Werder-Profi Marin ist genervt, weil er bei der Nationalmannschaft ständig auf der Bank sitzt

„Wieso kriege ich keine Chance?“

Bremen - Von Björn Knips · Kleines Auto, großer Frust: Marko Marin war gestern Mittag angefressen, als er am Weserstadion vorfuhr. Das lag allerdings nicht am putzigen Fiat 500 seiner Freundin, sondern an seinem Trip zur Nationalmannschaft.

Bei der 0:1-Pleite gegen Argentinien in München war Marin am Mittwochabend wieder einmal nur Zuschauer gewesen – wie schon in den vier vorangegangenen Partien. „Das ist kein schönes Gefühl“, knurrte der 20-Jährige: „Ich verstehe nicht, wieso ich keine Chance mehr bekomme.“

Am 27. Mai 2008 hatte Marin sein Debüt in der DFB-Auswahl gefeiert – ein völlig überraschendes. Denn den erst 19-Jährigen vom Zweitligisten Borussia Mönchengladbach hatte niemand für die bevorstehende EM auf dem Zettel gehabt. Außer Joachim Löw. Allerdings strich der Bundestrainer den jungen Wirbelwind nach dem Casting auf Mallorca aus dem vorläufigen EM-Kader. Schweren Herzens, wie Löw damals beteuerte. Und als Beweis für dieses Aussage nominierte Löw den Dribbelkünstler nach der EM regelmäßig, brachte ihn fünf Mal als Joker und am 5. September 2009 gegen Südafrika erstmals in der Startformation. Ein Datum, dass Marin so schnell nicht vergessen wird, denn danach saß er bei der DFB-Auswahl nur noch auf der Bank.

„Dabei habe ich im letzten halben Jahr bei Werder wirklich gute Leistungen gezeigt“, wundert sich Marin. Und mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. „Marko überzeugt doch seit Monaten mit guten Leistungen bei uns“, sagt Thomas Schaaf. Der Werder-Coach ist mit dem Neuzugang von Borussia Mönchengladbach, der im Sommer für die Bremer Rekordablösesumme von 8,3 Millionen Euro an die Weser wechselte, mehr als zufrieden: „Marko hat sich bei uns toll weiterentwickelt. Ich bin überzeugt, dass er das auch bei der Nationalmannschaft umsetzen kann.“ Fragt sich nur, wann. „Vielleicht macht er ja bei der WM alle Spiele“, orakelt Schaaf. So ein Vereinstrainer muss manchmal auch Mutmacher sein . . .

Allerdings: Schaaf hat’s vorgemacht, was mit und für Marin möglich ist. In Gladbach war der Ballzauberer von Trainer Hans Meyer zum Joker degradiert worden, weil er angeblich zu offensiv für den Abstiegskampf war. In Bremen wurde Marin dann Stammspieler, weil ihn Schaaf vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umfunktionierte. Bis zum vergangenen Samstag stand der Angreifer in allen 37 Pflichtspielen auf dem Platz – fast immer von Beginn an. In Mainz beorderte ihn Schaaf dann auf die Bank, um ihm „ein bisschen Ruhe zu gönnen“. Für Marin „kein Problem. Damit kann ich leben. Ich habe mich ja auch ein bisschen müde gefühlt.“

Bei der Nationalmannschaft in München war er dann wieder topfit, aber trotzdem außen vor. Genauso wie Vereinskollege Aaron Hunt („Ich bin schon sehr enttäuscht, dass ich nicht gespielt habe“) durfte er sich gegen Argentinien nicht mal warm machen. Die gemeinsame Langeweile auf dem Platz vertrieb er sich mit einem besonderen Blick auf Superstar Messi: „Aaron und ich haben gehofft, dass Messi häufiger an den Ball kommt – das hätte wenigstens für mehr Unterhaltung gesorgt.“

Apropos Unterhaltung – mit Löw fand in München keine statt, berichtete Marin: „Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen.“ So ist er eigentlich im Unklaren darüber, wie seine WM-Chancen nun stehen. Aber der 21-Jährige besitzt auch ein gesundes Selbstbewusstsein und sagte deshalb: „Normalerweise müsste ich in Südafrika dabei sein.“ Allerdings würde ihm die Teilnahme allein nicht reichen: „Ich will spielen.“ So wie in Bremen. Marin beantwortete die Frage, ob er morgen im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in die Startelf zurückkehrt, jedenfalls mit einem unmissverständlichen „natürlich“. Vom Bankdrücken hat er nun genug: „Ich bin jetzt total ausgeruht und will endlich wieder Gas geben.“

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