Werder Bremen gesteht 50 Vereinsaustritte

Wiesenhof wehrt sich und ist stolz

Neue Partner: Werder-Boss Klaus Allofs (r.) und Wiesenhof-Geschäftsführer Dr. Ingo Stryck präsentierten gestern das neue Werder-Trikot mit Sponsor-Logo auf der Brust. ·

Bremen - Der nette Herr am Eingang des Medienraums konnte einem schon leid tun. Das Tablett mit den Hähnchen-Häppchen, die er im Auftrag des neuen Werder-Sponsors Wiesenhof anbot, war nicht leicht – und wurde es auch nicht. Denn kaum ein Journalist griff gestern zu.

Vor der offiziellen Präsentation des umstrittenen Geflügelfabrikanten aus Visbek als Werders größtem Geldgeber galt es schließlich, absolute Neutralität zu demonstrieren – und dann möglichst kritisch zu fragen. Doch Wiesenhof-Geschäftsführer Dr. Ingo Stryck ist geübt in solchen Dingen, verteidigte sich gekonnt. Und natürlich gaben ihm die Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs und Klaus Filbry reichlich Rückendeckung, mussten aber auch gestehen, dass es Vereinsaustritte gab.

Werder Bremen präsentiert den neuen Sponsor

Werder präsentiert den neuen Sponsor auf den Trikots

„Wir haben ein breites Kreuz und eine breite Brust, weil wir gute Arbeit leisten. Wir sind stolz auf unsere Produkte“, demonstrierte Stryck Selbstvertrauen. Sein Unternehmen, das auf die legale, aber für Tierschützer inakzeptable Massentierhaltung setzt, würde sich seit Jahren der Kritik stellen, „doch es ist klar, dass die radikalen Fleischverzichter das nicht toll finden“. Stryck berichtete, dass keine Strafverfahren gegen das Unternehmen oder Einzelpersonen laufen würden: „Es gibt nur zwei Ermittlungsverfahren.“ Stryck betonte zudem, dass Wiesenhof seit zehn Jahren Bio-Hähnchen im Angebot hätte: „Die kosten aber das Dreifache, das kann sich nicht jeder leisten.“ Deshalb sei die Nachfrage gering. Mit der Initiative Privathof-Hähnchen würde nun ein Mittelweg ausprobiert, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund. Dort haben die Tiere etwas mehr Platz, und es handelt sich um Rassen, die langsamer wachsen.

Ob das die Zahl der erbosten Werder-Fans verringern wird? Filbry bestätigte: „Ja, es gab Vereinsaustritte.“ 50 ganz genau, eine noch überschaubare Zahl. Filbry versprach dennoch: „Wir werden mit jedem den Dialog suchen.“ Auch zu den Fan-Clubs will Werder Kontakt aufnehmen und Stallbesichtigungen anbieten. So etwas ist auch zeitnah für die Mannschaft geplant. Die Spieler hätte er, so Allofs, schon in der vergangenen Woche informiert – und damit auf Nachfragen der Medien vorbereitet. Mit dem Ergebnis, dass alle Aussagen der Profis gestern ungefähr so klangen wie die von Kapitän Clemens Fritz: „Wir sind für das Sportliche zuständig. Die Verantwortlichen haben sich mit dem Thema auseinander gesetzt und entsprechend entschieden.“ Aaron Hunt nahm es immerhin noch mit Humor, dass Werder durch den neuen Sponsor als Hühnerhaufen verspottet werden könnte: „Wir hatten doch schon ,kik‘, da gab es auch den einen oder anderen Spruch. Damit kennen wir uns also aus.“

Werder Bremen - alle Fakten zu den Spielern

Werder Bremen: Alle Fakten zu den Spielern

Die Trikots mit dem neuen Sponsor-Logo sind ab Anfang September erhältlich. Wer sein blankes Shirt nachrüsten will, kann das kostenlos im Fan-Shop tun. Auch beim Catering gibt sich Werder fanfreundlich. Natürlich hält die Geflügelwurst Einzug ins Weserstadion, aber Filbry versicherte: „Es wird auch weiter die Stadionwurst aus Schweinefleisch geben.“

Die Ankündigung, dass Werder seinen Sponsor künftig mit einem kritischen Auge begleiten werde, musste der Geschäftsführer dagegen ein wenig einschränken. „Wir werden keine Kontrollfunktion übernehmen, denn wir sind ein Fußballverein“, stellte Filbry klar. Und Allofs merkte noch an: „Wir sind nicht blind in dieses Engagement gegangen. Ich ärgere mich darüber, wie eine Branche ungerechtfertigt so einen schlechten Ruf genießt.“

Den will Wiesenhof nun mit Werder aufpolieren – und zahlt dafür dem Vernehmen nach sechs Millionen Euro im Jahr. Mindestens zwei Spielzeiten lang. Allofs glaubt an eine „Erfolgsstory“. Es könnte aber auch ein unangenehmes Dauerthema werden, wie vor einigen Jahren „bwin“. Der Wettanbieter wurde in Bremen verboten und musste schließlich von der Werder-Brust verschwinden. · kni

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