Wir haben sehr, sehr viele gute Spiele mit diesem System gemacht. Deshalb müssen wir da nicht viel ändern. Wir agieren manchmal nur zu naiv. Aber wir haben in der Hinrunde schon sehr viel gelernt. Davon werden wir profitieren. Es liegt aber nicht nur an der Balance, sondern auch an unserer Chancenverwertung. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht.

Sie Sind eigentlich ein offensiver Mittelfeldspieler. Müssen Sie als Sechser manchmal die Handbremse ziehen?

Junuzovic:Durchaus. Das ist teilweise schon schwierig, wenn du in der Vorwärtsbewegung automatisch mitgehen willst. Dann kommt von hinten das Kommando: Bleiben!

Von wem?

Junuzovic:Von den Innenverteidigern – Sokratis oder Sebastian Prödl. Die können da schon laut werden. Da muss ich dann bleiben, obwohl ich nach vorne will.

Sind Sie nicht zu offensiv für die Position des Sechsers?

Junuzovic:Okay, ich habe die letzten sieben Jahre meiner Karriere nur offensiv gespielt. Bei Austria Wien war ich, bevor ich zu Werder kam, sogar Linksaußen. Mein Grundgedanke ist schon offensiv. Aber ich habe mich weiterentwickelt und kann die Aufgaben dieser Position erfüllen. Ich gehe nicht blind nach vorne. Okay, manchmal erwischt es mich. Aber nur noch ganz selten.

Diese offensive Besetzung Ihrer Position ist ein großes Risiko – ärgert es Sie da umso mehr, wenn dann vorne beste Chancen ausgelassen werden?

Junuzovic:Natürlich. Wir haben immer vier, fünf gut herausgespielte Chancen. Da müssen wir einfach effektiver sein.

Gibt es deshalb nach verlorenen Spielen auch mal Zoff in der Kabine zwischen der Defensive und der Offensive?

Junuzovic:Nein. Wir agieren als Mannschaft. Wir gewinnen und verlieren zusammen. Die Stimmung ist positiv. Wir wissen, was wir können. Wir wissen, welchen Fußball wir spielen können.

Aber am Ende der Hinrunde könnte Werder nur auf Platz 15 stehen. Haben Sie keine Angst, so schlecht platziert in die Winterpause zu gehen?

Junuzovic:Nein, wir haben jetzt noch ein Heimspiel gegen Nürnberg, und das wollen wir gewinnen. Ich habe vor der Saison gesagt, dass es gut wäre, wenn wir mit 25, 26 Punkte in die Winterpause gehen würden. Jetzt haben wir die Chance auf 24, damit wären wir im Soll. Also zählen jetzt nur die drei Punkte gegen Nürnberg, dann genießen wir den Urlaub, um mit Vollgas ins neue Jahr zu gehen.

Was ist das Schönste an der Winterpause?

Junuzovic:Dass man nach Hause kommt. Nach Österreich, wo die Familie ist, mit der man viel Zeit verbringen kann. Das ist dann endlich mal eine ruhige Phase im Leben.

Einen Österreicher muss man das fragen: Geht es in die Berge zum Skilaufen?

Junuzovic:Nein, ich fahre nie Ski, kein Snowboard, nix. Meine Freundin und ich gehen fünf Tage in die Therme – in der Steiermark, wo wir zu Hause sind.

Sie sind aber nicht nur in der Therme, sondern auch im Hotel?

Junuzovic:(lacht) Bei uns sagt man das so. Das ist ein Wellness-Hotel mit großem Spa-Bereich. Wir machen das auch nicht alleine, wir sind zu viert – wir nehmen die Gebre Selassies mit.

Wirklich? Ist man nicht froh, mal Abstand von den Teamkollegen zu haben?

Junuzovic:Nein, wir verstehen uns gut. Es ist auch mal schön, etwas privat zusammen zu machen, wenn es nicht so stressig ist.

Es scheint ohnehin so, als wäre das Miteinander im Team wesentlich besser als in der Vorsaison.

Junuzovic:Es ist ein ganz großer Unterschied – wie Tag und Nacht. Wir sind seit dem Sommer mit den vielen neuen Spielern immer mehr zur Mannschaft geworden. Viele unternehmen miteinander was. Es ist eine gute Stimmung. Wenn wir jetzt noch erfolgreicher wären, wäre es absolute Klasse.

Woran liegt das?

Junuzovic:Wir sind fast alle sehr jung, und wir sind fast alle auf dem gleichen Level. Das passt wirklich gut.

Trotzdem machen sich die Fans Sorgen, dass es bei einer Achterbahnfahrt bleibt.

Junuzovic:Dieses Auf und Ab ist ja auch schrecklich für sie – für uns aber auch. Wir wollen oben sein, dafür werden wir alles tun.

Wie sehr beeinflusst es die Mannschaft, dass es noch immer keinen Nachfolger für Sportchef Klaus Allofs gibt?

Junuzovic:Gar nicht. Für den Verein ist das natürlich sehr wichtig, für uns momentan nicht.

Aber Klaus Allofs war immer sehr nah bei der Mannschaft – fehlt er nicht, gab es keine Rituale mit ihm?

Junuzovic:Klar, er war beim Abschlusstraining oder vor Spielen in der Kabine und hat uns alle begrüßt. Aber deswegen sind wir nicht schneller oder langsamer gelaufen. Natürlich ist es schade, dass Klaus Allofs nicht mehr da ist, weil er eine große Persönlichkeit für Werder war – und das für einen langen Zeitraum. Aber so ist das im Fußball nun einmal. · kni

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