Nils Petersen

„Es will keiner dabei sein, wenn hier eine Ära endet“

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Werders Nils Petersen sieht die Abstiegsgefahr, blickt aber insgesamt recht optimistisch auf den Rest der Saison. ·

Bremen - Vielleicht fährt er heim zur Familie in den Harz, vielleicht aber auch zu seinen Schwiegereltern in spe. „Das entscheide ich kurzfristig“, sagt Nils Petersen. Wichtig sei auch nicht, was er am trainingsfreien Wochenende macht – sondern dass es überhaupt mal etwas anderes ist als Fußball.

„Es tut richtig gut, ein bisschen den Kopf freizubekommen. Und das geht am besten bei der Familie oder bei Freunden“, meint der Werder-Stürmer und fügt an: „Ich weiß, dass es vielleicht nicht überall gut ankommt, dass wir in so einer Phase freie Tage haben. Aber es ist eben auch mal nötig.“

Der Abstiegskampf, in den die Bremer wegen einer bisher sehr schwachen Rückrunde (nur acht Punkte aus neun Spielen) geraten sind, nagt an den Profis. „Das beschäftigt alle, ganz klar“, sagt Petersen, der sich in der sportlich prekären Situation voller Unsicherheit und Sorgen als Mahner, aber auch Mutmacher versucht. Den Ernst der Lage – nur noch sechs Punkte Vorsprung vor dem FC Augsburg auf Relegationsplatz 16 – habe jeder im Team erkannt, versichert Petersen: „In der Kabine habe ich zwar noch keine Angst gespürt: Aber alle haben begriffen, wie ernst es ist, was Sache ist. Es will doch keiner dabei sein, wenn hier zum Beispiel die Ära vom Trainer endet oder wenn Werder in die zweite Liga stolpert. So etwas nimmt man in seiner Vita immer mit.“

Der 24-Jährige sieht angesichts des negativen Trends (erst drei Niederlagen, dann zwei Unentschieden in den vergangenen fünf Begegnungen) und der Unerfahrenheit im Abstiegskampf aber auch klar die großen Gefahren. „Wir sind in einen Strudel geraten und müüsen aufpassen, dass sich das ganze Negative nicht zu sehr verfestigt. Der Abstand ist kleiner geworden. Die hinter uns punkten fleißig, wir nur wenig. Nächste Woche spielen wir in Mainz, Augsburg hat ein Heimspiel gegen Hannover. Das kann schnell nach hinten losgehen – das wissen wir“, meint Petersen und fordert: „Wir müssen uns da jetzt wieder rauskämpfen, so schnell wie möglich von den unteren Plätzen distanzieren – mit Kratzen, Beißen und Spucken. Das sind wir auch unseren Fans schuldig. In den kommenden Wochen werden sich die Typen herauskristallisieren, die den Abstiegskampf annehmen. Wir müssen jetzt zeigen, dass wir noch leben.“

Zuletzt wirkte es nicht gerade so. Das 2:2 im eigenen Stadion gegen Schlusslicht Greuther Fürth war alles andere als ein lebendiger Auftritt. Man habe „eine Karre Mist“ gespielt, erinnert sich Petersen, dem dieses Spiel (sein viertes hintereinander ohne Tor oder Vorlage) noch immer im Kopf umherschwirrt und sich bisher nicht vertreiben ließ: „Ob ich im Auto oder zu Hause auf dem Sofa sitze. Ich denke immer daran.“

Vielleicht helfen ihm und den Teamkollegen nun die freien Tage bei der Verarbeitung. Die Bremer Nationalspieler haben in dieser Hinsicht einen Vorsprung, sie sind schon seit Anfang der Woche unterwegs und gedanklich voll bei ihren Länderspielen. „Für sie ist es auch gut, mal ein bisschen vom Weserstadion weg zu sein und andere Luft zu atmen“, glaubt Petersen: „Und wenn sie am Mittwoch zurück sind, starten wir alle mit frischem Wind in die Vorbereitung auf Mainz.“

Insgesamt klingt der 24-Jährige recht optimistisch: „Weil ich glaube, dass wir Qualität haben und die sich am Ende durchsetzen wird.“ Aber, schränkt Petersen ein: „Diese Qualität müssen wir jetzt wieder nachweisen.“ · mr/csa

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