Werder verliert

Willkommen im Abstiegskampf

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Selbst Augsburg ist für den SV Werder in diesem Jahr eine Nummer zu groß; hier schleicht Sokratis vom Platz.

Bremen - Von Carsten Sander. Mit der dritten Niederlage in Folge hat für Werder Bremen gestern der Abstiegskampf begonnen. 0:1 (0:1) verlor das Team von Trainer Thomas Schaaf im eigenen Stadion gegen den FC Augsburg, der mit dem Sieg weiter Hoffnung schöpft, den Klassenerhalt zu schaffen. Ein neuer Orientierungspunkt für die Schwaben ist nunmehr Werder.

Nur noch sieben Punkte liegen zwischen dem FCA auf dem Relegationsplatz und den Bremern. Komfortabel ist das nicht mehr. Zumal der Trend eindeutig gegen die Grün-Weißen spricht. Werder am Tiefpunkt und Thomas Schaaf am Ende?

Die 90 Minuten gestern nannte der Coach "unbefriedigend", das Auftreten seiner Mannschaft "enttäuschend" und die Gesamtentwicklung "frustrierend". Die Pfiffe, die beim Pausen- und nach dem Schlusspfiff durch das Stadion gellten, waren auch an seine Adresse gerichtet. Wenngleich keine Schaaf-raus-Rufe zu hören waren. Der 51-Jährige darf offenbar noch auf die Unterstützung der Fan-Mehrheit vertrauen. Vor allem vertraut er aber sich selbst. "Ich habe genug Power", antwortete er auf die Frage, ob er noch die Kraft hat, die Probleme der Mannschaft zu lösen. 

Sokratis: "Kein Team"

Ob er dennoch Rücktrittsgedanken hegt? Ein klares Nein formulierte Schaaf nicht: "Ich habe 1000 Gedanken im Kopf. Manche blitzen auf und sind dann wieder weg."

Ähnlich ist es bei seinem Team. Manchmal blitzt auf, was die Mannschaft leisten kann. Dann produziert sie Siege wie gegen Hannover 96 (2:0) oder den VfB Stuttgart (4:1) denen allerdings fünf Rückrundenpleiten gegenüberstehen. Das Team taumelt nur noch durch die Liga. Das wurde auch gegen den FC Augsburg deutlich. Nach einem noch ganz ordentlichen Start mit einer allerdings fahrlässig vergebenen Riesenchance von Marko Arnautovic (18.) geriet Werder in der 29. Minute in Rückstand, weil in der Defensive mal wieder gar nichts stimmt. Am Ende einer Kopfballstaffette über den Koreaner Dong Won Ji und dem ehemaligen Bremerhavener André Hahn stand Tobias Werner und nickte zum Tor des Tages ein. Lukas Schmitz sah in dieser Szene einmal mehr schlecht aus, Aleksandar Ignjovski hatte ebenfalls nicht aufgepasst.

Es sind diese Fehler, mit denen die Bremer immer wieder ihre eigene Entwicklung torpedieren. Nach dem Rückstand griff die Verunsicherung um sich, den Gastgebern gelang vor 39211 am Ende entsetzten Zuschauern nur sehr wenig. 60 Minuten Aufholjagd führten zu drei - allerdings sehr guten - Chancen durch Aaron Hunt (68.), dessen Direktabnahme die Latte touchierte, sowie durch Sokratis. Der Grieche scheiterte mit einem Seitfallzieher am großartig reagierenden FCA-Schlussmann Mohamed Amsif (83.) und mit einem Kopfball am Innenpfosten (87.).

Finale Aufregung herrschte in der Nachspielzeit noch um das Tackling von André Hahn gegen Werder-Stürmer Nils Petersen. Im Strafraum hatte der Augsburger den Bremer weggegrätscht - jedoch zuerst den Ball gespielt. "Ich berühre ihn danach ganz leicht. Da kannst du nicht Elfmeter pfeifen", sagte der Augsburger. Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) hatte es auch nicht getan und wurde dafür von den Bremern energischer bestürmt als zuvor das FCA-Gehäuse.

Weitere Zutat im bitteren Bremer Pleiten-Cocktail: Sokratis kassierte seine fünfte Gelbe Karte, ist am Samstag bei Borussia Mönchengladbach zum Zuschauen verdammt. Weil auch Sebastian Prödl noch eine Rot-Sperre abbrummen muss, wird wohl das Innenverteidiger-Duo Assani Lukimya/Mateo Pavlovic ran müssen.

Die Noten

Werder Bremen verliert gegen Augsburg: Die Einzelkritik

Aber egal, wer spielt: Solange Werder nicht zur Einheit zurückfindet, ist an Punkte und Siege ohnehin nicht zu denken. Sokratis, gestern als einziger Bremer mit hundertprozentigem Biss dabei, analysierte: "Das Problem ist, dass wir nicht als Team zusammenarbeiten. Jeder weiß, dass es nicht reicht, gute Spieler zu haben. Die müssen auch zusammen funktionieren." Weil sie es nicht tun, ist mittlerweile auch ihm klar geworden, dass der Rest der Saison eine harte Probe wird: "Es kann für uns jetzt nur noch darum gehen, sechs, sieben Punkte zu holen, um das Polster nach unten zu wahren." Das nennt sich dann Abstiegskampf.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg

"Nicht einverstanden" 

Thomas Schaaf: "Das war natürlich ein unbefriedigendes Ergebnis für uns. Wir sind in einer Situation, mit der man nicht einverstanden sein kann. Wir hätten uns anders wehren müssn, das haben wir nicht getan. Es geht jetzt darum, in Zukunft eine andere Leistung abzurufen."

Markus Weinzierl: "Diese drei Punkte sind unheimlich wichtig für uns. Wir haben mutig und selbstbewusst gespielt und uns diesen Erfolg verdient. Es war klar, das Werder in der zweiten Halbzeit mehr Druck machen wird, aber wir haben alle Situationen mit Glück und Geschick überstanden."

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